Der Beginn des 24. Internationalen Bildhauersymposiums in St. Blasien rückt näher, und mit ihm auch die Ankunft der Künstler aus aller Welt. Unter ihnen sind sowohl neue Gesichter als auch alte Bekannte. In einer kleinen Serie stellen wir die Teilnehmer und ihre Werke vor.

  • AkthamAbdulhamid: Bei Aktham Abdulhamid sind schon die Angaben zur Person international: Der gebürtige Syrer lebt in Madrid. Erfahrungen mit Symposien und Ausstellungen hat er von beiden Seiten, als Teilnehmer und als Veranstalter beziehungsweise Jurymitglied. Geboren in Jableh in Syrien, machte er sein Diplom in Bildender Kunst und absolvierte ein Studium der Bildhauerei und Angewandter Kunst in Damaskus. Danach unterrichtete er als Professor für die Verwaltung der Schönen Künste in Syrien, wurde erst zu deren Direktor und später zum Leiter des syrischen Kulturzentrums in Madrid ernannt. Außerdem war er als privater Berater des Ministers für Kultur in Syrien tätig.
Aktham Abdulhamid kommt mit der Skulptur „Frühlingsblitz – zwischen Himmel und Erde“ nach St. Blasien.
Aktham Abdulhamid kommt mit der Skulptur „Frühlingsblitz – zwischen Himmel und Erde“ nach St. Blasien. | Bild: privat/Aktham Abdulhamid

Seine Werke hat Aktham Abdulhamid in Syrien, Ägypten, Bahrain, dem Libanon und Jordanien in Einzelausstellungen gezeigt und zahlreiche Auszeichnungen gewonnen. Außerdem hat er zahlreiche Kunstveranstaltungen organisiert oder als Juror mitgewirkt und in Granada einen Skulpturengarten gegründet.

Aktham Abdulhamid kommt mit der Skulptur „Frühlingsblitz – zwischen Himmel und Erde“ nach St. Blasien.
Aktham Abdulhamid kommt mit der Skulptur „Frühlingsblitz – zwischen Himmel und Erde“ nach St. Blasien. | Bild: privat/Aktham Abdulhamid

Aktham Abdulhamid arbeitet in Stein und Holz. In St. Blasien ist er in diesem Jahr das erste Mal zu Gast. Der Titel seiner Skulptur lautet „Blitz im Frühling – Zwischen Himmel und Erde“. „Mein Werk beschreibt die Harmonie des Lebens zwischen Mensch und Himmel, die ständigen Beziehungen im Auf und Ab. Es ist ein Blitz, ein Aufhellen von Güte und Licht“, schreibt er dazu.

  • Fabian Rucco: Ein bekanntes Gesicht dagegen ist Fabian Rucco aus Argentinien. Bereits drei Mal, in den Jahren 2011, 2012 und 2013, war er in St. Blasien zu Gast. 2017 hatte er erneut auf der Auswahlliste der Jury gestanden, konnte aber nicht teilnehmen. Im Jahr 2012 gewann Rucco den damals noch vergebenen Publikumspreis für seine Skulptur „The Exiles Of Neptun“, 2013 siegte er erneut mit „Ninth Symphony“.
Bereits zum vierten Mal ist der Argentinier Fabian Rucco in St. Blasien zu Gast.
Bereits zum vierten Mal ist der Argentinier Fabian Rucco in St. Blasien zu Gast. | Bild: privat/Fabian Rucco

Die damalige Zeit in St. Blasien dürfte Fabian Rucco auch aus anderen Gründen noch gut in Erinnerung haben: Auf dem Flug nach Deutschland biss er sich an einem Stück Nussschokolade einen Zahn beziehungsweise eine Krone aus – ausgerechnet an einem Schneidezahn. Das fix abgelegte Schweigegelübde – er würde sich schämen, wenn er auf dem Symposium im Gespräch mit Kollegen oder Besuchern die Zahnlücke entblößen müsste – konnte er zum Glück schnell wieder brechen. Noch am Sonntag seiner Ankunft behob ein St. Blasier Zahnarzt kunstfertig und kostenlos das Malheur, sodass dem Dialog, dem das Symposium auch dienen soll, nichts mehr im Weg stand.

„Versteckspiel“ lautet der Titel von Fabian Ruccos Skulptur, die den Betrachter einlädt, selbst ein Teil des Kunstwerkes zu werden.
„Versteckspiel“ lautet der Titel von Fabian Ruccos Skulptur, die den Betrachter einlädt, selbst ein Teil des Kunstwerkes zu werden. | Bild: privat/Fabian Rucco

Umso besser war es noch für Rucco, als er damals nach dem Aufenthalt in St. Blasien gleich noch einen Folgeauftrag hatte. Denn der Geschäftsführer des Hotels „Vier Jahreszeiten“ am Schluchsee war auf seine Arbeiten aufmerksam geworden und wollte gerne eine davon für das Hotel erwerben. Nachdem aber der Versand einer Skulptur von Argentinien nach Deutschland ziemlich schwierig gewesen wäre, blieb Rucco damals noch eine Woche im Schwarzwald, um direkt vor Ort eine Skulptur für das Hotel zu schaffen.

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Fabian Rucco ist in Rosario in Argentinien geboren und hat auch dort sein Kunststudium absolviert. Mittlerweile ist er an der Nationalen Universität in Rosario als Professor für Bildhauerei tätig. 2016 wurde er dort vom Städterat für seine Arbeiten in Holz und Stein ausgezeichnet.

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„Versteckspiel“ lautet der Titel der Skulptur, mit der Rucco sich in diesem Jahr am Symposium in St. Blasien beteiligt. Sie zeigt ein Mädchen, dass sich unter einem Stuhl versteckt. „Das Mädchen sitzt unter dem Stuhl, weil es Verstecken spielt. Sie bittet die Zuschauer um Mithilfe. Jede Person kann auf dem Stuhl Platz nehmen und wird damit zum Teil der Skulptur“, schreibt der Künstler dazu.

  • Mariam Radwan: Mit Mariam Radwan nimmt erstmals eine Künstlerin aus Ägypten am Holzbildhauersymposium in St. Blasien teil. Sie wurde in Kairo geboren und hat auch dort Kunsterziehung und Bildhauerei studiert. Neben Gastprofessuren in verschiedenen Organisationen nimmt Mariam Radwan auch an zahlreichen Symposien im In- und Ausland teil. Dabei arbeitet sie mit ganz unterschiedlichen Materialien. Neben Holz und Stein schafft sie auch Werke aus Kupfer und hat bereits an Eis- und Schneeskulpturenwettbewerben in Harbin/China teilgenommen.
Aus Ägypten kommt Mariam Radwan, und die Skulptur, die sie schaffen wird, nennt sie „Archaische Ägyptische Harfe“.
Aus Ägypten kommt Mariam Radwan, und die Skulptur, die sie schaffen wird, nennt sie „Archaische Ägyptische Harfe“. | Bild: privat/Mariam Radwan

Auch ein Animationsfilm gehört zu ihren Werken. „Ich möchte unterschiedliche Materialien und unterschiedliche Techniken ausprobieren, das inspiriert mich, meine ganz eigene Kunst zu schaffen“, schreibt sie in einer Selbstdarstellung im Internet. Wichtig sei ihr außerdem die Zusammenarbeit mit anderen Menschen und die Begegnung mit anderen Kulturen, die sie dann wieder für den Unterricht ihrer Schüler einsetzen möchte. Sie sei eine Geschichtenerzählerin. Ehrenamtlich engagierte sie sich in Kunstprojekten für Schulverweigerer in ihrem Heimatland Ägypten.

Die Skulptur, die Mariam Radwan schaffen wird, nennt sie „Archaische Ägyptische Harfe“.
Die Skulptur, die Mariam Radwan schaffen wird, nennt sie „Archaische Ägyptische Harfe“. | Bild: privat/Mariam Radwan

„Archaische Ägyptische Harfe“, lautet der Titel der Skulptur, mit der sich Mariam Radwan für die Teilnahme am Symposium in St. Blasien qualifiziert hat. „Die Harfe des Lebens ist wie ein Tor, durch das man in einer speziellen musikalischen Symphonie ins Leben eintritt“, schreibt sie dazu. Während die Musik das Leben darstelle, repräsentiere die archaische Harfe aus Ägypten das erste Musikinstrument der Geschichte. Die Harfenskulptur schaffe eine gute Verbindung zwischen Bildender Kunst und altägyptischer, traditioneller Musik, schreibt Radwan weiter, die über sich selbst auch sagt, sie sei gleichermaßen von antiker ägyptischer Kunst und moderner Kunst beeinflusst und inspiriert.

Auch regionale Künstler dabei

International ist es, das Bildhauersymposium in St. Blasien. Das heißt jedoch nicht, dass keine Künstler aus der Umgebung dabei sein dürfen. Denn die Jury hat auf eine gute Mischung geachtet, was sowohl Männer und Frauen als auch Aus- und Inländer betrifft. Die folgenden Bildhauer sind im weitesten Sinne aus der Region und alle nicht zum ersten Mal dabei.

  • Michael Weick: Die weiteste Anreise der drei regionalen Künstler hat Michael Weick. Er lebt und arbeitet als freischaffender Künstler in Backnang. Für Weick ist die Bildhauerei die zweite Karriere. In Ulm an der Donau geboren und in Freiburg aufgewachsen, war der ausgebildete Ingenieur zunächst mehr als 40 Jahre in den Bereichen Organisation und Management tätig. Zur Kunst kam er eher zufällig, wie er in einer Selbstdarstellung schreibt: um auf seinem Grundstück ein paar alte Fichten zu fällen, besorgte er sich eine Kettensäge und begann dann, damit auch Skulpturen zu formen.
Künstler Michael Weick wirft einen Blick auf die Digitalisierung.
Künstler Michael Weick wirft einen Blick auf die Digitalisierung. | Bild: privat/Michael Weick 

Offiziell in Rente, kann er sich seit Jahren ganz seiner Kunst widmen und nimmt regelmäßig an Ausstellungen und Kunstmessen teil. In St. Blasien ist er zum vierten Mal dabei. Regelmäßige Besucher des Bildhauersymposiums erinnern sich vielleicht noch an den ruhigen Mann, der meistens mit einer Tabakspfeife im Mundwinkel an seiner Skulptur anzutreffen ist. 2013 schuf er eine bunte Säule, 2016 eine Skulptur aus vier Ringen. Im vergangenen Jahr machte er mit seiner „Zebra-Stele“ beispielhaft auf die bedrohte Spezies aufmerksam. Eine ganz andere, möglicherweise aber ebenfalls vom Aussterben bedrohte Spezies ist in diesem Jahr Gegenstand seiner Arbeit: eine Aktentasche. „Was wäre die Welt ohne Akten? Was wäre, wenn es keine Aktentaschen gäbe? Werden Aktentaschen im Zuge unserer zunehmenden Digitalisierung reif für die Museen? Fragen, auf die sich jeder selbst eine Antwort suchen darf“, schreibt Weick dazu.

Mit dem Werk „Aktentasche“ tritt Künstler Michael Weick an.
Mit dem Werk „Aktentasche“ tritt Künstler Michael Weick an. | Bild: privat/Michael Weick 
  • Christel Andrea Steier: Untrennbar mit dem Bildhauersymposium verbunden ist Christel Andrea Steier. Nicht nur, dass sie in Bernau und damit quasi um die Ecke wohnt, sie hat auch 2017 die künstlerische Leitung des Festivals übernommen. So sorgt sie schon im Vorfeld dafür, dass die anreisenden Künstler das passende Holz für ihre Skulpturen zur Verfügung gestellt bekommen und kümmert sich während der Symposiumswoche um die großen und kleinen Wünsche der Kollegen, was Arbeitsplatz, Werkzeug und Weiteres angeht.
Künstlerin Christel Andrea Steier ist Leiterin des Symposiums.
Künstlerin Christel Andrea Steier ist Leiterin des Symposiums. | Bild: privat/Christel Andrea Steier

Sie wird in diesem Jahr eine Skulptur mit dem Titel „Vom selben Ursprung“ schaffen. Dabei bezieht sie sich auf die Chromosomen, die Träger von Erbinformationen. „Das Chromosomenpaar Nr. 23, auch Gonosom genannt, bestimmt, ob ein Mensch männlich oder weiblich ist“, schreibt sie dazu. Dabei steht XX für die Frau, XY für den Mann. „Basis des Gonosoms bleibt das gemeinsame X – birgt es Ursprüngliches?“, fragt sie sich und die Betrachter ihres Werks.

Das Werk „Vom selben Ursprung“ schafft Künstlerin Christel Andrea Steier in St. Blasien.
Das Werk „Vom selben Ursprung“ schafft Künstlerin Christel Andrea Steier in St. Blasien. | Bild: privat/Christel Andrea Steier 
  • Eberhard Rieber: Ebenfalls nicht weit nach St. Blasien hat es Eberhard Rieber, der als freier Künstler in Jestetten arbeitet. Geboren in Lottstetten, hat er die Ausbildung zum Holzbildhauer bei seinem Vater Gerhart Rieber absolviert und war 1981 erster Bundessieger. Anschließend besuchte er die Schule für Gestaltung in Zürich und legte in Freiburg seine Meisterprüfung ab.
Künstler Eberhard Rieber bei der Arbeit.
Künstler Eberhard Rieber bei der Arbeit. | Bild: privat/Eberhard Rieber 

„Schleichende Hauskatzen mit langsamen Bewegungen, aber gespannt, faszinieren mich. In St. Blasien wird die süße Hauskatze zur Raubkatze umgesetzt – ständig auf der Jagd, immer gefährlich. Aber wann ist das Leben nicht gefährlich?“, schreibt Rieber zu seiner Skulptur für das diesjährige Symposium.

„Schleichende Gefahr“ nennt Künstler Eberhard Rieber seine Katzenskulptur.
„Schleichende Gefahr“ nennt Künstler Eberhard Rieber seine Katzenskulptur. | Bild: privat/Eberhard Rieber