Ein Stück Holz ist nur ein Stück Holz? Fantasielos würde Marco Hompes, neuer Leiter des Museums Villa Rot, sagen. Ein Stück Holz kann auch ein Zauberstab sein. Zumindest ist das so, wenn man seiner Ausstellung „Das geheime Leben der Dinge“ folgt.

Gleich das erste Objekt der Ausstellung von Antoanetta Marinvo, das den Besucher in der Villa Rot empfängt, besteht aus Zauberstäben, die in einer ausgepolsterten Schatulle liegen. Es genügen die Beschriftung „Zauberstäbe“ und der museale Kontext, um die Imagination des Betrachters anzuregen. Doch nicht nur das. Fundstücke und Dinge des Alltags – dem Besucher begegnen bei seinem Rundgang Hocker, Gläser oder ein Tisch – erfahren hier eine ästhetische Aufwertung.

Marco Hompes unterlag als Kurator nicht der Versuchung, möglichst poetische Werke und Haltungen auszuwählen. Er spürte Objekte auf, die einen Bezug zur Lebenswirklichkeit der Besucher haben. So begegnen die der Präsentation einer Sammeltasse mit kleinem Löffel. Doch nicht nur das, immer wieder scheppern unvermittelt Sammeltasse und Löffel und letzterer bewegt sich wie von Zauberhand (oder von den Zauberstäben?) in der leeren Tasse. Nicht nur weil die Tasse leer ist, hat der Löffel in ihr nichts verloren. Eine Sammeltasse, das Schmuckstück eines jeden Wohnzimmerbuffets, benutzt man nicht, man stellt es zur Schau. Und so vollzieht der Löffel einen zwar sanften, aber doch ständig sich wiederholenden Angriff auf ein bürgerliches Schmuckstück. Ironie der Geschichte: Dadurch wird es zum Kunstwerk (was es ansonsten kaum ist.)

Ohne den ironischen Umgang der Künstler mit den gewählten Gegenständen und deren Konnotationen würden viele Objekte wohl entweder allzu pathetisch wirken oder aber im Banalen stecken bleiben. Ein Meister der Ironie ist Magnus Thierfelder. Er treibt ein fast schon perfides Spiel mit einem Wasserrohrbruch. Ein an der Wand entlang verlaufendes Wasserrohr ist an einer Stelle undicht, so dass aus ihm, wie bei einem Springbrunnen, eine kleine Fontäne spritz, die von einem anscheinend provisorisch hingestellten Eimer aufgefangen wird. Bis hier die Assoziation Rohrbruch, Wasserschaden etc. überlagert wird von dem Bild eines zwar einfachen, aber schön plätschernden Springbrunnens, braucht es einiges beim Betrachter. (Der Heimwerker könnte hier auch angeregt werden.)

„Das geheime Leben der Dinge“ ist eine kurzweilige Ausstellung in der Villa Rot, ohne auf knallige Effekte zu setzten. Die vertrauten Dinge zeigen tatsächlich ein geheimes Eigenleben, das wohl schon immer in ihnen schlief, es nur des künstlerischen Zauberworts bedurfte, um deren ästhetischen Qualitäten zum „Singen“ zu bringen.

Bis 2. Juli. Öffnungszeiten: Mi.-Sa. 14-17, So. 11-17 Uhr in der Villa Rot