Hallenradsport: – Es war ein sehr gutes Gefühl, mit dem der Tross des RV Lottstetten an jenem 7. März, einem Samstag, abends von Stockach nach Hause gefahren ist. Kurz zuvor hatten die Kunstradfahrerinnen Anna-Sophia von Schneyder und Anika Papok bei den Juniorinnen die baden-württembergische Meisterschaft eingefahren. Das Programm saß, die Punktezahl konnte sich mit 120,89 absolut sehen lassen.

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Der Auftritt der Talente war mehr oder minder eine Generalprobe für die im Mai anstehenden Jahres-Höhepunkte. Schließlich wollten die Lottstetter Juniorinnen bei den Deutsche Meisterschaften in Wetzlar und bei den Europameisterschaften in Altdorf/Schweiz ihre 2019 gewonnenen Titel verteidigen.

Arbeit vor Vergnügen: Ohne Desinfektion darf Anna-Sophia von Schneyder nicht aufs Rad.
Arbeit vor Vergnügen: Ohne Desinfektion darf Anna-Sophia von Schneyder nicht aufs Rad. | Bild: Kerstin von Schneyder

Doch dann kam Corona. Von einem Tag auf den anderen wurde das öffentliche Leben zurückgefahren. Plötzlich standen viele Räder still – auch jene von Anna-Sophia von Schneyder und Anika Papok. Training im bisherigen Stil war fortan nicht mehr erlaubt, die Hallen wurden verschlossen.

Video: Kerstin von Schneyder

Nach dem ersten Schock wurden bald neue Wege gegangen – fahren war ja nicht mehr möglich: „Bundestrainer Dieter Maute hat umgehend einen Video-Chat eingerichtet, bei dem die Mädchen trainieren konnten“, erzählt Kerstin von Schneyder, Mutter und Trainerin der erfolgreichen Sportlerinnen, über die ersten Maßnahmen, das Training nicht ganz auf Null zu fahren.

Voraussetzung: Anika Papok gibt sich viel Mühe, die hohen Auflagen fürs Training zu erfüllen.
Voraussetzung: Anika Papok gibt sich viel Mühe, die hohen Auflagen fürs Training zu erfüllen. | Bild: Kerstin von Schneyder

So wurden vor dem Rechner mit anderen Kunstradfahrerinnen mehrmals pro Woche zahlreiche Übungen für Kraftaufbau, Muskeltraining und Beweglichkeit durchgezogen. Es waren 90 Minuten dauernde Einheiten: „Das war ungewohnt, aber alle Beteiligten hatten Spaß“, so Kerstin von Schneyder. Parallel dazu trafen sich die beiden Sportler-innen im Dorf zum gemeinsamen Joggen, mit dem nötigen Abstand.

Trainerin Kerstin von Schneyder (RV Lottstetten): „Wir haben uns wirklich große Chancen ausgerechnet, bei den Deutschen Meisterschaften und der Europameisterschaft erneut etwas zu reißen.“
Trainerin Kerstin von Schneyder (RV Lottstetten): „Wir haben uns wirklich große Chancen ausgerechnet, bei den Deutschen Meisterschaften und der Europameisterschaft erneut etwas zu reißen.“ | Bild: Scheibengruber, Matthias

Das „echte“ Training, also die Übungen auf dem Kunstrad zu fahren, war so allerdings nicht zu ersetzen. Zudem schlugen erste Informationen, dass die im Mai anvisierten Meisterschaften wohl nicht stattfinden werden, aufs Gemüt. Für das Lottstetter Duo war es ein echter Schlag ins Kontor, denn wie gut sie auf diese Events vorbereitet waren, stellten die 120,89 Punkte von Stockach absolut unter Beweis.

Video: Alisa Lais

Bei EM-Sieg vor einem knappen Jahr in Geispolsheim im Elsass hatten sie 121,16 Punkte heraus gefahren: „Wir haben uns wirklich große Chancen ausgerechnet, erneut etwas zu reißen“, so Kerstin von Schneyder: „Die Trainingsarbeit eines halben Jahres verpuffte mit Corona.“

Die Lage bei anderen Hallenradsport-Vereinen

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Getreu ihrem Motto „Machen wir das Beste aus der Situation“ hielt Kerstin von Schneyder, die vor einem Vierteljahrhundert mit ihrer Trainerkollegin Susanne Daudey damals als Kunstrad-Duo „Seifert/Stark“ erst Vize-Weltmeister 1995 in Frankreich und ein Jahr später Weltmeister in Malaysia wurde, ihre Mädchen bei Laune.

Video: Monika Schrott

Und doch war es eine kleine Erlösung, als vor knapp vier Wochen der erste Schritt zurück zur Normalität gemacht werden konnte. Die Politik genehmigte „Training unter Auflagen“ für Angehörige von Nationalmannschaften. Die Gemeinde Lottstetten öffnete die Volkssporthalle: „Wir haben alle Hygiene- und Sicherheitsvorgaben erfüllt, um nichts falsch zu machen und niemanden zu gefährden“, verweist Kerstin von Schneyder auf den regelmäßigen Einsatz von Desinfektionsmitteln und dem Einhalten der gebotenen Abstände.

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Entsprechend aufwändig gestaltet sich nun in diesen schwierigen Zeiten das Training: „Die beiden können ihre Übungen immer nur einzeln fahren. Erst wenn es wieder erlaubt ist, dürfen sie sich gemeinsam abstimmen“, so Kerstin von Schneyder, die nicht damit rechnet, dass in diesem Jahr noch Meisterschaften ausgefahren werden: „Wir blicken schon jetzt zuversichtlich auf 2021“, hofft sie, dass das permanente Üben auf dem Rad und an der Lounge, die die ans Seil gebundenen Mädchen vor Stürzen schützt, dann Früchte trägt: „Unser Ziel, die beiden Titel zu verteidigen, haben wir keinesfalls aufgegeben.“

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