Musik ist eine Sprache, die die Menschen verbindet – wohl auch mit den Fabelwesen aus Tolkiens „Herr der Ringe“, die höchst menschliche Charakterzüge aufweisen. Vielleicht ist es die Mischung aus exotischem Dekor und allzu Vertrautem, die die Popularität von Tolkiens Romanen, ihrer Verfilmungen und der zugehörigen Musik begründet. So war der Domplatz in St. Blasien gut gefüllt, als das Tolkien-Ensemble, ein Sinfonieorchester, ein Chor und der Schauspieler und Sänger Billy Boyd das Konzert „Der Herr der Ringe und der Hobbit“ aufführten.

Vor der imponierenden Kulisse des St. Blasier Doms ließen das Tolkien-Ensemble, ein Sinfonieorchester, ein Chor sowie der Erzähler und Sänger Billy Boyd die fantastische Welt von Mittelerde erleben.
Vor der imponierenden Kulisse des St. Blasier Doms ließen das Tolkien-Ensemble, ein Sinfonieorchester, ein Chor sowie der Erzähler und Sänger Billy Boyd die fantastische Welt von Mittelerde erleben. | Bild: Michael Gottstein

Während es in der Erzählung und in der Musik zur Katastrophe kommt, hielten die Regenwolken am Himmel über St. Blasien ihr unheilvolles Versprechen nicht ein. Es fielen zwar wenige Tropfen, sodass einige Musiker des aus Weißrussland stammenden Orchesters ihre besonders empfindlichen Instrumente kurzzeitig in Sicherheit brachten, doch die übrigen spielten unverdrossen weiter, sodass dem Konzertgenuss nichts im Wege stand.

Auch die fröhlichen Tänze der Hobbits waren Teil der Vorstellung.
Auch die fröhlichen Tänze der Hobbits waren Teil der Vorstellung. | Bild: Michael Gottstein

Billy Boyd, der in Peter Jacksons monumentaler Verfilmung den Hobbit Pippin gespielt hatte, übernahm die Rolle des Erzählers und wusste, lebendig durch die Geschichte zu führen. Er sprach ausschließlich Englisch, doch wer nicht alles verstand, konnte der Handlung dank der über die Leinwände flimmernden Bilder und dank der bildgewaltigen Musik folgen. Die Komponisten hatten es gut verstanden, die Gefühle der Protagonisten zu beschreiben und die Szenen, seien es nun Kriegs- oder ausgelassene Tanzszenen, anschaulich zu schildern.

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Auf Avantgardistisches und Experimentelles hatten sie verzichtet. Vielmehr bedienten sie sich einer gefälligen Musiksprache, die zahlreiche Einflüsse aus der anglo-irischen Volksmusik aufnahm und daher vertraut wirkte – wie auch die Figuren aus der Sagenwelt, die man als exotisch dekorierte Parabel auf die menschliche Gesellschaft und Geschichte mit ihren Kriegen, ihrer Gier und Machtversessenheit, aber auch ihrer Sehnsucht nach Frieden lesen kann.

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Als das Konzert mit Tupper Sauceys „Nationalhymne von Mordor“ eingeleitet wurde, erhoben sich die Zuschauer von ihren Sitzen und erlebten vor dem Hintergrund des Ringes im Flammenmeer eine heiter-festliche Hymne in strahlendem Dur. Keine Spur von dem drohenden Unheil zu erahnen war in der bukolischen Welt der Hobbits, die – wenn man den launischen Flöten- und Violinsoli Glauben schenken darf – auch burleske Züge annehmen kann.

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In „The Prophecy“ kündigten pathetische Gesänge des zunächst von tiefen Männerstimmen dominierten Chores, Schlagzeugwirbel und machtvolle Bläserakzente das Unheil an. Einen starken Kontrast bildeten Szenen, die mit ihrer ausgelassen-fröhlichen, stets um dieselben Motive kreisenden Musik an irische Pubs erinnerten. Sänger und Tänzer boten dazu eine mitreißende Bühnenshow. Das lyrische Element verkörperten Caspar Reiffs eindringlicher Gesang „Vers of the Rings“ und Enyas „May it be“, bei dem die gefühlvoll singenden Sopranistinnen, wie es dem Klischee entspricht, von harfenartigen Klängen (erzeugt auf einem Synthesizer) begleitet wurden. Eine exzentrische Einlage war „Gollums Lied“, in dem Peter Hall und Caspar Reiff den kriecherischen und heimtückischen Charakter dieses Wesens genau getroffen hatten. Der Tenor, der auch schauspielerisch voll überzeugte, stimmte einen Sprechgesang an, wisperte, fauchte, zischte und wechselte von der normalen Stimmlage ins Fisteln.

Dramatisches Wechselbad

Während der erste Teil in ausgelassenster Fröhlichkeit endete, steuerte der zweite Teil in einem gewaltigen Crescendo auf das „Ende aller Dinge“ zu. Immer markanter wurden die Rhythmen, immer martialischer die Klänge, immer machtvoller die Blechbläser­fanfaren, immer lauter das Forte. Doch es gab auch Kontrapunkte wie Billy Boyds kurzes, aber eindringliches und sparsam vom Orchester begleitetes Lied des Pippin „The Edge of Night“, das wie ein Moment des Innehaltens, der Trauer und Hoffnung wirkte, oder „Galadriels Lied von Eldamar“, bei dem die Sopranistin in elegischem, mit Vokalisen geschmücktem Gesang die Sehnsucht nach Schönheit beschwor. In der Gasse zwischen den Stuhlreihen wiegte sich eine Tänzerin in wehendem Gewand.

Nach der Zerstörung des unheilvollen Rings war der Weg frei für einen glücklichen Ausgang in Gestalt von „Into the West“. Viel begeisterter Applaus belohnte die Akteure, die sich mit drei Zugaben, darunter einem Gesangsstück von Billy Boyd, revanchierten.