In „Das schweigende Klassenzimmer“ beschreibt Dietrich Garstka die gravierenden Folgen einer spontanen Schweigeminute, die sich angehende Abiturienten während des Ungarn-Aufstands im Jahr 1956 in der märkischen Kleinstadt Storkow leisteten. Die noch junge und durch den Volksaufstand von 1953 verunsicherte DDR ignorierte diese geräuschlose Provokation nicht, sondern versuchte mit allen Mitteln, die Rädelsführer ausfindig zu machen.

Aufgrund des besonderen Zusammenhalts der Klassengemeinschaft gelang dies wider Erwarten nicht. Zur Strafe wurde allerdings die gesamte Klassengemeinschaft vom Abitur ausgeschlossen, und bis auf wenige Ausnahmen sahen sich aus Angst vor weiteren Repressalien fast alle Jugendlichen genötigt, nach Westdeutschland zu flüchten.

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Indem Garstka seine subjektiven Erinnerungen durch Text- und Bildquellen belegt, gewinnt man als Leser ein ebenso glaubwürdiges wie bedrückendes Bild vom Leben in der DDR der späten 50er-Jahre, das für viele Menschen von Selbstverleugnung, Angst, Misstrauen und Frustration bestimmt gewesen sein muss.

„Das schweigende Klassenzimmer“ von Dietrich Garstka ist bei Ullstein Taschenbuch erhältlich (2018, 272 Seiten, 12 Euro).
„Das schweigende Klassenzimmer“ von Dietrich Garstka ist bei Ullstein Taschenbuch erhältlich (2018, 272 Seiten, 12 Euro). | Bild: Ullstein-Verlag

Ich lege dieses inzwischen auch verfilmte Buch drei Gruppen von Leserinnen und -Lesern besonders ans Herz: jenen, die präzise nachvollziehen möchten, wie Diktaturen auch den letzten Winkel der menschlichen Existenz auszuleuchten suchen, jenen, die mit den politischen Verhältnissen unserer heutigen Staatlichkeit hadern und jenen, die angesichts der gesellschaftlichen Instabilität der Gegenwart ein inspirierendes Beispiel für mutige Haltung und vertrauensvolles Miteinander suchen.