Helikopter über dem Hochrhein: In den nächsten Tagen dürfte das keine Seltenheit sein. Grund zur Beunruhigung gibt es aber nicht. Rund um das Schweizer Atomkraftwerk in Leibstadt wird von 27. bis 29. September der Ernstfall geübt. Unterschiedliche Behörden aus der Schweiz, Deutschland, Österreich und Frankreich sind an der Übung beteiligt, wie das Schweizer Bundesamt für Bevölkerungsschutz (Babs) in einer Mitteilung mitteilt. Diese großangelegte Übung findet alle zwei Jahre statt.

Verschiedene Szenarien werden geübt

An den drei Tagen werden verschiedene Szenarien und Abläufe eingeübt. Am Dienstag, 27. September, wird der Transport von Notfallmaterial wie Generatoren und Pumpen geübt. Hierzu setzt die Schweiz Helikopter und Lastwagen der Armee ein. Unter anderem werden die Materialien durch die Luft vom zentralen Lager für Notfallmaterial in Reitnau im Aargau, angrenzend an den Kanton Luzern, nach Leibstadt gebracht.

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Zwei Tage später am Donnerstag, 29. September, werden Messteams in der ganzen Nordschweiz unterwegs sein, um das Messen radioaktiver Strahlung zu trainieren, wie das Babs in seiner Mitteilung erklärt.

Alle Übungen werden vor Ort von den Behörden beobachtet, um in einem abschließenden Bericht feststellen zu können, welche Prozesse sich bewährt haben und wo die einzelnen Stellen noch Potenzial zur Verbesserung haben.

Der Betrieb des Kernkraftwerks werde während der Übungen nicht beeinträchtigt.

Wer ist auf deutscher Seite zuständig?

In Deutschland wird sich das Regierungspräsidium Freiburg als höhere Katastrophenschutzbehörde an der Übung beteiligen. Zusätzlich sind aber auch der Landkreis Waldshut, das Ministerium für Umwelt Baden-Württemberg, das Innenministerium Baden-Württemberg, das Polizeipräsidium Freiburg und auf Bundesebene das Radiologische Lagezentrum des Bundes in der Übung involviert. Wie das Regierungspräsidium auf Anfrage des SÜDKURIER erklärt, wird am ersten Tag ein sogenanntes radiologisches Ereignis simuliert.

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Wie Sprecherin Heike Spannagel weiter erklärt: „Wesentliche Übungsziele sind die Herstellung der Einsatzbereitschaft der beteiligten Organisationen innerhalb zeitlicher Vorgaben, die Beübung der geltenden Konzepte und Kommunikationswege, die Entsendung von Verbindungspersonen in die Schweiz und die Abstimmung der Lage und Festlegung von Katastrophenschutzmaßnahmen zwischen der Schweiz und Deutschland.“ Am zweiten Tag sollen wie auch in der Schweiz Messübungen erfolgen.

Welches Ereignis aber genau geprobt wird, weiß nur die Übungsleitung des Regierungspräsidiums, weshalb hierzu noch keine Informationen vorliegen. Man wolle aber zeitnah über den Verlauf der Übungen informieren, so Spannagel.

Was macht das Regierungspräsidium im Ernstfall?

„In einem Ernstfall würde das Regierungspräsidium Freiburg Katastrophenschutzmaßnahmen anordnen. Dies sind vor allem die Anordnungen Verbleiben im Haus, Evakuierung der Bevölkerung und Jodtablettenausgabe“, erklärt Spannagel. Da im Regierungsbezirk Freiburg keine AKWs stehen, ist das Präsidium für die grenznahen Kraftwerke in der Schweiz (Beznau und Leibstadt) und Frankreich (Fessenheim) zuständig.

Die Maßnahmen finden aber immer auch in Abstimmung mit anderen Behörden statt, wie dem Bundesamt für Bevölkerungsschutz oder dem Radiologischen Lagezentrum des Bundes. Auch die Abstimmung mit ausländischen Behörden gehört zur Aufgaben des Regierungspräsidiums.

Atomkraft-Gegner warnen vor einem Super-GAU

Die Angst vor einem Unfall treibt auch Atomkraft-Gegner um. Erst kürzlich besuchten dutzende Menschen das AKW in Leibstadt, um für seine Abschaltung zu demonstrieren. Die Demonstranten waren Teil einer Anti-Atom-Radtour durch Nord- und Süddeutschland. In Leibstadt kritisierten sie vor allem das Alter des AKWs und dass die Schweiz derzeit keinen Ausstieg aus der Atomkraft plant.

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