Fahrradfahren wird beliebter, gerade in der Pandemie steigen immer mehr Menschen aufs Rad um. In Rheinfelden hat sich das Klima für Radfahrer aber in den vergangenen zwei Jahren verschlechtert – so jedenfalls das Ergebnis des aktuellen ADFC-Fahrradklima-Tests, bei dem die Stadt mit der Note 3,85 abschneidet. Auch Grenzach-Wyhlen, erstmals beim Test dabei, bekommt mit der Note 3,81 kein Lob.

Die Teilnehmer

Mit dem Bundesverkehrsministerium ruft der Allgemeine Deutsche Fahrrad-Club (ADFC) alle zwei Jahre bundesweit die Menschen dazu auf, das Radklima in ihrer Stadt zu bewerten. 90 Menschen aus Rheinfelden und 52 aus Grenzach-Wyhlen haben sich im vergangenen Jahr beteiligt – und beide Orte schneiden nicht sonderlich gut ab.

Rheinfelden

2018 hatte Rheinfelden die Note 3,55 bekommen und war auf Platz 54 von 311 gelandet. Positiv bewertet wurden die Erreichbarkeit des Stadtzentrums und die Regelung, dass Radfahrer Einbahnstraßen in der Gegenrichtung nutzen dürfen. Kritisiert wurden Ampelschaltungen, die Breite der Radwege, Raddiebstähle und die Radführungen bei Baustellen. Bemängelt wurde zudem das Fehlen öffentlicher Fahrräder und zu wenige Kontrollen von Autos, die Radwegen zuparken.

In der Werderstraße wurde ein zu schmaler Radweg kritisiert.
In der Werderstraße wurde ein zu schmaler Radweg kritisiert. | Bild: Dora Schöls

Seither hat die Stadt eine Machbarkeitsstudie für Radschutzstreifen erstellen lassen und erste Maßnahmen beschlossen. Trotzdem ist das Ergebnis schlechter: Note 3,85. In keiner Einzelfrage fällt die Bewertung besser aus als vor zwei Jahren. Deutlich verschlechtert haben sich die Noten für den Winterdienst (Note 4) und die Hindernisse auf Radwegen (4,0). Auch die Fahrradförderung in jüngster Zeit ist von 3,8 auf 4,3 abgesackt. Noch immer sehr schlecht bewertet werden die Ampelschaltungen (4,4), die Falschparkerkontrolle (4,6), die Breite der Radwege (4,6) und die Baustellenführung (4,8).

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Am wichtigsten war den Teilnehmenden die Akzeptanz von Fahrradfahrern im Verkehr (Note 3,8) die Sicherheit (4,1) und dass es keine Konflikte mit dem Autoverkehr gibt (4,0). Besser schneiden die für Fahrradfahrer geöffneten Einbahnstraßen und die Erreichbarkeit des Stadtzentrums ab, allerdings mit einer Verschlechterung von 2,2 auf 2,7. Zusätzlich wurde diesmal gefragt, ob sich der Radverkehr in der Pandemie verbessert hat. Hier schneidet Rheinfelden mit der Note 4,25 noch schlechter ab.

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Mit einer glatten 5 bewerten die Teilnehmenden die Frage, ob Politiker in der Corona-Zeit das Radfahren als Thema entdeckt hätten. Patrick Nacke, Radverkehrsbeauftragter der Stadt, widerspricht: In den vergangenen zwei Jahren habe es Maßnahmen zur Verbesserung der Infrastruktur gegeben, etwa mit dem geplanten Radweg zwischen Adelhausen und Maulburg. „Wir haben Lücken geschlossen und die Beschilderung verbessert.“

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Die schlechtere Bewertung erklärt Nacke sich mit der gestiegenen Teilnehmerzahl von 50 auf 90. „Mehr Menschen interessieren sich, was ja auch bedeutet, dass mehr Menschen Fahrrad fahren.“ Außerdem liege Rheinfelden mit Platz 175 von 415 in der Ortsgrößengruppe „im guten Mittelfeld“. Der bundesweite Notenschnitt liegt bei 3,9. Für die IG Velo hingegen ist das Ergebnis ein „Weckruf an die Verwaltung“. Maßnahmen würden nicht oder nur mangelhaft umgesetzt. „Die Corona-bedingte Verstärkung des Radverkehrs wurde verpasst“, ist die Ansicht der IG Velo.

Grenzach-Wyhlen

Ähnlich schlecht schneidet Grenzach-Wyhlen ab: Die Doppelgemeinde hat die Note 3,81 und Rang 181 von 418 erhalten. Auch dort sind die Ampelschaltungen und die Führung an Baustellen die Hauptkritikpunkte (jeweils Note 4,6), ebenso die Breite der Radwege (4,4) und die Kontrolle von Falschparkern auf Fahrradwegen (4,4) sowie die Werbung fürs Radfahren (4,4).

Bewusstsein für das Thema

Deutlich bemängelt wird das Fehlen öffentlicher Fahrräder (5,4). Auch die Corona-Note sieht in Grenzach-Wyhlen nicht gut aus: 4,33. Das Bewusstsein der Politiker für das Thema bekommt eine 5,3. Immerhin scheint die Bedeutung des Themas gestiegen zu sein (Note 3, in Rheinfelden 3,2).

Lob

Gelobt wird in Grenzach-Wyhlen die Erreichbarkeit der Zentren (2,2) und das zügige Fahren (2,6). Mit 3,7 etwas besser als in Rheinfelden wird in der Doppelgemeinde der Winterdienst bewertet, auch Fahrraddiebstähle (3,1) und Abstellflächen (3,8) bekommen leicht bessere Noten. Deutlich schlechter hingegen steht es um die Einbahnstraßen, die in Rheinfelden oftmals in der Gegenrichtung befahren werden dürfen (2,4) und in Grenzach-Wyhlen eher nicht (4,0).