Zweimal greift der 1939 blutrünstig ausgelöste Zweite Weltkrieg in die Geschicke des St. Blasier Lungensanatoriums, des Zauberbergs an der Muchenländer Straße ein. Der Heilung der Lungentuberkulose waren vor dem Weltenbrand bedeutende Therapiefortschritte und Erfolge beschieden gewesen. Im unvorstellbaren Völkermorden und in den medizinisch ausgebluteten Nachkriegsjahren bäumt sich die Tuberkulose nochmals auf. Die französische Besatzungsmacht nimmt den Gebäudekomplex in Beschlag und reserviert ihn für eigene Patienten.

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Am 26. April 1945 dringen die Franzosen in den Schwarzwald vor und suchen Heilstätten für französische und belgische Deportierte und dann für ihre verletzten Soldaten, die sie aus nachvollziehbaren Gründen nicht gleich in die Heimat überstellen können. Der Beschlagnahme fällt auch das Sanatorium St. Blasien zum Opfer. Es erhält gleich, durch eine große Außentafel sichtbar gemacht, die Bezeichnung „Sanatorium Alsace“ (Alsace für das Elsass). Eine eigene Hauszeitung mit wohlwollender Darstellung St. Blasiens und seiner Umgebung soll den Verwundeten und Schwerkranken den Aufenthalt freundlich gestalten.

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Nach Rückgabe in deutsche Hände zum 15. Januar 1951 erlebt das Haus unter Chefarzt Dr. Fritz Brecke von 1953 bis 1974 eine bedeutsame Heil- und Ansehensblüte. Die medizinische Entwicklung und der Ruf des Sanatoriums waren so weit gediehen, dass Brecke beispielsweise namhafte Thoraxchirurgen (Thorax für Brustkorb) zur Behandlung beiziehen konnte. Das „Sana“, wie es im Volksmund nicht aus Schnoddrigkeit, sondern aus Zuneigung und Verbundenheit längst hieß, entfaltet sich zu erneuter Blüte – das Haus vermittelt mit Bildern aus der Großküche und mit der gedruckten täglichen Speisekarte den Eindruck eines Fünf-Sterne-Restaurants.

Für jeden Patienten ein Angestellter

Hausintern gilt für das Personalaufkommen die wohl etwas überspitzte Faustregel, für jeden der knapp 200 Patienten einen Angestellten. Die mehr als eindrucksvolle Ausstattung des Hauses verstärkt den Charakter einer mondänen, der Zeit vorauseilenden, einem Krankenhaus weit entfernten Privatheilstätte. Der Rückgang der Tuberkulose wirft ein Licht auf die Medizinwissenschaft und einen Schatten auf die kurörtliche Renommier-Anstalt: Im Übergang von den 1960er zu den 1970er Jahren geht die Durchschnittsbelegung mit Tbc-Kranken von etwa 180 auf 30 Patienten zurück.

Angebot wird erweitert

Die ärztliche Leitung mit Dr. Brecke und dem ihm nachfolgenden Chefarzt Dr. Eugen Polz und die Verwaltung reagieren. Die Heilanzeige wird auf sogenannte unspezifische Lungen- und Bronchialerkrankungen (Bronchitis, Asthma, Emphysem) ausgeweitet, das Haus in den baden-württembergischen Krankenhausbedarfsplan aufgenommen. Der renovierte Ostflügel – am 24. Juli 1947 Opfer einer Brandkatastrophe (ausgelöst durch unachtsame französische Soldaten?) – wird krankenhausgemäß zugerüstet und von 30 auf 75 Betten erweitert. Für gute zwei, drei Jahrzehnte behauptet sich die Fachklinik – später ergänzt durch das jetzt in der Stadt verbleibende Schlaflabor – als pneumologisches Krankenhaus ersten Ranges in der südwestdeutschen Ecke.

Probleme schleichen sich ein

Schleichend türmen sich Probleme auf, die jeder Chefarzt, jeder Geschäftsführer und jeder Mitarbeiter anders begründet und bewertet. Ob je eine überzeugende Ursache für das Ende des fast eineinhalb Jahrhunderte alten kurörtlichen Schrittmachers und Traditionshauses ausgemacht werden wird, bleibt der zukünftigen Forschung vorbehalten. Ungeachtet späterer Erkenntnisse gilt das Schlusswort schon jetzt: Versunken im Meer der Vergangenheit, geschüttelt vom Wind des Verwehens, aber noch nicht preisgegeben dem gnadenlosen Vergessen.

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