Tennis: Mit Erfolg hat Peter Heller seinen im Vorjahr gegen Peter Torebko gewonnen Titel bei den Überlingen Open verteidigt, nach einem überzeugenden 6:1- und 6:4-Finale am Sonntag gegen Louis Wessels auf der Anlage des TC Überlingen. Beinahe wäre es dazu nicht gekommen. Eigentlich hatte Heller für diese Saison ganz andere Ambitionen. Um bei einem Grand-Slam-Turnier in die Qualifikation zu kommen, sollte er in der ATP-Weltrangliste unter den besten 250 Spielern sein. Da Heller neben den Überlingen Open 2018 weitere fünf ITF-Future-Turniere gewonnen hatte, machte er bis zum Ende des Jahres einen Sprung bis auf Rang 271. Also dicht an sein Ziel. „Da war ich schon ganz gut dabei“, blickt der Überlingen-Open-Sieger zurück.

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Mit dem Jahreswechsel aber führte der Internationale Tennisverband ITF ein neues Rankingsystem ein. Die ITF-Future-Turniere wurden niedriger bewertet und in eine eigene Liste übernommen. So kam es, dass Heller zum Jahreswechsel in der ATP-Weltrangliste, die für die wichtigen Turniere ausschlaggebend ist, auf Rang 601 abrutschte, aber in der ITF-Weltrangliste dagegen auf Platz 1 stand. Immerhin sorgte die gute Platzierung in der ITF-Rangliste dafür, dass Heller weiterhin Challenger-Turniere spielen konnte. Diese bringen die wichtigen Punkte für die Weltrangliste.

Heller muss auf zwei Hochzeiten tanzen

Heller musste also in der ersten Hälfte des Jahres auf zwei Hochzeiten tanzen. Bei ITF-Turnieren punkten, um über das ITF-Ranking in Challenger-Turniere zu rutschen und dort Boden für die Weltrangliste gut machen. „Eigentlich war klar, dass das nicht funktionieren kann, aber ich musste mich zunächst damit abfinden“, so Heller, der das Ganze als „Schmarrn“ bezeichnet.

Markus Dufner: „Irritationen“

Auch der Überlinger Turnierdirektor Markus Dufner bekam die Folgen zu spüren. Er umschreibt dies aus Veranstaltersicht höflich mit „Irritationen“. Aber die Spieler wollten das nicht so einfach hinnehmen und sammelten ihre Kritik. „Wir wurden erhört. Es wird wieder auf eine einheitliche Rangliste umgestellt“, so Heller und auch Dufner weiß: „In der nächsten Woche kehrt wieder das alte System zurück.“

Überlingen-Hattrick fraglich

Für den zweifachen Überlingen-Open-Sieger bedeutet das, dass er 2020 zwar gerne einen Überlingen-Hattrick anpeilen würde, noch lieber aber würde er bei den US Open aufschlagen. Die im Vorjahr gewonnen Weltranglistenpunkte von Überlingen hat er mit seinem Turniersieg bestätigt, es könnte also in der Weltrangliste nach oben gehen, näher an sein Ziel.

Überlingen Open, ein hochklassiges Tennis-Event

Für die Fans des sympathischen 27-Jährigen, die er bei seinen bisher fünf Teilnahmen am Bodensee gewinnen konnte, eine zwiespältige Situation: Sie gönnen ihm weiteren Erfolg, doch dann sehen sie ihn im kommenden Jahr nicht live. Wie auch immer das ausgehen wird: Das Überlinger Turnier hat sich als hochklassiges Tennis-Event am Bodensee bei Spielern und Zuschauern etabliert, und im nächsten Jahr will ja Peter Torebko seinen neunten Anlauf auf den Turniersieg nehmen.