Einen spannenden Ausflug, der viel neues Wissen vermittelte und für viele Teilnehmer auch in die Vergangenheit führte, machten die Senioren aus Gremmelsbach. Als Treffpunkt hatte man die berühmte weltgrößte Kuckucksuhr in Schonachbach vereinbart, wo der Erbauer Ewald Eble den Senioren eine exklusive Führung ins Innere der enormen Uhr gab.

Pendel wiegt mehr als zwei Zentner

Zunächst herrschte Staunen – kaum hatte man das riesige Pendel außerhalb des Hauses bewundert, stellte Eble im Inneren das echte Pendel vor. Mehr als zwei Zentner wiege es bei rund 8,5 Metern Länge. Und da draußen Wind und Wetter den Gang beeinflussten, sei dort eben nicht das echte Pendel.

Zwar müsse man auch im Inneren je nach Temperatur und Luftfeuchtigkeit ein wenig regulieren, doch das falle kaum ins Gewicht, zumal er derzeit an einer dauerhaften Lösung arbeite. 60 Mal größer als ein reguläres Uhrwerk sei das weltgrößte Kuckuckswerk, vier Jahre betrug laut Eble die Bauzeit. Die Zahnräder seien aus Buche, teilweise seien aber auch an den Zahnspitzen Kugellager angebracht wie an den Achsen der Räder des rein mechanischen Uhrwerks – das mindere die Abnutzung.

150 Kilo schwerer Fallenbengel

„Woher weiß nun der Kuckuck, wie oft er rufen muss?“ fragte der Erbauer die rund 45 Teilnehmer. Dies werde reguliert über die Ausschnitte im Räderwerk geregelt, der Fallenbegel sorge dann dafür, dass der Kuckuck, der hier vier Meter lang und rund 150 Kilogramm schwer ist, aufhört, sobald der Fallenbengel den Grund des Ausschnitts erreicht.

Ehemaliges Gasthaus Forelle

Nach einem Rundgang durch den Eble-Uhrenpark ging es weiter zu Thomas und Rebecca Weisser ins „Haus der 1000 Uhren“, wo die Gruppe wegen der recht engen Verhältnisse geteilt werden musste. Das einstige Gasthaus Forelle verbanden viele der Besucher mit eigenen Erinnerungen. Einige der Frauen konnten sogar ihre ehemaligen Zimmer als Angestellte der Familie Dieterle besuchen – heute Lagerplatz für die vielen Dinge, die neben den Uhren eine Rolle spielen. Rebecca Weisser führte durch den Laden und zeigte ein wenig die Entwicklung der Kuckucksuhr auf, die heutzutage oft schon ein Quarzwerk aufweisen und auf die Gewichte als Antrieb nicht angewiesen sind.

Das riesige Pendel mit einer Länge von achteinhalb Metern ist ein Hingucker in der weltgrößten Kuckucksuhr.
Das riesige Pendel mit einer Länge von achteinhalb Metern ist ein Hingucker in der weltgrößten Kuckucksuhr. | Bild: Karl Volk

Ehemalige Drechslerwerkstatt

Im Nachbarhaus, für viele das Anwesen Kränzler, wo zuletzt Hubert Kränzler im Keller seine Drechslerwerkstatt hatte, führte Thomas Weisser in eine Vergangenheit, die ebenfalls den meisten geläufig war. Nicht aber, dass die Vorfahren des heutigen Besitzers bereits einige Jahre hier tätig waren, bevor es zu eng wurde. Danach habe ein Schmied dort sein Zuhause gefunden, bevor es um 1900 in Besitz der Familie Kränzler kam. „Die gute alte Zeit war bei Weitem nicht einfach und vor allem kein Zuckerschlecken“, sagte er.

„Kuckuckland Schwarzwald„ entsteht

Das Anwesen habe er deshalb erworben, weil es zum einen Platz bieten soll, zum anderen aber auch mit der Historie der Familie verbunden sei. Im Anschluss ging es auf Terrasse und Steg über die Gutach, dies sind die ersten Teile für das künftige „Kuckuckland Schwarzwald“. Er erläuterte in Kürze seine Pläne, bevor er die Senioren zu Kaffee und Kuchen einlud. Danach übernahm Vater Lothar Weisser: Er schilderte in einer kurzen Betrachtung die Geschichte der Schwarzwalduhr, die in weiten Teilen von der Kuckucksuhr geprägt war. „Die Uhr begleitet uns von früh bis spät“, machte er die Besucher aufmerksam. Das sei im Jahr 1650 ganz anders gewesen.

Zu Ostern keine Tomaten

„Da gab es zu Weihnachten keinen frischen Kopfsalat und zu Ostern keine Tomaten – und noch keine Uhr. 40 Prozent der damaligen Bevölkerung Europas hatten der 30-jährige Krieg und seine Folgen hinweggerafft“, betonte er. Dennoch gab es bereits Menschen, die den Weg aus dem Schwarzwald mit Krätzen auf dem Rücken in die weite Welt wagten – die Glasbläser. Man vermute, dass diese aus Paris die ersten Uhren mitbrachten, mit Metallwerken, was den ersten Uhrmachern des Schwarzwalds zu teuer war. Sie verwendeten Holz.

Im Jahr 1737 präsentierte der Schönwälder Uhrmacher Franz Ketterer die erste Kuckucksuhr, deren Entwicklung heute zum Teil noch in alter Tradition in neuer Form, zum anderen aber auch mit modernen Mitteln in historischer Form anhält.

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