Der Windkraft bläst im Wiesental der Gegenwind voraussichtlich bald mit vereinter Kraft entgegen. Die Gegner wollen das große Fusions-Rad drehen. Wie am Freitag bei der Hauptversammlung der „Windkraftgegner in und um Gersbach“ bekannt wurde, will sich der Verein mit der BI „Schwarzwald Gegenwind“ zusammenschließen. Ein erster Schritt ist bereits erfolgt: Bernd Fischbeck, Sprecher der BI, ist jetzt auch Zweiter Vorsitzender des Gersbacher Vereins.

Das Logo der Gersbacher Windkraftgegner ziert eine Figur, deren Aussehen – Heckerhut, schwarz-rot-goldene Schärpe, Heugabel – an die Revolutionäre von 1848 erinnert. Auf dem Logo pustet sie ein Windrad weg. Dies nun haben die Gersbacher Windkraftgegner bislang nicht geschafft. Bis auf ein Windrad auf dem Hasler Glaserkopf, das wegen des juristischen Widerstands eines Anwohners weiter in der Schwebe ist, drehen sich alle bisher beantragten Windkraftanlagen.

Doch kommt voraussichtlich jetzt die „zweite Luft“ dazu. Wolfgang Ühlin, Vorsitzender des Gersbacher Vereins, ließ am Ende der Versammlung die rund 40 anwesenden Mitglieder darüber abstimmen, ob sie sich eine Fusion mit der im Kleinen Wiesental aktiven BI Schwarzwald Gegenwind vorstellen könnten, frei nach dem Motto: Windkraftgegner aller Wiesentäler Orte, vereinigt euch. Die Antwort: ein klares Ja. Ein Fusionsvertrag soll nun ausgearbeitet, der Zusammenschluss dann im Herbst durch offizielle Beschlüsse besiegelt werden.

Dass auch die BI Interesse an der Fusion hat, bekräftigte deren Sprecher Bernd Fischbeck nicht nur mit Worten. So erklärte er sich bereit, als zweiter Vorsitzender des Gersbacher Vereins zu kandidieren und wurde als Nachfolger von Bettina Roller gewählt. Diese hatte ihr Amt – wie ihr Mann Rolf Roller das des Kassierers – aus zeitlichen Gründen abgegeben. Rolf Roller gab den Fusionspartnern eine Mahnung mit auf den Weg. Gersbach sei von den hiesigen Mandatsträgern, als die Verträge vor Jahren nichtöffentlich festgezurrt wurden, „verraten“ worden. Jetzt müsse es darum gehen, dass sich dieser „nichtöffentliche Verrat“ nicht andernorts wiederhole und es müsse verhindert werden, dass nicht womöglich noch mehr Windräder rund um Gersbach gebaut werden.

Tatsächlich ist die Öffentlichmachung des Vertrags der Stadt Schopfheim mit der EWS Schönau in Sachen Windpark Rohrenkopf eines der Themen, der sich die gemeinsame Windkraftgegner-Gruppe annehmen will. Wolfgang Ühlin wies darauf hin, dass BI da bereits im Kleinen Wiesental erfolgreich war. Umgekehrt könne die BI von Gersbacher Aktivitäten lernen. Überhaupt versprechen sich beide Seiten nicht nur größere personelle Stärke – der Gersbacher Verein zählt 120 Mitglieder, die BI 91 – sondern auch Synergieeffekte, etwa bei Anwaltskosten. Ühlin wie Fischbeck betonten, dass der neue Verein in beiden Gebieten nach wie vor zugleich aktiv sein werde – im Bereich Zeller Blauen wie auch rund um Gersbach. Eine Genehmigung für den Windpark Zeller Blauen müsse deshalb mit aller Kraft verhindert werden, weil hier ein Präzedenzfall drohe mit Folgen für den gesamten Schwarzwald, sagte Fischbeck.

Gerade weil hier die Windverhältnisse vergleichsweise ungünstig seien, wäre eine Genehmigung „ein Einfallstor nach der Devise: Wenn man hier bauen kann, dann dann man überall bauen.“ Die Situation rund um Gersbach werde darüber nicht vergessen. Er könne „nicht versprechen, dass es zu einer Revision der Genehmigung kommt. Es sind jedoch mit einige Dinge nicht ordentlich gelaufen, die wir uns nochmals mit anwaltlicher Hilfe ganz genau anschauen.“

Landratsamt im Kreuzfeuer der Kritiker

Überhaupt stand das Landratsamt als Genehmigungsbehörde an diesem Abend mehr noch als die – aus Sicht der Gegner in ihrer jetzigen Form falsch konzipierte – Energiewende sowie die Windparkbetreiber EWS Schönau und EnBW im Zentrum der Kritik. Egal ob beim Lärm oder bei vielen anderen Themen: das Agieren des Landratsamts ist aus Sicht der Windkraftgegner unverständlich. Etwa, als die Behörde den Rotmilan-Dichtezentrumnachweis der Windkraftgegner für den Windpark Hasel nicht anerkannte mit der Begründung, dass Nicht-Ornithologen am Werk gewesen seien. Ühlin erinnerte daran, dass die Windkraftgegner nicht nur Experten-Anleitung hatten, sondern auch penibel alle Vorgaben einhielten.

Dass das Landratsamt den Windpark-Betreibern „immer wieder entgegenkommt“, habe sich auch beim Fund eines toten Wespenbussards gezeigt, als das Tier zum zufällig vorbeifliegenden Zugvogel erklärt wurde, oder bei der Verhandlung des Verwaltungsgerichts Ende 2019. „Ohne große Gegenwehr“ habe das Landratsamt einer Aufweichung des Fledermaus-Gondelmonitorings für den Windpark Rohrenkopf zugestimmt sowie einer Reduzierung der Summe für den Landschaftseingriff von 500.000 Euro auf 412.500 Euro. Auch vor diesem Hintergrund gab es in der Versammlung viel Zustimmung zu einer Windkraftgegner-Fusion. Ein Mitglied brachte die Stimmung auf den Punkt: „Dass es gegen das Landratsamt schwer ist, wissen wir alle. Aber gemeinsam sind wir stärker.“

  • Personelles: Neuer Kassierer ist Ernst Bühler, neuer Schriftführer (für die ausgeschiedene Susanne Häußer-Ühlin) ist Matthias Zimmermann und neuer Beisitzer ist Herbert Roser.

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