Zu den Glanzlichtern des St. Blasier Kulturangebots gehören die Konzerte im einstigen Benediktinerkloster, dem Jesuitengymnasium mit Internat. Bei diesen Klosterkonzerten gesellt sich zu den Musikern ein Mitspieler, der die Harmonie der Töne nicht stört, sondern aus ihnen ein Fest der Sinne macht: Es ist der „Große Musik- und Festsaal bei Hofe“ der früheren Benediktinerabtei.

Brandkatastrophe von 1768

Der Saal ist Glanzpunkt des westlichen Abteiflügels. Als die das Areal um den Dom beherrschende ausladende Abtei 1742 unter Fürstabt Franz II. Schächtelin vollendet wurde, soll es erste Ausführungen für diesen Saal schon gegeben haben, aber wahrscheinlich unvollendet – das bleibt Spekulation, die Brandkatastrophe von 1768 hat Architektur und Pläne zerstört.

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Beim originalgetreuen Wiederaufbau der Klosteranlage um 1770 muss die Neugestaltung des Fest- und Empfangssaals ins Auge gefasst worden sein. Eine Abtei von der kirchlichen, politischen und wissenschaftlichen Bedeutung wie die in St. Blasien musste sich mit einem würdigen Saal für alle herausragenden Anlässe schmücken.

Baumwollspinnerei zieht ein

Als eine Baumwollspinnerei in der Mitte des 19. Jahrhunderts (nach der Vertreibung der Mönche 1807) die Abtei zweckentfremdete, wurde aus dem Fest- und Musiksaal anfänglich ein Schlafsaal für die Fabrikarbeiterinnen. Das 1933/34 eingezogene Jesuitenkolleg ließ die Räume unverändert und richtete später hier die Krankenabteilung ein.

Saal wird zum Schutthaufen

Die Jahreszahl 1977 ist zum fixen und auch traumatischen Datum in der Geschichte des Kloster- und Kollegsensembles geworden. In jenem Jahrhundertunglück brach der Saal zum Schutthaufen zusammen.

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Geschichte schien sich zu wiederholen: Wiederum wurden nirgends Pläne und Dokumente aufgetrieben, die das Aussehen des Saals belegten. Denkmalpflege, Architekten und Bauleute orientierten sich am Grundmuster der anderen Abteiräume und an vergleichbaren Kloster- und Schlosssälen. Bis zur Jubiläumsausstellung 1983 war der Festsaal wie der Phönix aus der Asche auferstanden.

Schwungvolle Oberfenster und bis zum Boden reichende Vorhänge verlängern die hoch aufragende Fensterfront. Verhaltener Schmuck belässt dem Licht und der Weite des Saals die feierliche Schlichtheit. Der Saal ist schon allein ein Fest, das bei jedem Konzert dazu einlädt, sich vor musikalischen und architektonischen Künstlern zu verneigen.