Herr Trotzki, welchen Film haben Sie sich zuletzt angesehen?

Da muss ich überlegen. „Downton Abbey“, da ist aktuell der zweite Teil am Start. Das ist eine Familiensaga, kein Blockbuster. Wer etwas für englische Adelshäuser übrig hat, dem gefällt das. Ich mag in dem Film auch das Zwischenmenschliche – mit Neid, Missgunst, Tricksereien und so.

Und Blockbuster reizen Sie gar nicht?

Mir sind tiefsinnige Filme, die anrühren, lieber. Ein Film muss die Leute mitreißen und in die Story eintauchen lassen und am besten verändert zurücklassen. Weil die Geschichte zum Beispiel Perspektiven aufgezeigt hat, die man vorher nicht kannte. Und solche Filme wollten wir als Verein ins Kino bringen.

Aber die Mehrheit mag lieber Blockbuster oder warum hat die Reihe „Unser Film“ zu wenig Besucher?

Darauf gibt es keine einfache Antwort. Mit einer Umfrage unter unseren Newsletter-Nutzern hat der Verein versucht, es herauszufinden. Etwa zwölf Rückmeldungen hat es gegeben und die Gründe waren nachvollziehbar. Bei den meisten haben sich in der Pandemie die Lebensumstände geändert. Manche haben Kinder bekommen und nun keine Zeit mehr für den Kinobesuch, bei anderen gab es berufliche Veränderungen mit demselben Ergebnis. Das ist nichts Ungewöhnliches, davor ist kein Verein sicher.

Frank Trotzki
Frank Trotzki | Bild: Horatio Gollin

Könnte das Coronavirus noch immer als Bremse wirken?

Ich denke schon. Zwar wurden die Schutzmaßnahmen zurückgefahren, aber nicht jeder traut sich schon an größere Veranstaltungen oder eben ins Kino. Das betrifft aber alle Kinos in ganz Deutschland. Auch ich fühle mich mit Mundschutz noch sicherer und kann es mir selbst nicht vorstellen, an eine Massenveranstaltung zu gehen. Aber vielleicht muss man sich irgendwann einfach überwinden. Einen Grund, aus Angst vor Ansteckung nicht ins Kino zu gehen, sehe ich aber nicht.

Warum nicht?

Weil sich im Kino jeder schützen und Mundschutz tragen kann, wenn er sich damit sicherer fühlt. Zudem können in den derzeit eher mäßig besetzten Kinosälen größere Abstände eingehalten werden. Betreiber und Personal kommen den Besuchern aber auch entgegen und ermöglichen einen Platzwechsel.

Liegt es am Programmkino, schaut das Gros vielleicht lieber Blockbuster?

Ein Kino, das wirtschaftlich sein soll, braucht Blockbuster und damit Filme, die viele Leute anlocken. Doch die Interessen der Besucher sind vielfältig. Deshalb glaube ich, dass die Reihe „Unser Film“ ihren Platz hat und jetzt vielleicht einfach eine Durststrecke erlebt. Schließlich war sie nach ihrem Start 2016 viele Jahre erfolgreich. Nach dem Start der Reihe hatten wir die folgenden drei Jahre kein einziges Mal draufzahlen müssen.

Aber im Lörracher Union lief es bis zuletzt gut mit dem Programmkino, warum nicht in Rheinfelden?

Das haben wir uns immer wieder mal gefragt, warum Dinge in Lörrach laufen, die es in Rheinfelden nicht tun. Ich habe darauf keine Antwort. Wir haben immer wieder versucht, mit Einladungen und Newslettern in Kontakt mit den Kinofreunden zu bleiben.

Und was bräuchte es nun, damit die Reihe „Unser Film“ fortgesetzt werden und der Verein weiter existieren kann?

Besucher. Und trotz aller Unsicherheiten hilft nur eines: hingehen. Sonst werden die Kinos, ein Teil unserer Kultur, nach und nach verschwinden. Mit Enthusiasmus ist da derzeit kein Betreiber dabei, viele müssen um ihre Existenz bangen, weil aktuell keine Säle mehr ausverkauft sind. Um einen besonderen Film in Rheinfelden zeigen zu können, braucht der Stadtkinoverein zur Deckung der Kosten einmal pro Monat 30 Leute im Saal.

Und die gibt es nicht. Was ist die Konsequenz?

Wir müssen es mangels Interesse wohl einfach lassen. Derzeit sieht es so aus, dass wir die Reihe im zweiten Halbjahr einstellen. Wenn das Interesse nicht da ist, wollen wir den Kinobetreiber damit nicht belasten. Bei der nächsten Vereinsversammlung werden wir zudem darüber reden müssen, ob es den Verein noch braucht. Damit würde das Programmkino in Rheinfelden womöglich sterben.

Braucht es denn Programmkino in Rheinfelden, das Angebot in Basel ist doch recht vielfältig?

Ja, weil in der Schweiz viele Filme in Originalton laufen und die in Deutschland synchronisiert sind. Deshalb hatte die Reihe „Unser Film“ auch Besucher aus der Schweiz, die sich froh darüber gezeigt haben, sich dank Synchronisation voll auf den Film konzentrieren zu können, ohne einen Untertitel mitlesen zu müssen.

Warum sollte man in Zeiten von Netflix & Co. überhaupt ins Kino gehen?

Ein Kinobesuch ist ein besonderes Erlebnis: Man ist dank der Technik mittendrin und voll konzentriert auf den Film. Der Geruch von Popcorn weckt zudem Emotionen und Erinnerungen.