Tennis: – Sein Rückflug aus den USA war auf 17. Mai terminiert. Jetzt ist alles anders gekommen. Dominik König ist schon zwei Monate früher in heimischen Gefilden.

Der 22-Jährige ist einer von drei Tiengenern, die es zum Sportstudium in die USA gezogen hat. An unterschiedlichen Universitäten und Orten studiert das Trio mit Hilfe eines Stipendiums. Dafür schwingen sie für ihre jeweilige Uni das Rackett. Das nennt sich College Tennis und ist in den USA auch im Fernsehen ungemein populär.

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Während Tim Rühl an der „Arizona State University“ in Phoenix studiert, sind Marvin Kromer und Dominik König an Unis im Bundesstaat Indiana immatrikuliert. Bei König ist es seit 7. Januar die „University of Indianapolis“. Alle drei Tennissportler haben eines gemeinsam: Sie hat es angesichts der verschärften Maßnahmen zur Eindämmung des Coronavirus wieder nach Hause gezogen.

Dominik König, TC RW Tiengen: „College-Tennis gibt es nicht mehr. Und Online-Unterricht klappt auch in Tiengen, wo ich alle meine Freunde seit Kindestagen an habe.“
Dominik König, TC RW Tiengen: „College-Tennis gibt es nicht mehr. Und Online-Unterricht klappt auch in Tiengen, wo ich alle meine Freunde seit Kindestagen an habe.“ | Bild: privat

Zwar ist auch hier die Lage in den vergangenen Tagen dramatischer geworden, aber überm Großen Teich scheut Präsident Donald Trump nicht, noch drastischer einzuwirken, um den Kampf gegen Corona aufzunehmen. „Die USA sind ein riesiges Land. Ich glaube, hier wird es noch schlimmer“, ist sich König sicher und fügt hinzu: „Alle ausländischen Studenten sind auf dem Heimweg. Wir sind hier eingesperrt. College-Tennis gibt es nicht mehr. Und Online-Unterricht klappt auch in Tiengen, wo ich alle meine Freunde seit Kindestagen an habe.“

Ärgerlich ist es aber dennoch, dass König auf seinem „langen Weg zurück zum Tennis“ so jäh gestoppt worden ist. Eine Partie hatte er mit seinen Oberliga-Kollegen vom TC RW Tiengen im Sommer des vergangenen Jahrs bestritten. Es war eine grandiose Saison, an deren Ende die Tiengener den Aufstieg in die Badenliga feierten. Da war König schon unterm Messer. Seine Rückenschmerzen waren unerträglich geworden. Der Grund war aber die Hüfte, die am 3. Juli in Heidelberg operiert wurde.

Das Wiederaufbauprogramm war „nicht ohne“. „Ich musste erst einmal wieder laufen lernen. Fast jeden Tag war ich über Monate bei meinem Physiotherapeuten Ralf Isele in Waldshut. Der hatte eine Menge Arbeit mit mir und hat viel Geduld gehabt“, erinnert er sich an jene Zeit.

Sie verstehen sich: Dominik König vom TC RW Tiengen (links) mit Christoph Back, der ihn beim Heimtraining im Herbst wieder aufbaute.
Sie verstehen sich: Dominik König vom TC RW Tiengen (links) mit Christoph Back, der ihn beim Heimtraining im Herbst wieder aufbaute. | Bild: privat

Nach mehr als drei Monaten hatte König wieder einen Tennisschläger in der Hand. Fürs Tennistraining zuständig waren von Mitte Oktober bis Jahresende sein Heimcoach Christoph Back vom TC RW Tiengen und Oliver Killeweit vom TC BW Oberweier. Sein erstes Turnier bestritt der Tiengener wieder am 1. Dezember 2019. Derweil ruhte das Studium: Das Herbstsemester an der Uni in den USA fiel wegen der Reha flach.

Im Januar der Neustart an der University of Indianapolis. Auch das Tennis-Team der Uni war in den Startlöchern, um in der neuen Saison so richtig anzugreifen. Dann kam Corona – zunächst ganz leise. Noch vor drei Wochen war in den USA nichts zu spüren. „Wir haben viel trainiert, hatten Schule und Matches“, erinnert sich Dominik König.

Vor zehn Tagen beim ersten Freiluft-Turnier in San Antonio/Texas ging es plötzlich ganz schnell. „Unser Trainer war den ganzen Tag am Telefon. Am Abend stand fest, dass das Turnier abgesagt wurde. Noch in der Nacht flogen wir zurück in unsere Uni“, erinnert sich König. Am Morgen wurde der Campus geschlossen, der Unterricht ausgesetzt. „Die Tennisspiele wurden gestrichen. Der College-Sport ruht bis auf weiteres. Seit vergangener Woche gibt es nur noch Online-Unterricht“, so König.

Ein paar Tage erlebte er noch mit, wie sich der Ausnahmezustand im „Land der unbegrenzten Möglichkeiten“ anfühlt: Milch, Wasser und auch Klopapier sind knapp. Bewaffnete Polizisten patroullieren vor den Geschäften, Restaurants sind alle geschlossen. König: „Wir haben noch im Studentenwohnheim gekocht. Das ging noch.“

Und jetzt ist er in Tiengen zurück. Vor Corona konnte er nicht flüchten, aber er weiß, dass er bei Familie und Freunden besser aufgehoben ist: „Das kann ich hier besser ertragen“, sagt er.

Gebüffelt wird am PC. Home Office – wer kennt das nicht in diesen Tagen? Das Tennis hat noch Pause. Vielleicht klappt es ja mit Turniereinsätzen im Frühsommer. „Am 21. Juni wird die Badenliga-Saison mit dem TC RW Tiengen eröffnet“, freut er sich. Er hofft es – so wie wir alle.