Im Revierbereich Rheinfelden – zu dem neben der Großen Kreisstadt auch die Gemeinden Grenzach-Wyhlen und Schwörstadt gehören – wurden im vergangenen Jahr 3423 Straftaten erfasst. Das ist im Vergleich zum Vorjahr ein leichter Rückgang um 0,9 Prozent und damit hält der Trend der sinkenden Kriminalitätsrate an. Das ist für Revierleiter Siegfried Oßwald und seinen Stellvertreter Bernhard Weis ein erfreuliches Ergebnis beim jährlichen Polizeipressegespräch am Mittwoch.

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2019 hat es keine größere Straftaten-Serie gegeben – das schlägt sich im Ergebnis nieder. Auffällig im vergangenen Jahr: Der Anteil der Straftaten, die von Bundespolizei und Zoll bearbeitet wurden, ist deutlich gestiegen von 352 Fällen auf 567. „Es gab viele Verstöße gegen das Aufenthaltsgesetz in grenzüberschreitenden Fernreisebussen sowie eine deutliche Zunahme beim Betäubungsmittelgesetz“, so Weis.

Körperverletzung

399 Fälle von Körperverletzungen haben das Revier im vergangenen Jahr beschäftigt. Das sind 28 weniger als im Vorjahr. In Schwörstadt habe es einen starken Anstieg der Fallzahlen gegeben. „Wir hatten mehrere Fälle von häuslicher Gewalt im Umfeld einiger Familien“, so Weis. Auch in den Gemeinschaftsunterkünften Römerstraße und Schildgasse hatte die Polizei mehr zu tun (siehe untenstehenden Text). 39 Mal mussten Beamte in den GUs wegen Körperverletzungen ermitteln, 2018 waren es noch 25.

Gewaltkriminalität

Unter die Gewaltkriminalität fallen Raub, Sexualdelikte oder auch gefährliche Körperverletzungen. Die liegt vor, wenn die Tat gemeinschaftlich begangen oder eine Waffe eingesetzt wird. Davon gab es im vergangenen Jahr 70 Fälle. „Das ist der niedrigste Wert seit zehn Jahren“, so Weis. Insgesamt hat die Polizei 85 Gewaltdelikte bearbeitet, darunter fünf Fälle von sexueller Belästigung und acht Raubdelikte.

Diebstahl und Einbrüche

Eine sehr erfreuliche Entwicklung verzeichnet das Revier bei Diebstahlsdelikten. Mit 705 Fällen gab es so wenige, wie seit zehn Jahren nicht mehr. 13 Mal gab es Diebstähle in Gewerbegebieten, vier wurden im Hotel- und Gaststättenbereich angezeigt. „Das ist für eine Stadt dieser Größe wenig“, so Weis. 43 Wohnungseinbrüche wurden vom Revier bearbeitet, davon waren 24 Versuche. Mit hohem personellen und zeitlichem Aufwand hat die Polizei Sonderkontrollen gefahren. Hilfe gab es auch seitens der Rechtssprechung: Wohnungseinbrüche werden nicht mehr als Vergehen, sondern als Verbrechen eingestuft. „Das hilft uns, weil die Herrschaften dann wirklich in Haft wandern“, so Oßwald. Das habe auch eine abschreckende Wirkung.

Betrug

Eine deutliche Zunahme gab es 2019 bei den Delikten im Bereich Vermögen und Fälschung. 683 Fälle wurden angezeigt, was ein Plus von mehr als 36,6 Prozent im Vergleich zum Vorjahr bedeutet (Landkreis: 7,3 Prozent plus). Allein 207 Fälle von Tankstellenbetrug gab es. „Wir haben eine Tankstelle im Gebiet, die keine Videoüberwachung hat“, erklärt Ermittlungsdienstleiter Dieter Wild. Auch die Betrugsdelikte haben zugenommen. Neben Warenkreditbetrug, dem sogenannten Enkeltrick oder Schockanrufen, gab es im Revierbereich Fälle von falschen Polizeibeamten.

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Ein Fall ist Wild besonders im Gedächtnis geblieben: Eine Frau übergab einem angeblichen Polizisten 47.000 Euro. Die Täter konnten mittlerweile zwar gefasst und verurteilt werden. „Sie müssen der Frau das Geld zurückzahlen, aber ob das je passiert, bleibt fraglich.“ Am Totensonntag 2019 meldeten allein 19 Menschen dem Revier Anrufe solcher Betrüger. Auch Onlinegewinnversprechen waren ein Thema. Die Aufklärungsrate ist verschwindend gering, denn die Nachverfolgung der Täter gestaltet sich schwierig.

Rauschgift

Die Delikte in diesem Bereich sind mit 403 Fällen auf gleichem Niveau wie im Vorjahr. Ein besonderer Fall war die Razzia in der Friedrichstraße, aber es gab auch kleinere Meldungen von Bürgern. „Einer meldete, dass es bei seinem Nachbarn immer nach Cannabis riechen würde“, so Wild. Die Polizei überprüfte und wurde fündig.

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Straßenkriminalität

Historisch tief sind auch die Fälle der sogenannten Straßenkriminalität. „Wir hatten 118 Fahrraddiebstähle und 55 Autoaufbrüche“, listet Weis auf. Insgesamt gab es 401 Straftaten in diesem Bereich.

Täterstrukturen

Mit 1806 Tatverdächtigen hat das Revier 2019 zu tun gehabt. Erfreulich für Weis ist der Anteil der Jungtäter: Dieser lag bei 21 Prozent.

Straftaten in Gemeinschaftsunterkunft nehmen zu

Die Zahl der von Asylbewerbern begangenen Straftaten – ohne Verstöße gegen ausländerrechtliche Bestimmungen – ist 2019 im Revierbereich wieder gestiegen. 228 Straftaten im Jahr 2019 stehen 171 im Jahr 2018 gegenüber. 2017 waren es 223. Das Gros der Taten wurde im Umfeld der Gemeinschaftsunterkünfte begangen, wie Revierleiter Siegfried Oßwald beim erklärte.

  • Kriminelle Vereinigung: Erheblich dazu beigetragen haben vergangenes Jahr Mitglieder einer nigerianischen kriminellen Vereinigung – der sogenannten Black Axe (Schwarze Axt) –, die in den GUs tätig waren. Diese Bruderschaft wurde in den 1970ern gegründet und ist mittlerweile sehr aktiv in Europa. „In diesen Fällen ging es insbesondere um Erpressung“, so Oßwald. Im Juli 2019 gab es in den Gemeinschaftsunterkünften eine großangelegte Razzia, im Nachgang habe man die identifizierten Mitglieder getrennt voneinander untergebracht. Die Ermittlungen hatte das Sonderdezernat für organisierte Kriminalität in Freiburg geführt.
  • Straftaten: Dass es in den GUs immer wieder zu Streitigkeiten oder Schlägereien kommt – häufig in Verbindung mit Alkoholkonsum –, ist für Oßwald nicht verwunderlich. „Das mag zwar flapsig formuliert sein: Aber würde man ganz Adelhausen dort unterbringen, würde es wahrscheinlich genau so sein.“ Von den 228 Straftaten seien die wenigsten außerhalb der GU begangen worden. „Ein paar Laden- oder Fahrraddiebstähle“, schildert Bernhard Weis, stellvertretender Revierleiter. Körperverletzung außerhalb der GU seien sehr selten. „Opfer und Täter leben in der Regel beide dort.“
  • Ausblick: Abwartend betrachten die Zuständigen bei der Polizei daher die Pläne des Landkreises, die GU Römerstraße zu schließen und die Schildgasse aufzustocken (wir berichteten). „Das kann sich positiv auswirken, etwa wenn auch die Sozialbetreuung zentral geschieht und somit einfacher wird“, so Ermittlungsdienstleiter Dieter Wild. Es werde aber auch auf die Art der Unterkunft ankommen. „Vielleicht wird es durch ein besseres Umfeld ruhiger.“ Die Römerstraße sei immer schon problematisch gewesen, es gebe in der umfunktionierten Tennishalle keine geschlossenen Decken und wenig Privatsphäre.

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