Ihre Werkstatt ist im Ökonomieteil des alten Bauernhauses, das die Diekmanns vor knapp zehn Jahren gemietet haben, untergebracht. Hier sind die „alten Teile“ samt Werkzeug, Farben und vielem anderen Zubehör fein in Regalen gestapelt. Aber auch im Freien, bei guter Luft und natürlichem Licht, wird unterm Vordach gewerkelt und getüftelt. „Wir hatten bislang so schönes Wetter, da macht es nochmals so viel Spaß draußen zu arbeiten“, freut sich die Künstlerin.

In Nieder-Eichsel, direkt an der Birsstraße, hat Ulrike Diekmann ihr freies Atelier. Kuchichäschtli, Schlafzimmerkommode, Esstisch samt Stühlen und ein Klavierhocker ist reihen sich an der Hauswand und sind für Spaziergänger, Auto- und Radfahrer ein Blickfang. Und so mancher Betrachter bleibt stehen und sucht das Gespräch mit Ulrike Diekmann. Zum Anhalten bringen die „Do it yourself“ Teile längst nicht nur Spaziergänger und Radfahrer. Autos und kleine Busse fahren langsam vorbei um zu sehen, was hier in liebevoller Arbeit entsteht.

Ein Blickfang sind die alten, bepflanzten Stühle.
Ein Blickfang sind die alten, bepflanzten Stühle. | Bild: Petra Wunderle

So ist es nicht verwunderlich, dass sich immer mehr Leute in ein bestimmtes Teil „verlieben“. Gerne trennt sich Diekmann zwar nicht von ihren Werken, aber manchmal geht sie einen Tauschhandel ein. „Eine junge Frau wollte einen bepflanzten Stuhl, dafür bekam ich von ihr einen tollen, selbstgemachten Weidekranz. Ein Freund meines Mannes brachte mir Holzschlagfensterläden, ich gab ihm dafür einen Lampenstrahler“, erzählt sie. Es gibt aber auch Leute, die sich in dem Haus in der Birsstraße einfach nur Ideen holen. Dank Diekmann hat eine Nachbarin ihren alten Schrank in Angriff genommen. „Der stand im Abstellraum und führte ein sinnloses Dasein. Ich zeigte ihr, wie man die alte Farbe abschleift, und beim Pinseln gebe ich ihr dann die nächsten Ratschläge“, lacht Diekmann.

Bei den Möbeln handelt es sich keineswegs um teure Antiquitäten. Es ist ein Sammelsurium von Möbelstücken, die keiner mehr in seiner Wohnung haben will und die meist auf dem Sperrmüll landen. Diekmann sammelt die Teile und „hübscht sie auf“, oft entsteht ein ganz neuer Look. „Ich sehe diese Dinge, die für mich eine ganz spezielle Schönheit haben. Und zum Wegwerfen sind sie allemal zu schade.“ Die Gegenstände sind aus Großmutters Zeiten und haben für die Restaurationskünstlerin einen ideellen Wert. Schränke hat Ulrike Diekmann schon viele restauriert – das Haus ist gut bestückt – aktuell geht sie an neue Ideen, zum Beispiel bei der Umgestaltung von Stühlen und Nähmaschinengestellen aus Eisen. An Ideen mangelt es ihr nicht. Und daran, dass die Hausfrau und Mutter fast den ganzen Tag im blauen Anton oder kurzer Shorts und T-Shirt am schleifen, pinseln oder dekorieren ist, haben sich alle Nachbarn längst gewöhnt. Die schweren Arbeiten wie Möbel schleppen übernimmt Ehemann Jörg.

Eine Herausforderung sind aktuell Stühle und Nähmaschinengestelle aus Eisen. Bei den Stühlen ist zum größten Teil die Sitzfläche beschädigt, diese wird ganz entfernt, mit Haftgrund und Outdoorfarbe gestrichen – beliebt sind die Farben weiß und creme. Diekmann tackert Maschendrahtzaun in der Stuhlöffnung fest, legt frisches Moos und eine eine Kokosnussfasermatte hinein. Dann wird das Stuhlloch mit Blumenerde und Pflanzen befüllt. Bei der antiken Nähmaschine trennt Ehemann Jörg die Maschine vom Gestell und schneidet das Holz zu, das dann als Platte eingesetzt wird. Die Muschelgriffe an den Schubläden erhalten neuen Glanz, und als Accessoires werden Ölkännchen und Metalldose drauf gestellt. „Das gibt dann ein rundes, schönes Bild“, freut sich die ganze Familie.