Die Weichen für drei wichtige Planungen in Schopfheims Westen hat der Gemeinderat in dieser Woche gestellt. Ein Entwicklungskonzept wird erarbeitet, ein neuer Bebauungsplan für das Einkaufsmärkte-Gebiet Gänsmatt und auch beim Mischgebiet Reibematt-West geht es weiter. Alle diese Projekte hängen eng miteinander zusammen – und über allem steht obendrein das Stadtentwicklungskonzept. Und so tauchte im Gemeinderat die Frage auf, ob es gelingt, all dies aufeinander abzustimmen.

Entwicklungskonzept West

Das Gebiet vom Friedhof bis zum Kreisel bei Gündenhausen soll planerisch unter die Lupe genommen werden. Hier in diesem Gebiet, wo so ziemlich alles vorhanden ist von Einkaufsmärkten über Gewerbebetriebe bis Wohnen, sind verschiedene Bauvorhaben geplant. „Daher sehen wir einfach den Bedarf für eine übergeordnete Rahmenplanung“, erläuterte Bauamtsmitarbeiter Thomas Schmitz. Im Dezember hatte der Bauausschuss grünes Licht für ein Entwicklungskonzept gegeben. Jetzt war der Gemeinderat am Zug.

Ausblick II: Die Pläne für eine Überbauung der Fläche beim Kreisel Gündenhausen (Reibematt-West) gehen jetzt in die Offenlage.
Ausblick II: Die Pläne für eine Überbauung der Fläche beim Kreisel Gündenhausen (Reibematt-West) gehen jetzt in die Offenlage. | Bild: Erich Meyer

Schmitz erläuterte in der Sitzung nochmals die grundlegenden Pläne. In einem kooperativen Werkstattverfahren soll die „Zukunft des Stadtgebiets in einem Diskurs entwickelt werden“. Dabei gehe es um viele Fragen: Soll das Gewerbe gestärkt werden? Soll mehr Wohnen ermöglicht werden? Welche Rolle spielt der Gewerbekanal? Könnte die Aufenthaltsqualität erhöht werden? Und: Was ist mit dem Verkehr? Geplant sei, dass dieses Konzept in einem Prozess erarbeitet wird, in den Eigentümer, Öffentlichkeit und externe Fachleute und Planer eingebunden werden. Geleitet wird das Verfahren von der Stadtverwaltung und der Stadtbau Lörrach. Konkret sollen eine städtebauliche Analyse und mehrere Entwicklungsszenarien erstellt werden. Kosten: rund 48.000 Euro.

Stellt sich die Frage: Wie wird das verknüpft mit all den anderen Planungsprozessen, die schon im Gang sind oder am Montag aufgegleist wurden? Denn zum einen beschloss der Gemeinderat am Montag auch, dass für das Einkaufsmärkte-Gebiet Gänsmatt ein neuer Bebauungsplan erarbeitet wird. Außerdem ging es in der Sitzung auch um das planerisch weiter fortgeschrittene Mischgebiet direkt beim Kreisel Gündenhausen (Reibematt-West). Obendrein will die Stadt bekanntlich in diesem Jahr ein Stadtentwicklungskonzept (ISEK) auf den Weg bringen.

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Peter Ulrich (SPD) wollte daher wissen, „wie der Informationsaustausch sichergestellt wird zwischen all diesen Prozessen“. Es müsse unbedingt vermieden werden, dass da „an einer Stelle was festgezurrt wird, was möglich dann an einer anderen hinderlich sein kann oder sogar dem widerspricht und etwas ad absurdum führt“. Schmitz betonte, dass die zeitlichen Abläufe aufeinander abgestimmt seien. Zudem sollen teils auch die gleichen externen Planer mit ins Boot geholt werden – jener für die Gänsmatt etwa werde auch beim Entwicklungskonzept-West mit am Tisch sitzen. Doch nicht nur die Frage nach der Koordination tauchte auf, sondern auch die, ob man sich womöglich doppelte Arbeit macht. Darauf zielte die Frage von Martina Hinrichs (SPD) ab, die wissen wollte, „um wie viel günstiger ISEK wird, wenn wir 48.000 Euro für das Entwicklungskonzept ausgeben“. Laut Schmitz jedoch würden sich ein Entwicklungskonzept und ein ISEK nicht vergleichen lassen. „Beim Entwicklungskonzept geht es mehr in die Tiefe.“ Beim ISEK hingegen „besprechen wir die großen Fragen“. Schmitz räumte angesichts der vielen „Parallelitäten“ ein, dass in einer „optimalen Welt“ alle Schritte nacheinander folgen und aufeinander aufbauen würde. „Das geht hier aber nicht. Es sind bereits Prozesse in Gang und es gibt berechtigte Interessen von Eigentümern. Die können nicht ewig warten.“

Gänsmatt

Wie berichtet, hat Lidl mit seiner erfolgreichen Klage gegen die Ablehnung seiner Bauvoranfrage auf Erweiterung einen Stein ins Rollen gebracht. Die bisherigen „Insellösungen“ auf der Gänsmatt, wonach für einzelne Grundstücke Entwicklungen festgezurrt sind, sollen ersetzt werden durch einen neuen Bebauungsplan „Sondergebiet Gänsmatt“. Dies auch vor dem Hintergrund, dass außer Lidl weitere Märkte beziehungsweise Investment-Gesellschaften Pläne in diesem Gebiet verfolgen. Um sicherzustellen, dass die Gänsmatt auch künftig nicht den Handel in der Innenstadt gefährdet, ist bereits ein Einzelhandelsgutachten für das Gebiet angefertigt worden, wie Stadtplaner Peter Egi erläuterte. Dieses soll aber noch ausgebaut werden, damit es für ganz Schopfheim-West verwendet werden könne. Untersucht werden soll dabei nicht nur die Frage, wie viele Märkte, Drogerien und Ähnliches das Gebiet noch verträgt, sondern auch die Themen Wohnen und Gebäudehöhen. So gesehen „bietet sich hier eine große Chance für uns“, so Egi. Ernes Barnet (Grüne) bat darum, dass das Themen Wohnen auch wirklich „reflektiert“ werde – wie auch eine Überquerung der Bahnlinie und das Aufbrechen versiegelter Flächen.

Reibematt-West

Einen Schritt weiter ist jetzt auch das Vorhaben, beim Kreisel in Gündenhausen ein neues „Stadttor-West“ zu schaffen. Vorgesehen ist der Bau von drei Gebäuden mit zusammen rund 70 Wohnungen sowie Platz für Facharztpraxen, eine Dialysestation, Büros sowie weitere nicht störende, gewerbliche Nutzungen. Der Gemeinderat stimmte dem Bebauungsplanentwurf zu. Jetzt gehen die Pläne in die Offenlage. Wie Architekt Peter Külby erläuterte, seien Lärmprobleme wegen des Kraftwerk-Rechens mit der Firma Energiedienst ausgeräumt worden. Angesprochen wurde in der Sitzung unter anderem die neue Zufahrtsplanung – der Walter-Faller-Weg führt künftig erst auf die neue Erschließungsstraße und nicht mehr direkt auf die Hauptstraße. Skeptisch bewertete Felix Straub (Grüne) die Lage des Spielplatzes direkt beim Kreisel. Külby versicherte, dass das Gelände komplett eingezäunt werde. Bürgermeister Dirk Harscher wies drauf hin, dass es auch bei diesem Vorhaben wichtig sei, dass es vorangehe. Das Fahrnauer Dialysezentrum, das hier einziehen wolle, sei dringend auf größere Räume angewiesen.