Mit einem blauen Auge ist die Stadt St. Blasien in dieser Wintersaison davon gekommen. Mancher Wintersportler wird eine andere Erinnerung mit dem Aufenthalt auf den Skipisten der Stadt in Verbindung bringen: es hat gestunken. Die Quelle ist die Abwasserpumpstation der Gemeinde Feldberg, die sich oberhalb der Talstation der Zeigerbahn befindet. Manche Menschen machen sich aber auch Sorgen um die Gesundheit, da es bei der Anlage immer mal zu einem Überlauf kommt und das Wasser in die Menzenschwander Alb gelangt.

Ein Tag im März: Gerade fließt wieder dunkel gefärbtes Wasser aus der Pumpstation in die Menzenschwander Alb, auf der ein schillernder Film zu sehen ist. Das komme immer wieder vor, sagen Menschen, die sich häufig in der Gegend aufhalten, im Gespräch.

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Wenn es viel regnet, wenn der Schnee schmilzt und wenn die Hotels stark belegt sind, komme es immer wieder zu dem Überlauf – im vergangenen Winter sei das besonders häufig der Fall gewesen. „Es stinkt penetrant“, sagt ein Mann. Noch schlimmer sei es seiner Meinung nach, dass rund 200 Meter unterhalb der Pumpstation das Wasser für die Beschneiung der St. Blasier Skipisten angesaugt wird. „Die Bakterien werden dann überall verteilt“, befürchtet er. Außerdem müssten die Mitarbeiter der städtischen Skiliftbetriebe regelmäßig die Schneekanonen während des Betriebs kontrollieren und ungeschützt die verschmutzten und verfetteten Entnahmeschächte reinigen.

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„Normalerweise funktioniert es ja“, dass das Abwasser über die Pumpstation nah Todtnau gepumpt wird, sagt ein Mann, der die Situation schon lange beobachtet. Kommen große Niederschlagsmengen und viele Hotelgäste zusammen, packe die Anlage die anfallende Wassermenge nicht. „Mitarbeiter der Skiliftbetriebe vermissen den Arbeitsschutz“, heißt es, man fühle sich Kolibakterien und sonstigen Erregern ausgesetzt.

Das sagt Bürgermeister Probst

Der Überlauf sei ein Problem, sagt St. Blasiens Bürgermeister und Vorsitzender des Liftverbundes Feldberg, Adrian Probst. Bei der Kapazität der Anlage bestehe nach seiner Ansicht wohl ein Defizit. Die Stadt und auch der Liftverbund hätten großes Interesse daran, dass das Problem „aus der Welt geschafft wird“. Vor mehreren Wochen habe er deshalb mit Feldbergs Bürgermeister Johannes Albrecht darüber gesprochen und der habe Abhilfe versprochen. Zeitnah erwarte er eine Lösung, ob das aber bis zum nächsten Winter klappe, wisse er nicht. Und wenn sich herausstellen sollte, dass Mitarbeiter mit verfärbtem Wasser in Kontakt kommen, „wird mehr als eine höfliche Bitte formuliert“.

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Für das Trinkwasser – die Menzenschwander Alb fließt im Tal durch ein Trinkwasserschutzgebiet – bestehe „keine Gefahr. Da kann ich wirklich Entwarnung geben – besten Gewissens“, sagt Probst. Messungen hätten bislang keine Auffälligkeiten gezeigt. Aber es wäre ein Problem, wenn verschmutztes Wasser auf die Pisten verteilt würde.

Das sagt Bürgermeister Albrecht

Er kenne das Problem seit dem vergangenen Winter, sagt Feldbergs Bürgermeister Johannes Albrecht. Zum Überlauf komme es nur bei besonderen Wetterverhältnissen, also wenn Starkregen und Schneeschmelze aufeinander treffen. Jede Kläranlage verfüge über einen Überlauf und die Anlage der Gemeinde Feldberg sei so genehmigt worden. Die alte Kläranlage Feldberg-Passhöhe wurde 2012 zu einer Pumpstation umgebaut, über die das Abwasser zur Kläranlage Todtnau gepumpt wird. Die Anlage verfüge über einen Pufferspeicher, der eine Million Liter fasse. Ist der voll, werden acht bis zwölf Liter je Sekunde nach Todtnau geleitet, erläutert Albrecht. Entscheidend sei auch, wie groß die Kapazität gerade in Todtnau ist. Eine Gefahr gehe vom Überlauf seiner Meinung nach nicht aus, sagt Albrecht, denn bei Extremwetterverhältnissen werde das Wasser stark verdünnt. Außerdem verfüge der Überlauf auch über einen Rechen und eine Filteranlage.

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Sein Lösungsansatz: Er werde mit Todtnau darüber reden, ob der Pufferspeicher im Vorfeld starker Niederschläge auf einen sehr niedrigen Pegel abgesenkt werden könnte, damit die Kapazitätsgrenze nicht so schnell erreicht wird. Dieses Vorgehen sei vertraglich mit Todtnau leider nicht vorgesehen, aber das Einzige, „was in unserer Macht steht.“

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Ob aber nur Feldberg in irgendeiner Weise verantwortlich sei, könne man auch diskutieren. Denn das Pumpwerk habe schon vor dem Bau der Wasserentnahme für die Beschneiung der Stadt St. Blasien existiert. „Für mich ist es sicher ein Ansatz, dass man es über die Beschneiung löst“, sagt er. Man könne die Wasserentnahme der St. Blasier Skiliftbetriebe überprüfen und das Problem vielleicht dauerhaft im Rahmen der allgemeinen Verbesserung der Beschneiung im Gebiet Zeiger/Zeller lösen.

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