Urs Soder ist im Großen und Ganzen zufrieden mit den Grenzbeamten beiderseits des Rheins: „Inzwischen wissen einige, wer ich bin, und winken mich durch.“ Wenn Soder in den vergangenen neun Wochen die Grenze von der Schweiz nach Deutschland mit seiner Ausnahmegenehmigung passierte, tat er das immer auf dem Traktor: Denn er ist einer der Handvoll Schweizer Landwirte, die Äcker in Deutschland besitzen oder gepachtet haben.

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Soder fährt von Möhlin nach Niederdossenbach, wo er oberhalb der Marienkapelle insgesamt 25 Hektar in seinem Besitz mit Mais, Weizen, Gerste und Raps bewirtschaftet. Der Weizen habe bereits stark unter der Trockenheit gelitten, berichtet er. Wochentags fährt Soder über den Grenzübergang Bad Säckingen, wo er sich bei den Lkw einreihen muss. Weil für diese der Zoll am Wochenende geschlossen ist, fährt er dann über die Rheinbrücke in Rheinfelden: „Das ist beides gleich lang“, sagt er.

Sie dürfen Grenzen passieren

Landwirte gehörten von Anfang an zu den Ausnahmefällen, die die Grenze passieren durften. Weitere Schweizer Besitzer mit Ackerland in Schwörstadt sind die Graf-Mühle in Maisprach und die Langel & Pfirter AG in Augst und Pratteln. Christoph Pfirter braucht mit seinem Traktor eine halbe Stunde von Pratteln nach Schwörstadt; doch das sei relativ: „Die Fahrtzeit ist dieselbe, wie wenn wir für Dienstleistungen nach Basel fahren.“

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Auf den rund 15 Hektar beim Freiherrlich von Schönau-Wehr‘schem Gutshof baut er Mais und Getreide an. Die Maisernte steht im Juni, spätestens Juli an; aufgrund eines binationalen Abkommens dürfen die Schweizer Bauern ihre eigene Ernte ohne Zollgebühren in die Schweiz einführen.

Zur Ernte Ende Juni darf Pfirter aller Voraussicht nach völlig ungehindert die Grenze passieren; in den vergangenen neun Wochen musste aber auch er wie Soder ein Papier vorweisen, dass seinen Besitz beziehungsweise den Pachtvertrag in Schwörstadt bestätigte. Soder und Pfirter bestätigen beide, dass es sehr vom Grenzbeamten auf beiden Seiten abhänge, wie kompliziert sich der Grenzübertritt gestalte. Wie eingangs erwähnt macht Soder vor allem gute Erfahrungen; nur einmal habe sein Sohn die Papiere vergessen gehabt: „Der Schweizer Beamte hat sich aufgespielt. Aber es ging alles gut.“ Bei Pfirter gab es bisweilen Probleme, wenn er einen seinen Mitarbeiter schickte. Seiner Erfahrung nach nehmen es jüngere Beamte strenger als ältere, während Soder es genau umgekehrt erlebt.

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Als vierter Landwirt fährt auch Werner Frey aus Rheinfelden/Schweiz über die Rheinbrücke, biegt dann aber als einziger links ab: Seine Äcker liegen in Nollingen an der Autobahnausfahrt. Wie viel Land er dort bebaut, will er nicht verraten, wohl aber, was darauf wächst: Mais, Weizen, Soja und Futtergras. Seit der Grenzschließung säte er den Mais, spritzte Pflanzenschutz und Dünger. Ihn habe jedes Mal ein anderer Beamter kontrolliert, erzählt Frey. Obwohl er die Grenze immer habe passieren dürfen, habe er doch anders planen müssen als sonst: „Einfach spontan rüberfahren ging nicht mehr.“