Frau Jolie, der erste „Maleficent“-Film ist bis heute der erfolgreichste Film Ihrer Karriere. Warum lieben die Fans Sie in dieser Rolle so sehr?

Angelina Jolie: Wenn ich das so genau sagen könnte ... Auf jeden Fall weiß ich, dass ich diese Figur schon liebte, als ich als Kind die Zeichentrickversion von „Dornröschen“ sah. Als mir dann später die Rolle angeboten wurde, sagten alle: „Die ist wie gemacht für dich. Niemand anders kann das spielen.“ Ich war mir nicht sicher, wie ich das verstehen sollte. (lacht) Warum war es so naheliegend, dass ausgerechnet ich eine böse Fee bin? Aber gut, könnt ihr haben. (lacht) Und tatsächlich macht es unglaublich viel Spaß, jemanden zu spielen, der so stark, so wild und so gnadenlos, direkt und intensiv ist. Heute bin ich stolz, dass man mich mit ihr assoziiert.

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Was reizte Sie, Frau Pfeiffer, daran, sich in diese Märchenwelt zu begeben?

Michelle Pfeiffer: Ich fand es interessant, dass es hier eben nicht um ein klassisches Märchen geht, sondern die Geschichte doch ein paar ungewöhnliche Überraschungen bereithält. Es geht nicht nur um Gut und Böse, sondern um jede Menge Grauzonen. Abgesehen davon gefiel es mir, dass hier drei starke Frauen im Zentrum stehen, deren Stärke sich allerdings auf sehr unterschiedliche Weise manifestiert. Meine Figur dagegen ist brillant und diabolisch, aber sicherlich nicht sonderlich weise.

Michelle Pfeiffer (61) kennt man vor allem aus 80er-Jahre-Filmen wie „Die Hexen von Eastwick“ und „Gefährliche Liebschaften“. Die zweifache Mutter ist in zweiter Ehe mit dem Film- und Fernsehproduzenten David E. Kelley verheiratet.
Michelle Pfeiffer (61) kennt man vor allem aus 80er-Jahre-Filmen wie „Die Hexen von Eastwick“ und „Gefährliche Liebschaften“. Die zweifache Mutter ist in zweiter Ehe mit dem Film- und Fernsehproduzenten David E. Kelley verheiratet. | Bild: Tiziana Fabi / AFP

Hat Ingrith auch eine verletzliche Seite?

Pfeiffer: Jedem Menschen wohnt auch Verletzlichkeit inne. Und ohne Frage ist sie lädiert, um es mal so auszudrücken. Niemand verhält sich so wie sie, wenn er oder sie nicht irgendwie angeknackst oder traumatisiert ist. Sie zeigt es natürlich nicht. Aber letztlich ist das, was sie antreibt, ja nichts anderes als Angst.

Und wie würden Sie Ihre Rolle in diesem Trio beschreiben, Miss Fanning?

Elle Fanning: Aurora steht für das Gute und die Güte in der Welt, für Akzeptanz und Miteinander. Sie lebt harmonisch in und mit den beiden Welten, die sich in der Geschichte gegenüberstehen. In der Fortsetzung nimmt sie ihr Leben in die Hand. Dass sie das ohne Rüstung, sondern im Kleid tut, finde ich super. Auch so kann Frauenpower aussehen.

Elle Fanning (21) begann ihre Hollywoodkarriere mit kleineren Rollen in Serien und Filmen. Bekannt ist sie unter anderem für ihre Rollen in „Super 8“ (2011) und „Die Verführten“ (2017). Ihre ältere Schwester Dakota ist ebenfalls Schauspielerin.
Elle Fanning (21) begann ihre Hollywoodkarriere mit kleineren Rollen in Serien und Filmen. Bekannt ist sie unter anderem für ihre Rollen in „Super 8“ (2011) und „Die Verführten“ (2017). Ihre ältere Schwester Dakota ist ebenfalls Schauspielerin. | Bild: Alberto Pizzoli / AFP

Welche Bösewichter der Filmgeschichte lieben Sie besonders?

Jolie: Ich sage das jetzt nicht nur, weil Michelle neben mir sitzt. Aber ihre Catwoman in „Batmans Rückkehr“ ist auf jeden Fall eine Klasse für sich.

Pfeiffer: Oh, dankeschön. Mich hat Heath Ledger als Joker in „The Dark Knight“ besonders beeindruckt.

Was die „Maleficent“-Filme auszeichnet, sind Kostüme und Ausstattung. Wenn Sie eine Requisite hätten mitnehmen dürfen, welche wäre es gewesen?

Pfeiffer: Die üppigen Perlenketten, die ich getragen habe. Die waren toll!

Fanning: Ich hätte gerne die Spindel, die ja nun auch im zweiten Teil vorkommt.

Jolie: Ich habe meinen magischen Stab tatsächlich mitgenommen. Durfte ich das nicht? (lacht) Aber fragen Sie mich nicht, wo der inzwischen ist. So etwas verschwindet bei mir immer ganz schnell in einem der Kinderzimmer – und ward dann nicht mehr gesehen ...

Angelina Jolie (44) wurde als Lara Croft in „Tomb Raider“ (2001) bekannt. Für „Durchgeknallt“ (2000) gewann sie einen Oscar. Sie war drei Mal verheiratet und ist Mutter von sechs Kindern, drei sind adoptiert und drei leiblich.
Angelina Jolie (44) wurde als Lara Croft in „Tomb Raider“ (2001) bekannt. Für „Durchgeknallt“ (2000) gewann sie einen Oscar. Sie war drei Mal verheiratet und ist Mutter von sechs Kindern, drei sind adoptiert und drei leiblich. | Bild: Isabel Infantes / AFP

Ist „Maleficent – Mächte der Finsternis“ für Sie ein Familienfilm?

Jolie: Auf jeden Fall. Ein Film für die ganze Familie und über das Thema Familie gleichermaßen. Je länger ich darüber nachdenke, desto persönlicher spricht mich die Geschichte des Films an. Dass die Liebe einer Mutter zum Beispiel nicht zwingend etwas mit einer Blutsverbindung zu tun hat. Oder dass es einen Menschen komplett verändern kann, wenn man Mutter wird. Diese Dinge habe ich am eigenen Leib erfahren. Und dass uns unsere Unterschiede, unsere Einzigartigkeiten, stärker machen und einem Zusammenhalt nicht im Weg stehen, das ist eine Botschaft, die nicht nur für jede Familie, sondern für die ganze Gesellschaft gilt.

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Ihr ältester Sohn Maddox ist kürzlich ausgezogen und studiert nun in Südkorea. Fiel Ihnen der Abschied schwer?

Jolie: Oh, Sie haben ja keine Ahnung! Die ganze Woche vor seiner Abreise waren wir mit Vorbereitungen beschäftigt, und ich war sehr stolz auf mich, wie gut ich mich um alles kümmerte: die richtigen Schuhe, die passende Brille, genug warme Jacken. Am Flughafen ließ er sich dann viel Zeit, und ich dachte mir noch, wie süß es ist, dass er noch möglichst viel von seiner Mutter haben will. Aber als er mich irgendwann ansah und fragte, ob ich okay sei, wurde mir plötzlich etwas klar. Nicht ich hatte ihn in dieser Woche aufs College vorbereitet, sondern er mich. Und dann nahm er mich in den Arm, weil er wusste, dass ich das brauchte. In dem Moment wusste ich, dass ich mir keine Sorgen um ihn machen muss. Als er ins Flugzeug einstieg, war ich richtig stolz. Und natürlich habe ich ordentlich geweint.