Wort gehalten: Der Rückbau der Flüchtlingsunterkunft in Fahrnau beginnt bald – wie vor rund viereinhalb Jahren vom Landkreis Lörrach zugesagt. Mit der Unterkunft geht ein Symbol der Krisenmodus-Politik im Jahr 2015. Was bleibt, sind Menschen, die damals und seitdem herkamen. Sich um sie zu kümmern, ist und bleibt eine Aufgabe – wobei die Stadt da viel Positives berichten kann.

  • Die Unterkunft: Als Landrätin Marion Dammann im Juli in Fahrnau in die Pläne für eine Gemeinschaftsunterkunft beim Friedhof vorstellte, steuerte die Flüchtlingskrise des Jahres 2015 gerade ihrem Höhepunkt zu. 1300 Menschen hatte der Kreis damals unterzubringen. Schopfheim bot das Areal in Fahrnau an, der Landkreis versprach, die Unterkunft spätestens nach fünf Jahren wieder abzubauen. Weil der Bau der auf 200 Menschen ausgelegten Containeranlage allerdings noch dauerte, wurde zuerst eine provisorische Unterkunft auf dem Oberfeldbolzplatz erstellt, in dem erst einmal bis zu 100 Menschen lebten. Ab Juni 2016 dann wurden die vier Wohnanlagen der Containerunterkunft in Fahrnau am Bläsiweg bezogen. Die sinkenden Zahlen ankommender Asylbewerber machten sich aber bald bemerkbar, wie Jürgen Sänger (Leiter Fachbereich Bürgerservice und Ordnung) und Patrik Bender (Leiter Fachgruppe Bürgerservice, Familie und Soziales) berichten. „Die Unterkunft wurde immer leerer“, so Bender. Die Stadt nutzte dies, um ihrerseits ein neues Problem zu lösen, das sich zwischenzeitlich auftat: Waren anfangs Kommunen, die Gemeinschaftsunterkünfte (GU) beherbergten, von der Anschlussunterbringung freigestellt, änderte sich dies. Schopfheim hatte nun ebenfalls Menschen unterzubringen, deren Asylverfahren bearbeitet wurden oder die mindestens 24 Monate in einer GU gewohnt hatten. Kurzerhand übernahm die Stadt die nach und nach frei werdenden Container als Untermieter, da der Kreis seinerseits mit dem Containerlieferanten einen Mietvertrag laufen hat.

Parallel dazu baute die Stadt am Dammweg eine Unterkunft für die Anschlussunterbringung von bis zu 70 Personen. Diese wird seit März 2018 genutzt, aktuell wohnen dort laut Bender 48 Menschen, vor allem Familien aus Gambia und Syrien. Außerdem hat die Stadt seit August dieses Jahres eine Etage im Markus-Pflüger-Heim in Wiechs gemietet für maximal 20 Personen, hier wohnen derzeit 17 „überwiegend junge Einzelpersonen“, so Bender. Außerdem nutzt die Stadt für die Anschlussunterbringung 32 Wohnungen – zwei eigene, außerdem hat sie 14 bei der Städtischen Wohnbau Lörrach und 17 bei Privaten gemietet. In den Wohnungen sind Familien sowie Mütter mit Kindern untergebracht. Damit ist die Stadt nun aber so aufgestellt, dass sie ebenfalls die Containerunterkunft nicht mehr benötigt – rechtzeitig zum Ende des Untermietvertrages am 1. Dezember. Alle Container werden in der ersten Dezemberwoche abgebaut, teilt Torben Pahl, Sprecher des Landratsamts Lörrach, auf Nachfrage mit. Die Leitungen allerdings bleiben im Boden, erläutert Sänger. Soll das Areal künftig doch anderweitig genutzt werden. Stand jetzt gibt es einen Grundsatzbeschluss, wonach der Boulesportverein hier sein Domizil errichtet.

  • Die Betreuung: Wie viele Menschen insgesamt in der GU untergebracht waren, lässt sich laut Sänger und Bender nur schwer sagen. Bender: „Es gab immer wieder Umverteilungen, Abschiebungen, auch freiwillige Rückreisen.“ Was die Stadt aber sagen könne: Insgesamt seien die Erfahrungen mit den Menschen positiv. Beispiel Friedhof – hier hatte es im Vorfeld wegen der Nähe Bedenken gegeben. „Das hatte sich aber schnell eingespielt. Der Respekt war da, nachdem erklärt wurde, dass dies eine heilige Stätte ist“, so Bender. Positive Erfahrungen mache die Stadt ebenso derzeit mit der Unterbringung im Markus-Pflüger-Heim. Auch da „waren wir gespannt, wie das läuft“, so Bender, wenn junge Asylbewerber mit geistig oder körperlich behinderten Menschen zusammen unter einem Dach leben. Doch auch dort „läuft es sehr gut“ – dank gegenseitigen Respekts. Bestens bewährt habe sich laut Jürgen Sänger dabei die Betreuung durch Fachkräfte, die die Caritas stellt und die Stadt bezahlt. Personal im Umfang von 2,35 Stellen kümmert sich um die rund 230 Menschen, die derzeit in Schopfheim in der Anschlussunterbringung sind. Seit Sommer hat Schopfheim dabei mit Sarah Steiner eine neue Leiterin der Unterkünfte, von ihrer Erfahrung habe die Stadt sogleich beim Umzug ins Markus-Pflüger-Heim profitiert. Unter anderem wurde eine neue Küche eingebaut, die dem Umstand Rechnung trägt, dass Menschen aus anderen Kulturen „gerne mal scharf anbraten“, andererseits aber nicht Rauchmelder ständig Feueralarm auslösen.
  • Die Kosten: Hier hat die Stadt weniger gute Nachrichten. Zwar erhalten die Menschen in den Anschlussunterbringungen Sozialleistungen und so wird auch die Wohnungsmiete vom Kreis bezahlt. An der Stadt bleibe dennoch einiges hängen, erläutert Sänger. Insbesondere die Kosten für Betreuungspersonal, Hausmeister, aber auch für Integrationsarbeit. Da sei es enorm hilfreich gewesen, bisher vom Land eine Pauschale pro Flüchtling von 1000 bis 1500 Euro pro Jahr zu erhalten. „Das war dieses Jahr aber zum letzten Mal“, erläutert Bender. Diese jährlich rund 220 000 bis 230 000 Euro fehlen nun. Zum Glück kann die Stadt nach wie vor auf ehrenamtliche Helfer zählen – den Arbeitskreis Integration und Schopfheim-hilft. Schopfheim sei hier eine der wenigen Städte, wo so ein ehrenamtliches Flüchtlings-Engagement langfristig funktioniere. „Wenn wir die nicht hätten, bliebe noch viel mehr an uns hängen. Wir sind daher für dieses Engagement absolut dankbar“, sagt Jürgen Sänger.