Die 25-jährige Viktoria Saretz ist beruflich in eine Welt eingetaucht, die durch und durch schwarz ist und in der bisher nur Männer zu finden waren. Sie arbeitet als stellvertretende Produktionsleiterin bei Carbon, einem Unternehmen der Aluminium Rheinfelden Group.

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Eine zierlich wirkende Frau – schwarze Arbeitshose, schwarzes T-Shirt, schwarze Sicherheitsschuhe und gelber Helm – erklimmt in der riesigen Produktionshalle die Fahrerkabine eines mächtigen Radladers. Sie lässt den 4,4-Liter-Motor an, fährt die gewaltige Schaufel ein wenig hoch – und dann kurvt sie mit der zehn Tonnen schweren Baumaschine vom Typ JCB 416 durch die Halle, als täte sie nichts anderes in ihrem Leben. Viktoria Saretz ist 25 Jahre alt und kommt aus Steinen.

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Sie hat eine Welt erobert, in der bisher nur Männer zu finden waren. Einen Teil ihrer Arbeit erledigt sie am Schreibtisch in ihrem Büro; regelmäßig aber muss sie sich auch in der Produktionshalle sehen lassen. Dort ist nahezu alles pechschwarz. Carbon stellt Soederberg- und Elektrodenmasse her: Dafür wird Kohle mit Bindemitteln vermischt und zu Briketts gepresst. Mit denen können dann spezielle Industrieöfen, (sogenannte Lichtbogenöfen, auf Temperaturen von bis zu 3000 Grad gebracht werden, damit zum Beispiel Silicium hergestellt werden kann. Silicium ist unter anderem für die Elektronik- und Photovoltaik-Industrie äußerst wichtig.

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Die Firma Carbon hat 35 Beschäftigte und holte 2019 einen Umsatz von 31 Millionen Euro ein. Trotz der Corona-Krise arbeite man sehr erfolgreich, heißt es aus dem Unternehmen. Die schwarze Masse aus Rheinfelden sei wegen ihrer umweltfreundlichen Eigenschaften sehr gefragt, die Kunden des Unternehmens auf allen Kontinenten zu finden.

In den düsteren Hallen auf dem Alu-Gelände wird Schwerstarbeit geleistet. Die schwarz-staubige Luft ist erhitzt von dampfenden Maschinen, in denen die Kohle zerstampft und zermahlen und dann mit teerartigen Stoffen verknetet wird. Wie konnte sich die junge Frau ausgerechnet hierher verirren?

„Mir macht diese Arbeit einfach einen Riesenspaß“, sagt Viktoria Saretz lachend. Nach dem Abitur 2013 lernte sie Industriekauffrau, kam dann zu Carbon. Sie arbeitete zunächst in der Einkaufsabteilung, lernte aber nebenbei, wie die Arbeit in der Produktion geplant und gesteuert wird. Letztes Jahr rückte sie auf zur stellvertretenden Produktionsleiterin. „Das gab‘s noch nie, dass eine Frau diesen Job macht“, sagt Geschäftsführer Johann-Christian Leye. Er klingt durchaus ein wenig stolz.

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Und was sagen die harten Carbon-Männer, wenn in ihrer schwarzen Welt plötzlich eine junge Frau auftaucht? „Die Männer sind alle top“, sagt Viktoria Saretz. Anfangs habe zwar der eine oder andere zweifelnd geschaut, ob sie den Job auch wirklich schaffe. „Aber dann sahen sie, dass ich einen Gabelstapler fahren und auch mit dem Radlader tonnenweise Kohle umladen kann. Da war ich akzeptiert.“

Saretz geht gerne ungewöhnliche Wege. Mit ihrem Freund rüstet sie in ihrer Freizeit gerade einen alten Lastwagen (7,5 Tonnen) zu einem Expeditionsmobil um: Wenn das Fahrzeug fertig ist, wollen beide damit auf Reisen gehen. Am Steuer wird, das ist klar, auch sie sitzen. Den Lkw-Führerschein hat sie längst gemacht.