Die neuen Inhaber der Menzenschwander Hütte haben große Pläne: Zuerst soll die Hütte umfassend modernisiert und ab dem Frühjahr 2023 der Bewirtungsbetrieb wieder aufgenommen werden. St. Blasiens Bürgermeister Adrian Probst zeigt sich froh über die nun gefundene Lösung.

Mehr als ein Jahr lang stand die Menzenschwander Hütte leer – nun hat sie neue Eigentümer: die Brüder Andreas, Matthias (beide 41) und Lukas Jünger (28). Nachdem der vorherige Pächter aus gesundheitlichen Gründen ausgeschieden war, stellte sich der Stadt St. Blasien als Eigentümerin der Berghütte die wegweisende Frage: erneute Pacht oder Verkauf? Man entschied sich für Letzteres.

Bild: Fabian Sickenberger

Bürgermeister Adrian Probst nennt dafür mehrere Gründe: Zum einen sei mit der Zeit ein immenser Investitionsstau angefallen. Um diesen aufzuholen, hätten der Stadt schlicht die finanziellen Mittel gefehlt. Gleichzeitig sei „der Betrieb einer Berghütte kein zentraler Bereich, den eine Stadt leisten muss“, so seine Einschätzung. Auch fehle der Gemeindeverwaltung in gewissen Belangen das nötige Fachwissen, um einen Hüttenbetrieb wie diesen zu unterhalten. Zwar hätten sich manche Menzenschwander Bürger gegen den Verkauf ausgesprochen – aufgrund der Historie des Teilorts mit der Hütte als landwirtschaftlichem Ankerpunkt und der hohen Identifikation mit dieser – „aber es hilft nichts, wenn die Hütte uns gehört, aber nie geöffnet ist“, sagte Probst. Und so wechselte die knapp 100 Jahre alte Berghütte, oberhalb der Talstation der Zeiger-Sesselbahn gelegen, vor einigen Tagen die Eigentümer.

Mindestens sechs Bewerber und Interessenten hatten sich vorgestellt – letztlich entschied sich der Gemeinderat einstimmig für die drei Brüder aus Bernau. Mehrere Variablen wurden dabei bedacht, erläutert Probst: Einheimische Käufer sollten gefunden werden, die die Region und ihre Menschen kennen, sich mit der hiesigen Mentalität identifizieren und etwas von der Schwarzwälder Bau- und Tourismuskultur verstehen. Gastronomische Erfahrung sollten sie mitbringen, handwerklich versiert sein, „und nicht nur eine tolle Idee präsentieren, sondern auch die realistische Umsetzbarkeit nachweisen“, sagt Probst.

Andreas, Matthias und Lukas Jünger erfüllten diese Parameter nach Einschätzung des St. Blasier Gemeinderats am besten. Andreas Jünger ist Industriekaufmann, sein Zwillingsbruder Matthias und Lukas, der Jüngste des Brüdergespanns, sind Zimmermänner. Wirtschaftliches und handwerkliches Denken wären somit bereits abgedeckt. Und die gastronomische Erfahrung? 1993 übernahmen ihre Eltern, Susanne und Werner Jünger, die Krunkelbachhütte in Bernau. Inzwischen haben die Brüder deren Betrieb weitgehend übernommen.

Die Menzenschwander Hütte ist somit nicht ihr erstes Hüttenprojekt. „Wir kennen das Hüttenleben seit fast 30 Jahren“, sagt Matthias Jünger, „wir wissen, worauf wir uns einlassen.“ Kein lockerer Alltag mit viel Genuss, sondern eine wetterabhängige Branche mit intensiven Stoßzeiten und massivem Personalmangel. Die Romantik mag an zweiter oder dritter Stelle kommen – an erster aber steht für die Drei die Wirtschaftlichkeit des Projekts: „Wir möchten mit der Hütte Geld verdienen“, sagt Andreas Jünger. Und, so ergänzt sein Bruder Matthias, „wieder eine richtig schöne Schwarzwaldhütte daraus machen.“

Noch muss der dafür gestellte Bauantrag allerdings bewilligt werden. Die neuen Inhaber hoffen, die Baugenehmigung bis September zu erhalten. Anschließend planen sie ein halbes Jahr für die Sanierung ein: neue WCs, Hackschnitzelheizung, Vergrößerung der Küche, Erweiterung des Gastraums von 40 auf 75 Sitzplätze. Das Dach, die Außenwände und die Schindeln hingegen seien in Ordnung, sagt Andreas Jünger. „Wenn alles klappt, können wir am 1. Mai 2023 eröffnen“, blickt Lukas Jünger in die Zukunft. Bis dahin werden die Modernisierungsarbeiten einen hohen sechsstelligen Betrag verschlingen, sagen die Drei. Über den Kaufpreis der Hütte haben Käufer und Verkäufer indes Stillschweigen vereinbart.

Parallel dazu werden die Jünger-Brüder die Krunkelbachhütte in Bernau weiterbetreiben – und außerdem den Herderdienst der Menzenschwander Hütte übernehmen, sofern sie den Zuschlag dafür erhalten. Denn um das Gebäude der Hütte herum besitzt die Stadt St. Blasien 36 Hektar Land, auf dem im Sommer Rinder weiden. Für die Bewirtschaftung möchten sich die Brüder ebenfalls bewerben. Ob sie den Zuschlag erhalten, entscheidet sich im kommenden Jahr. Ein volles Programm also. Wenn es den Dreien gelänge, dieses zu stemmen, habe das Angebot für alle einen Mehrwert, blickt Adrian Probst in die Zukunft: für die neuen Betreiber, für die Stadt und ihre Bürger, und nicht zuletzt auch für die Gäste.

Das Angebot

Übernachtungsmöglichkeiten wird es in der Menzenschwander Hütte bis auf Weiteres nicht geben – dafür aber ein gastronomisches Angebot mit regionalen Produkten. Für Skifahrer, Wanderer und alle weiteren Ausflügler. Vor allem Lukas Jünger, der seit vier Jahren auf der Krunkelbachhütte kocht, wird sich um das gastronomische Angebot kümmern. Gulasch, Eintöpfe, Kuchen und Brot wird er selbst kochen und backen; zusätzlich soll ein Koch eingestellt werden.