Die Corona-Pandemie mit ihren Begleiterscheinungen hat sich stark auf die Statistik ausgewirkt, wie Revierleiter Bernhard Weis beim jährlichen Pressegespräch erklärte. Das Jahr 2020 dürfte deshalb in fast allen Sparten als atypisch gelten.

Bild: Steller, Jessica

Insgesamt wurden im Revierbereich 2894 Straftaten erfasst, was im Vergleich zum Vorjahr ein Rückgang um 529 Fälle bedeutet (minus 15,5 Prozent). 319 davon wurden vom Zoll oder der Bundespolizei bearbeitet, die sich zum Beispiel um alle Delikte rund um die Deutsche Bahn kümmert.

Gewalt und Körperverletzung

357 Fälle von Körperverletzungen hat das Revier 2020 bearbeitet, das sind 42 weniger als im Jahr zuvor. Gesunken sind auch die Fälle von gefährlicher Körperverletzung (davon spricht die Polizei wenn Taten gemeinschaftlich begangen oder Gegenstände benutzt werden) sind von 70 auf 54 gesunken. Innerhalb dieser Gruppe zugenommen aber hat die sogenannte Partnergewalt. „Leider liegen wir da im bundesweiten Trend.“

104 Anzeigen hat das Revier bearbeitet. „Davon sind 83 Fälle Körperverletzung, die übrigen Drohungen wie ‚Ich bring‘ dich um‘“, erläutert Weis. Im Jahr zuvor waren es noch 72 Fälle von Partnergewalt, 2018 sind 87 statistisch erfasst. „Die Dunkelziffer ist in diesem Bereich sehr hoch.“

Eine weitere Zahl, die den Anstieg von Gewalt im Corona-Jahr in den eigenen vier Wänden belegt, sind die Zahl der Einsatzfahrten: 90 Mal rückte eine Streife deshalb im vergangenen Jahr aus, 2019 waren es noch 56 Einsätze. „Das Gros der Taten wird von Männern gegen ihre Partnerinnen begangen“, so Weis.

Dieter Wild, Leiter des Erkennungsdienstes, hat sich die Zahlen genauer angeschaut. „Etwa die Hälfte der Fälle entfällt auf die Kernstadt.“ Der Rest verteile sich auf die Ortsteile, mit einer Ausnahme. Aus Nordschwaben ist kein Fall registriert.

Für Wild zeigt diese Analyse: Partnergewalt durchzieht alle sozialen Schichten und kommt im schmucken Eigenheim mit Garten auf dem Dorf genauso vor, wie im Wohnblock „oder in der Schildgasse“, so Wild mit Verweis auf die Gemeinschaftsunterkunft. Gestiegen sind auch die Straftaten gegen die sexuelle Selbstbestimmung: Wurden 2019 noch 32 zur Anzeige gebracht, waren es 2020 55. Sexuelle Belästigungen wurden sieben angezeigt und alle aufgeklärt.

Raub, Diebstahl, Einbruch

Für Diebe und Räuber war 2020 kein gutes Jahr: Schließlich waren viele Geschäfte geschlossen oder wegen geringer Kundenzahl für die Angestellten gut zu überblicken. Homeoffice sowie fehlende Freizeit- und Reisemöglichkeiten führten dazu, dass die Menschen zuhause blieben. So gab es mit 555 erfassten Diebstählen den geringsten Wert seit zehn Jahren, gleiches gilt für Wohnungseinbrüche mit 34.

Für die dunkle Jahreszeit von Oktober 2020 bis März 2021 wurden sogar nur nach acht Fälle bearbeitet. „Das ist absolut untypisch und wird wieder steigen“, sind sich Wild und Weis einig. Auch deshalb wurde eine Ermittlungsgruppe in Lörrach, die sich nur mit Wohnungseinbrüchen beschäftigt, nicht aufgelöst.

Betrug und Fälschung

Obwohl im Revier „gefühlt jeden Tag zwei Anzeigen“ wegen Internetwarenbetrugs aufschlagen und die Menschen deutlich mehr online bestellen, sinken auch hier die Werte, von 683 auf 483. „Eine Erklärung dafür gibt es nicht, vielleicht spielen geringere Fälle von Scheckkartenbetrug durch gestohlene Geldbeutel eine Rolle“, mutmaßt Weis. Auch habe es 2020 – wie übrigens auch in anderen Bereichen – keine Straftaten-Serie gegeben.

Rauschgift

In Rheinfelden trotz Corona ständig verfügbar sind Rauschmittel aller Art. Straftaten aus diesem Bereich wurden 357 registriert, mit 11,4 Prozent ist der Rückgang in Rheinfelden geringer als im Kreisdurchschnitt (13,4 Prozent). Wild vermutet hier allerdings, dass sich in den Zahlen von 2020 immer noch Nachwehen der großen Razzia an der Friedrichstraße im Vorjahr verstecken: „Da kommt immer noch etwas nach.“

Straßenkriminalität

91 Fahrräder wurden 2020 entwendet, im Vorjahr waren es noch 118. „Untypisch“, kommentiert Weis, genauso wie die Autoaufbrüche mit neun Fällen (2019: 15). Mit 319 Fällen von Sachbeschädigungen hatte es das Revier im ersten Corona-Jahr zu tun. „Deutlich abgenommen haben da zum Beispiel Sachbeschädigungen in Bussen.“