Eine Institution geht in den wohlverdienten Ruhestand: Obergerichtsvollzieher Lothar Hoch. Er war am 1. September 1972 mit dem Vorbereitungsdienst für den mittleren Justizdienst beim Amtsgericht Villingen-Schwenningen angetreten. Nun schloss er die Tür seines Büros im Kurhaus ein letztes Mal hinter sich ab.

Niemals angefeindet worden

Eigentlich sollte er ja eine gefürchtete Person sein, doch Obergerichtsvollzieher Lothar Hoch sagt selbst, er sei niemals angefeindet worden – auch nicht in den ersten Jahre des Einsatzes in seinem Beruf in der Kreisstadt Villingen-Schwenningen.

Zugleich Beamter und selbstständig

Nach dem Vorbereitungsdienst kam ein anderer Dienst: Hoch wurde Wehrpflichtiger. In der Ritter-von-Leeb-Kaserne in Landsberg am Lech wurde er nach der Grundausbildung als Rechnungsführer-Gehilfe eingesetzt. 1982, nach den ersten Jahren im Gericht, beschloss er, Gerichtsvollzieher zu werden. „Man war Beamter und zugleich selbstständig – das hat mich angespornt, diesen Berufszweig des Justizdienstes anzustreben“, erzählt er im Gespräch mit dem SÜDKURIER. Diese Laufbahn sei eine Sonderlaufbahn des gehobenen Dienstes, der Gerichtsvollzieher ist Vollstreckungs- und Zustellungsorgan der Rechtspflege.

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Heute wäre ein Fachhochschulstudium nötig

So belegte Hoch 1984 den Gerichtsvollzieherlehrgang in der Aus- und Fortbildungsstätte der Justizausbildung in Monschau in der Eifel mit Abschlussprüfung am Oberlandesgericht Karlsruhe. „Heute ist das ein Fachhochschulstudium an der Hochschule für Rechtspflege. 2016 hat Baden-Württemberg dies eingeführt, um den Beruf attraktiver zu gestalten“, wusste er. Zudem würden die Herausforderungen des Berufes immer komplexer.

Bis zu 4000 Aufträge pro Jahr

Begonnen hat er in Villingen, wo er das Gebiet Steppach, Kopsbühl und die Gemeinden bis Königsfeld bearbeitete. 1994 wurde er zum Obergerichtsvollzieher ernannt. Dann war er schwerpunktmäßig für den Bezirk Triberg zuständig. Zunächst hatte er in der Post sein Büro, vor 14 Jahren zog er um ins Kurhaus – sehr angenehme Büroräume und ebensolche Nachbarn, betonte er. Bis zu 4000 Aufträge habe er pro Jahr in den vergangenen 28 Jahren bearbeitet.

Hemmschwelle sinkt, Aggressionspotenzial steigt

Zuletzt, so seine Beobachtung, sei die Hemmschwelle gesunken und das Aggressionspotenzial gestiegen – auch bei seinen Kunden. Dennoch, so gibt er zu bedenken, seien seine Kunden ihm gegenüber niemals gewalttätig geworden. „Trotzdem musste ich manchmal die Polizei dazu holen, vor allem bei Zwangsräumungen. Da ist ein besonderes Händchen und viel Umsicht gefragt“, gibt er zu bedenken.

Nachforschungen werden leichter

Seit 2013 hätten sich die Arbeitsabläufe durch das neue Gesetz zur Reform der Sachaufklärung in der Zwangsvollstreckung stark verändert. So könnten beispielsweise über die Rentenversicherungsträger Arbeitsstellen ermittelt werden, Datenabrufe über die Kreditinstitute beim Bundesamt für Steuern oder Halterdaten zu Kraftfahrzeugen über das Kraftfahrt-Bundesamt in Flensburg erfolgen.

Vorrang für gütliche Einigungen

„Zunächst versuchen wir fast immer, gütliche Einigungen beispielsweise über Ratenzahlungsvereinbarungen zu erreichen, selten wird eine Vermögensauskunft, auch bekannt als Offenbarungseid, abverlangt“, so Hoch. Aufträge würden mittels gültigen Vordrucks erteilt, heutzutage zumeist elektronisch.

Arbeit nicht immer ungefährlich

Insgesamt habe er nun 48 Jahre im Justizdienst gearbeitet – eine lange Zeit. Dennoch habe ihm seine Arbeit stets Spaß gemacht. Manchmal sei sie nicht ungefährlich gewesen, zuletzt gab es aber fast immer ein Einlenken und Akzeptieren seiner Vorschläge. „Wichtig war für mich stets, das Gespräch mit meinen Kunden zu suchen und dann eine Lösung zu finden, immer angelehnt an die gesetzlichen Vorgaben. Ich denke, im Bezirk Triberg sind meine Kundschaft und ich ein echtes Team geworden“, so Hoch.

Zwei unentbehrliche Frauen an seiner Seite

Als er vor Kurzem seinen Schlüssel letztmals umdrehte, dachte er an seine Frau Margarete und seine ehemalige Mitarbeiterin Sonja Schneider. „Ohne die Hilfe der beiden Frauen an meiner Seite wäre es kaum möglich gewesen, das ganze Arbeitspensum zu bewältigen und zugleich noch im Ortschaftsrat Nußbach und im Stadtrat Triberg präsent zu sein“, betonte er abschließend.

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