Die Fantastischen Vier lassen sich Zeit. Erst über eine Stunde nach offiziellem Konzertbeginn treten die Vier aus Stuttgart auf die Bühne vor der Schlosskulisse Salems.

Thomas und Michi heizen den Fans zum Auftakt des Konzerts ein.
Thomas und Michi heizen den Fans zum Auftakt des Konzerts ein. | Bild: Moll, Mirjam

Zuvor bemüht sich DJ Thomilla, die circa 5000 Fans in Stimmung zu bringen – mit mittelmäßigem Erfolg. Die Fans wollen die Fantas sehen, die schließlich mit alten Kultsongs und neuen Hits aus ihrem aktuellen Album „Captain Fantastic“ die Bühne rocken.

Mit Effekten und Lichtshow vor dem aufgehenden Nachthimmel untermalen die Fantas ihren Auftritt. Bei den Fals kommt die Show gut an. Bild: Mirjam Moll
Mit Effekten und Lichtshow vor dem aufgehenden Nachthimmel untermalen die Fantas ihren Auftritt. Bei den Fals kommt die Show gut an. Bild: Mirjam Moll | Bild: Moll, Mirjam

Jugendlicher Charme

Gleich eins der ersten Lieder ist der Klassiker „Sie ist weg“, mit dem die Jungs, die ihren jugendlichen Charme von damals immer noch behalten haben, 1995 24 Wochen lang an die Spitze des deutschen Charts katapultierte.

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Auch „Die da“ tauchte im Repertoire der Band auf – der Song, mit dem die Stuttgarter 1992 bundesweit Aufmerksamkeit erregten und den Grundstein ihres mittlerweile 30-jährigen Bestehens legten. Dazu zauberte Thomas D. seine Kultbrille mit den dicken Rahmen hervor, wie man sie aus dem damaligen Musikvideo kennt.

Ganz die Alten und doch nicht alt

„Wir sind dieselben geblieben“, ruft Michi den Fans zu, „nur die Augenringe sind etwas tiefer geworden“. Sich selbst auf die Schippe zu nehmen gehört bei den Fantas eben zum Programm. Aber die Vier wären nicht die Vier, wenn sie nicht klare Kante zeigen würden gegen Rechts.

„Lass euch nicht trennen von den Populisten“, fordert Smudo die Menge auf und wird noch deutlicher: „Was die AfD macht, ist nicht richtig und nicht gut.“ Smudo warnte auch vor dem Einfluss von vermeintlichen Nachrichten auf Twitter, Facebook, YouTube und Co.

Michi, hier auf den Bildschirmen links und rechts der Bühne groß zu sehen, animiert die Fans.
Michi, hier auf den Bildschirmen links und rechts der Bühne groß zu sehen, animiert die Fans. | Bild: Moll, Mirjam

Ansage gegen Rechts

„Das verzerrt den Blick auf uns alle“, mahnte der mittlerweile 51-Jährige, der mit bürgerlichem Namen Michale Schmidt heißt.

Der Ansage folgte „Gebt uns ruhig die Schuld“ und „Wir ernten, was wir säen“ – zwei weitere Klassiker, die unterstreichen, wofür sich die Band immer wieder einsetzt.

Vielschichtige Fangemeinde

Umso überraschender, dass unter den Fans auch vereinzelt „Böhse Onkelz„-Fans mit entsprechenden T-Shirts waren – eine Band, die wegen ihrer Nähe zum Rechtsrock bis heute umstritten ist.

Zwischendurch grölten ein paar Fans des Fußballclubs VfB in Richtung Bühne – doch der entspannten Grundstimmung auf dem Open-Air-Gelände tat das keinen Abbruch.

Ganz nah dran: Nur wenige Meter trennen die Fans von den Fantas.
Ganz nah dran: Nur wenige Meter trennen die Fans von den Fantas. | Bild: Moll, Mirjam

Die Fans, teils ganze Familien mit Kindern, aber auch Teenager bis hin zu Menschen in den 60ern, waren „beseelt“ von dem Auftritt der Jungs, wie eine Besucherin nach dem Konzert begeistert erzählt.

Die langjährige Bandgeschichte spiegelt sich eben auch in der Fangemeinde wieder – und den Stuttgarten gelingt es immer wieder, die nächste Generation mitzureißen.

Ausflüge in den Rock

Auch die Songauswahl, die Kombination aus Alt und Neu, die Ausflüge in den Rock mit teils ausgeprägten E-Gitarren-Solos wie bei „Wir ernten, was wir säen“, schlugen aber nicht so ein wie der klassische Sound von Hits wie „MfG“, bei der die Menge vor Euphorie jubelte und sich von den Fantas mitreißen ließ. Thomas D., inzwischen auch 50 Jahre alt, haut bei den rockigeren Nummern der Band besonders auf den Putz. 

Video: Moll

Im Plauderton moderierten Smudo und Michi durch ihr Programm, zum Teil wirkte der Austausch der beiden wie ein gemütlicher Plausch, hier und da etwas zu ausgedehnt, zum Unmut einiger Fans, die mit „Weiter geht‘s“-Rufen den nächsten Song einforderten.

Chillige Vibes

Mit „Tag am Meer“ folgte ein weiteres Lied aus der Anfangszeit der Band. Smudo untermauert den Song mit ein paar Zügen Lachgas zwischen seinen Rapzeilen – da ist er eben wieder, der kindsköpfige Charme der Band, die irgendwie nicht älter wird. „Einfach sein“, ein Song aus 2007 führt langsam in die Neuzeit der Gruppe.

Mit „Zusammen groß“ featuring den deutschen Rapper Clueso stammt aus dem jüngsten Album der Band „Captain Fantastic“ aus dem vergangenen Jahr. Mit „Danke“ und „Hitisn“ gaben die Fantas noch eine Zugabe, bevor sie nach etwa zwei Stunden die Bühne verließen.

Wie die Teenies

Zu guter Letzt brachten die Jungs noch „Troy“ – Michi kann es nicht lassen und winkt mit einem schwarzen BH, der seinen Weg auf die Bühne gefunden hat. Stuttgarter Kindsköpfe eben, die auch nach 30 Jahren kein bisschen alt wirken.