Drei, vier Mal schlägt der schwere Hammer zu, um ein großes Loch in die Wand zu reißen. Was sich dahinter verbirgt, bekommt die Kopenhagener Polizei, ja selbst das Sonderdezernat Q nicht jeden Tag zu sehen: Drei mumifizierte Leichen sitzen da in dem eingemauerten Zimmer. Seit zwölf Jahren, so stellt sich später heraus, sind sie tot und aufgebaut um einen Tisch, auf dem Gläser mit einer Vagina, mit Hoden und Eierstöcken stehen. Es ist ein so bizarrer wie grausamer Fund, der den Auftakt von „Verachtung“ liefert, der Adaption eines Krimis von Jussi Adler-Olsen, erstmals unter der Regie von Christoffer Boe. In der erfolgreichen Romanreihe des dänischen Autors erscheint demnächst bereits der achte Band. Im Kino hingegen werden das Sonderermittler-Team mit dem mürrischen Carl Mørck (Nikolaj Lie Kaas), seinem Partner Assad (Fares Fares) und Assistentin Rose (Johanne Louise Schmidt) zum vierten Mal auf einen Fall angesetzt – nach „Erbarmen“, „Schändung“ und „Erlösung“.

Soren Pilmark (l-r) als Polizeichef Marcus Jacobson und das Ermittlerduo Carl Mørck (Nikolaj Lie Kaas) und Assad (Fares Fares) bei ihrem vierten Fall im Kino.
Soren Pilmark (l-r) als Polizeichef Marcus Jacobson und das Ermittlerduo Carl Mørck (Nikolaj Lie Kaas) und Assad (Fares Fares) bei ihrem vierten Fall im Kino. | Bild: dpa

Diesmal ist Assad zu Beginn zwar eigentlich dabei, sich von seinem Partner und in eine neue Position im Betrugsdezernat zu verabschieden. Dann aber folgen sie doch noch einmal gemeinsam den Spuren, die erneut in die Vergangenheit führen: zurück in die frühen 60er Jahre. Denn die gefundenen Leichen haben alle eine Verbindung zur düsteren Geschichte der kleinen Insel namens Sprogø, wo sich damals offiziell ein Heim für junge Frauen mit psychischen Problemen befand. Eigentlich aber war es eher ein Gefängnis für diejenigen, die der Staat für unanständig hielt. Dort kam es zu Misshandlungen, Vergewaltigungen und Zwangssterilisierungen – ein wahres, düsteres, verschwiegenes Kapitel der dänischen Geschichte, das der Film beleuchtet und parallel in einer Rückblende aus der Sicht der jungen Nete mit einflechtet. Rund 11 000 Frauen, so heißt es im Abspann, gehörten einst zu den Opfern.

Rassistische Ideologie

Über die Täter von damals, federführend eines Arztes auf Sprogø, schlägt „Verachtung“ den Bogen in die Gegenwart zu einer Gruppierung namens „Kalter Winter“, die die eigene Gesellschaft orientiert an der Herrenrassen-Nazi-Ideologie „rein halten“ wollen. Diese Rassisten sprechen von genetischen Säuberungen und haben es vor allem auf junge Migrantinnen, vorwiegend Muslima, abgesehen, die bei Abtreibungen ohne ihr Wissen sterilisiert werden. Ungewöhnlicherweise wird der Mord um die mumifizierten Leichen dabei zunehmend zweitrangig. Stattdessen stößt „Verachtung“ mit dem Fall in eine Dimension vor, dessen aktuelle Relevanz über einen bloßen Krimifall hinausreicht.

ABSPANN

Land: Dänemark/Deutschland

Regie: Christoffer Boe

Darsteller: Nikolaj Lie Kaas, Fares Fares, Johanne Louise Schmidt

Länge: 119 Minuten

FSK: ab 12 Jahren

Fazit: Spannende Krimi-Thriller-Adaption, die ein düsteres Kapitel dänischer Geschichte aufgreift