Mit stark steigenden Covid-19-Patientenzahlen rechnen Mediziner für die nächste Zeit. Ein wichtiges Ziel der Verantwortlichen ist es, die Ausbreitung des neuartigen Coronavirus so stark zu verlangsamen, dass dadurch ausgelöste schwere Atemwegserkrankungen immer behandelt werden können. Die Klinik St. Blasien, spezialisiert auf solche Krankheiten, bereitet sich derzeit auf eine Ausnahmesituation vor – und sucht deshalb jetzt auch nach medizinischem Personal.

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„Unheimlich viel“ werde derzeit in der Klinik St. Blasien vorbereitet, sagt deren Geschäftsführer Hans-Werner Kuska. Damit reagiere man auf die Bitte von Bundesgesundheitsminister Jens Spahn, alle Kliniken mögen überprüfen, ob sie die Beatmungskapazitäten erweitern können. Die Klinik St. Blasien bildete deshalb ein Covid-19-Kernteam, dem die Chefärztin, die Pflegedienstleitung, der Geschäftsführer und bei Bedarf weitere Personen angehören, sagt Kuska.

Geschäftsführer Hans-Werner Kuska
Geschäftsführer Hans-Werner Kuska | Bild: Klinik St. Blasien

„In der aktuellen Notlage könnten wir die Behandlungskapazitäten aufgrund der Gebäudestruktur unserer Klinik erheblich erhöhen. Eine Beatmungsversorgung beispielsweise in sogenannten Zeltstrukturen könnte vermeiden werden“, sagt er.

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Mehrere Fragen müsse dieses Team klären: Was passiert bei Infektionen in der Klinik? Ist ausreichend Schutzausrüstung vorhanden und wie sieht es generell mit der medizinischen Ausstattung aus? Und wie können Covid-19-Patienten von anderen schwer erkrankten Menschen sicher getrennt werden?

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Da die Klinik St. Blasien über eine besondere Expertise bei der Behandlung schwerer Atemwegserkrankungen verfüge, sei es selbstverständlich, dass sie sich auf eine schlimmer werdende Situation einstelle, sagt Geschäftsführer Hans-Werner Kuska. Vier Beatmungsplätze habe die Klinik zuletzt genutzt und kurzfristig mit vorhandenen Mittel auf sechs erweitert. „Wir können die Zahl der Beatmungsplätze mit Bordmitteln auf zwölf und später auf mehr hochfahren“, sagt Kuska. Vier Geräte habe die Klinik St. Blasien bereits bestellt, allerdings müsse er derzeit von bis zu 14 Wochen Lieferzeit ausgehen.

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Die Beatmung sei aber nur ein Aspekt bei der Bewältigung der Krise, erläutert der Geschäftsführer. Die Klinik könne mit „relativ überschaubarem Aufwand“ den Ost- und den Westflügel des historischen Gebäudes reaktivieren. Anschlüsse für Sauerstoff seien beispielsweise vorhanden. In überschaubarer Zeit könnten so bis zu 80 Patientenbetten zur Verfügung stehen. Eine Intensivstation mit sechs Betten steht bereits zur Verfügung.

Rund 35 Behandlungsplätze gab es zuletzt in der Klinik St. Blasien. Aufgrund der akuten Situation sei die Zahl bereits auf knapp über 20 Plätze reduziert worden. Auch das Schlaflabor sei bereits geschlossen, um Kapazitäten freizumachen, sagt Geschäftsführer Hans-Werner Kuska.

Strenge Abschirmung

In der Klinik St. Blasien werden auch schwere Tuberkulosefälle und sonstige Patienten mit schweren Atemwegserkrankungen behandelt. Solche Patienten müssten streng von Covid-19-Patienten abgeschirmt werden, um sie nicht zusätzlich zu gefährden.

Bild: Sebastian Barthmes

Das bedeute, dass getrennte Personalteams vorhanden sein müssten. Ein Vorschlag der Klinik sei es deshalb, die Tuberkulosepatienten in andere Krankenhäuser zu verlegen. Über Nacht könnte dann eine Covid-19-Station in Betrieb gehen, so Kuska. Über alle diese Fragen und Vorschläge werde mit den zuständigen Stellen im Landkreis und im Sozialministerium in Stuttgart gesprochen.