Fast drei Monate ist die Hardtstraße auf Höhe des Herbert-King-Parks nun schon gesperrt. Die Badenova-Tochter bnNetze saniert dort Wasser- und Gasleitungen, ursprünglich war eine Vollsperrung nur für sechs Wochen geplant. Doch wie so oft in Rheinfelden macht die Dioxinbelastung einen Strich durch die Rechnung: Vermutlich noch bis Ende August wird die Hardtstraße Baustelle bleiben.

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An diesem sonnigen Vormittag wirkt die Baustelle mit ihren 300 Metern Länge zwar groß, aber normal: Hier und da piepst ein Laster im Rückwärtsgang, vor einem Haus schüttet ein Bagger eine Grube zu und vorne muss man schreien, um sich zu verstehen: Der Saugbagger holt mit einigem Getöse Erde aus dem Boden. Und mittendrin wedelt Baustellen-Hündin Treacle fröhlich mit dem Schwanz.

bnNetze (Badenova) saniert an der Hardtstraße in Rheinfelden die Wasserleitungen und die Erdgasleitungen.
bnNetze (Badenova) saniert an der Hardtstraße in Rheinfelden die Wasserleitungen und die Erdgasleitungen. | Bild: Dora Schöls

Allerdings ist die Baustelle an der Hardtstraße selbst für Rheinfelden nicht alltäglich. Seit Jahrzehnten lagert dort dioxinbelastetes Material: Hausmüll, Bauschutt und Industrieabfälle, besonders der ehemaligen Deponie IG Farben. Den Abschnitt zwischen Mosel- und Nollinger Straße hat die Stadt 2016 für rund 350.000 Euro saniert – der aktuell zu sanierende Abschnitt sollte 2018 folgen.

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Das Problem: Dort ist die Belastung deutlich höher. Deshalb dauert die Baustelle so lange, erklärt Tobias Obert, kommissarischer Bauamtsleiter. „Die längere Bauzeit ist nicht erfreulich, ist aber dem belasteten Boden und den starken Regenereignissen der letzten Wochen geschuldet.“ Die Stadt zahlt für die Sanierung der Wasserleitung 600.000 Euro, die bnNetze eine siebenstellige Summe für die Gasleitung. Die Planung habe 2018 begonnen, so Obert – und wegen der hohen Belastung einige Zeit in Anspruch genommen. „Rheinfelden ist immer eine Herausforderung – und bringt einen hohen Aufwand mit sich“, sagt Friedrich Groll, zuständig für die Projektsteuerung bei Wasser und Abwasser bei bnNetze.

Sanierung dringend nötig

Die Leitungen an der Hardtstraße stammen aus den 1960er oder 70er Jahren: „Wir hatten hier schon mehrere Gasverluste und Wasserrohrbrüche“, erklärt Baustellenleiter Alexander Beuschel. Deshalb sei die Sanierung nötig. Darüber hinaus wird die Wasserleitung durch eine etwa drei Mal so dicke Leitung ersetzt, damit die Hardtstraße die Karl-Fürstenberg-Straße als Versorgungsleitung ablösen kann. Die neuen Rohre seien zudem mit zwei Schutzschichten dichter, damit kein Dioxin ins Trinkwasser gelangen kann.

Messung bei jedem Arbeitsschritt

Doch auch schon während der Bauarbeiten wird genau auf eine mögliche Belastung geachtet. Bei jedem Arbeitsschritt werde gemessen, „damit wir sicher sein können, dass wir Arbeiter und Anwohner keiner Gefährdung aussetzen“, sagt Beuschel. Tatsächlich könne man die Dioxinbelastung sehen: „Das sieht aus wie Puderzucker.“ Auch sonst habe man viel von der Deponie gesehen, noch gut erkennbare Glasflaschen oder Klamotten.

Begonnen habe man mit drei Gruben, an den beiden Enden und in der Mitte. Diese seien durch Spülbohrungen verbunden worden, damit man nicht alles aufmachen muss. Die Rohre werden oberirdisch zusammengeschweißt und eingesetzt. Dies sei zwar günstiger, dauere aber länger als eine offene Grube, so André Herrmann, verantwortlich für die Sicherung und Beseitigung des Abfalls.

Jeden Tag eine Überraschung

Allerdings: „Sie können noch so gut planen, bei so einer Baustelle kann jeden Tag eine Überraschung kommen“, sagt Groll. Tatsächlich haben zwei Überraschungen an der Kreuzung mit der Moselstraße für Verzögerungen gesorgt. Zum einen habe dort ein Asbestrohr gelegen, das im Plan als Gussleitung vermerkt war, sagt Herrmann. „Solange das Rohr im Boden liegt, gibt es kein Problem – erst wenn man es zerstäubt und einatmet.“ Deshalb habe man es vorsichtig entsorgen müssen.

Außerdem habe man an der Kreuzung eine belastete Schicht entdeckt, obwohl die Bohrungen vorab kein Risiko ergeben hätten. „Dann steht plötzlich alles“, so Herrmann. Das sogenannte Schwarz-Weiß-Regime wird aufgebaut, bei dem die Arbeiter nur in Schutzmontur mit Atemschutz an die Grube dürfen, ein Container mit Dusche bildet die Schleuse. Die Arbeit in der Schutzkleidung sei extrem belastend, nach maximal zwei Stunden brauche man eine Pause. Das koste Zeit.

Regen als weiteres Problem

Ein weiteres Problem sei der Regen. „Wenn die Erde so nass ist, verstopft der Schlauch im Saugbagger“, erklärt Beuschel. Daher habe man zeitweise das Personal aufgestockt, in der Spitze hätten 15 Menschen dort gearbeitet. Auch habe es Lieferengpässe gegeben, wie auf vielen Baustellen in der Pandemie. Seit 3. Mai ist die Straße gesperrt – die Anwohner seien bisher freundlich, sagt Beuschel. Geplant waren sechs Wochen Vollsperrung und dann eine halbseitige Sperrung – „aber das funktioniert nicht, dafür ist es zu eng“. Bald sollen alle Rohre montiert sein, dann folgt die Oberfläche. Die Vollsperrung ist bis Ende August genehmigt, „aber wir hoffen, dass wir Mitte August fertig sind.“ Dann wird die Stadt für rund 90.000 Euro die Fahrbahndecke erneuern, ebenfalls unter Vollsperrung. Das werde aber nur etwa zwei Wochen dauern, sagt Tobias Obert.