Der Schweizer Schriftsteller Max Frisch (1911-1991, „Homo Faber“) notierte einst Fragen, die auch den klügsten Kopf in Verlegenheit bringen. Mit freundlicher Genehmigung des Suhrkamp-Verlags, in dem der Fragebogen erschienen ist, lassen wir regelmäßig prominente Persönlichkeiten auf einige der Fragen antworten – heute ist die Pianistin Henriette Gärtner an der Reihe.

Möchten Sie das absolute Gedächtnis?

Nein, das möchte ich nicht. Allein der Gedanke daran macht mir Angst. Die Möglichkeit, Erlebnisse und Erinnerungen vergessen zu können, ist eine der wichtigsten Fähigkeiten unseres Gehirns. Vergessen und Filtern ist für meine geistige Freiheit, Fantasie und Kreativität unabdingbar.

Was tun Sie für Geld nicht?

Nicht mal ohne Geld würde ich mir jemals selbst untreu werden.

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Welche Probleme löst eine gute Ehe?

Ich denke, jeder muss seine Probleme selbst lösen und ist dafür verantwortlich. In einer guten Ehe wird das Vertrauen zum Fundament jenen „Hauses“, in welchem Dinge wie Hoffnungen, Wünsche, Sehnsüchte und Durchsetzungswille wohnen.

Was ertragen Sie nur mit Humor?

Dumme Kommentare über meine Arbeit mit der Musik, meine Arbeit als Pianistin und Musikphysiologin kann ich nur noch mit Humor ertragen. Ich habe gelernt, Dinge, auf die ich keinen Einfluss habe, entweder anzunehmen oder höflich beiseitezulegen. Der Humor und mein inneres Auge sind mir dabei gute Wegbegleiter, sodass ich letztlich wieder lachen kann.

Verändert im Alter sich der Humor?

Ja, vor allem der Umgang mit Humor. Er ist für mich eine Quelle, woraus ich Kraft schöpfen kann und er erlaubt mir, mit Dingen gelassener umzugehen. Der Humor wächst in den Feinheiten, Schattierungen und in der (Schlag-) Kraft. Ist er ein wunderbares Mittel, in manchen Situationen dem Gegenüber den Wind aus den Segeln zu nehmen. Das Lachen ist für mich Medizin.

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Gesetzt den Fall, Sie haben nie einen Menschen umgebracht, wir erklären Sie es sich, dass es dazu nie gekommen ist?

Das wäre mir zu viel Arbeit. Die Zeit regelt das von selbst.

Wann haben Sie aufgehört zu meinen, dass Sie klüger werden oder meinen Sie‘s noch?

Naturgemäß nehmen Erfahrungen mit den Jahren zu, ebenso der Umgang damit. So steigt die Wahrscheinlichkeit, die Bedeutung und die Qualität der Handlungen für mich immer besser einschätzen und einordnen zu können. Vielleicht ist es klug, nicht immer alles zu kommentieren. So gefällt mir das Zitat von der deutschen Schauspielerin Lil Dagover: „Eine kluge Frau wird manches übersehen, aber alles überschauen“.

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Wie alt möchten Sie werden?

Ich möchte im Leben stets Emotionen, Freude an Ästhetik, Schönheit, Kunst, Sinnlichkeit und Liebe selbst erleben können und andere erleben lassen.

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