Rheinfelden – Die Planungen für den Umbau des städtischen Bürgerheims werden konkreter. Das beauftragte Ingenieurbüro hat dem Bürgerheimausschuss die Vorentwurfsplanung und die aktuelle Kostenschätzung vorgelegt. Um die Einrichtung mit künftig 150 Pflegeplätzen den Anforderungen der Landesheimbauverordnung entsprechend zu gestalten, stehen heute 22,4 Millionen Euro im Raum.

Was plant die Stadt?

Um die Verordnung umzusetzen, hat die Stadt über Jahre mehrere Varianten geprüft und sich auf diese verständigt: Drei Gebäudeteile des Bürgerheims werden abgerissen und durch Neubauten ersetzt. „Wir haben uns für diesen Weg entschieden, weil der Neubau gefördert wird, nicht die Sanierung des Bestands“, erinnerte OB Klaus Eberhardt in der Sitzung am Mittwoch. Im Juni 2021 soll mit dem Abbruch begonnen werden, 2025 soll das neue Bürgerheim fertig sein.

Wo steht das Projekt heute?

Coronabedingt hat sich die Vorentwurfsplanung verzögert, nun stellte Thomas Decker vom beauftragten Ingenieurbüro den aktuellen Stand vor und brachte auch neue Zahlen mit. Im Februar ging man von einem Kostenrahmen von knapp 17 Millionen Euro aus. Nun liegen konkretere Kostenschätzungen der einzelnen Bereiche und der aktuelle Baukostenindex zugrunde, sodass insgesamt mit Möblierung 22,4 Millionen Euro im Raum stehen. „Sie haben dadurch aber keinen Nachteil, da sich der Investitionskostenzusatz an dem Baukostenindex orientiert“, so Decker.

Wie kommt die Summe zustande?

Decker dröselte die Gesamtsumme auf, um refinanzierbare Kostengruppen darzustellen. Dazu zählen nicht die Abbruchkosten, die mit 800.000 Euro eingepreist sind, nur teilweise die Möblierung der Neubauplätze, die mit rund einer Million zu Buche schlägt und der Umbau der Cafeteria mit 1,2 Millionen Euro. „Mit dieser Zahl habe ich mich auch schwer getan“, bekannte Decker. Allerdings seien hohe Aufwendungen nötig, da die Fläche erweitert, eine neue Küche eingebaut und die Gebäudeseiten nach Abbruch der andockenden Häuser wieder hergestellt werden müssen.

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Ebenfalls nicht abgedeckt ist die Cook-and-Chill-Küche im Untergeschoss des Neubaus, die mit 1,5 Millionen Euro angesetzt ist. Anders sieht das bei der Herstellung der Bewohnerplätze aus. Pro Pflegeplatz kann die Stadt mit Investitionskosten von 152.000 Euro rechnen. Dies gilt sowohl für die vollstationären Plätze, als auch für die 15 Kurzzeitpflegeplätze, die neu geschaffen werden. Das sind in Summe 18,6 Millionen Euro.

Rein rechnerisch, so Decker, liegt dieser Satz mehr als 600.000 Euro über dem Bedarf, so dass diese Summe der Cafeteria zugeschlagen werden könnte, womit noch ein Minus von etwa 580.000 Euro bliebe. Die Cook-and-Chill-Küche könnte wiederum über einen Mahlzeitenpreis refinanziert werden. „Das ist in anderen Häusern üblich.“ Pro Mahlzeit könnten 1,30 Euro angerechnet werden.

Was bedeutet das für die Bewohner?

Die Investitionskosten werden auf den Eigenanteil, den jeder Bewohner für einen Platz im Bürgerheim zahlen muss, umgelegt. Aktuell gibt es zwei Sätze: 13,20 Euro pro Tag und Bewohner in den älteren Häusern und 14,32 in den neueren. Nach Fertigstellung sollen alle, auch die Gäste in der Kurzzeitpflege, einen einheitlichen Satz zahlen. „Der wird zwischen 25 und 27 Euro liegen“, so Hausleiterin Irene Sorg auf Nachfrage.

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Aktuell liegt der Eigenanteil für einen Pflegeplatz im Bürgerheim bei monatlich rund 2700 Euro. Gustav Fischer (SPD) äußerte die Sorge, dass sich ärmere Menschen einen Platz im neuen Heim nicht mehr werden leisten können. Dies wird laut Sorg aber nicht der Fall sein. „Der Eigenanteil wird so bemessen, dass ihn das Sozialamt übernehmen wird.“ Derzeit sind rund 70 Prozent der Bewohner Selbstzahler, 30 werden vom Amt unterstützt.

Was sind offene Fragen?

Decker eröffnete dem Ausschuss erste Überlegungen, wie man Kosten einsparen könnte, etwa durch die Reduktion von Flächen oder eine günstigere Ausstattung der Cook-and-Chill-Küche. Vertiefende Planungen könnten jedoch erst nach der Weiterbeauftragung erfolgen. Der Bürgerheimausschuss empfiehlt dies dem Gemeinderat, der am kommenden Dienstag darüber beraten wird. Für Eberhardt ist die Marschrichtung klar, auch wenn noch nachgesteuert werden kann. „Ich persönlich sehe keine Alternative und sage, wir können das Risiko tragen.“ Denn der Neubau wird sich auch auf die Wirtschaftlichkeit des Hauses niederschlagen (wir berichten noch).

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