In der Serie „Meine Werkstatt“ schauen wir Handwerkern und Kreativen über die Schulter. In manchen Werkstätten braucht es Hämmer, Sägen und Bohrer, nicht in der Brennerei Wiedmann/Wenk in Minseln. In der Brennblase werden aus 100 Liter Maische zehn bis 15 Liter Schnaps.

Bis zu 15 Liter Schnaps aus 100 Liter Maische

„Bei einem Kirschenlauf aus 100 Liter Maische kommen 15 Liter Schnaps raus. Bei anderen Obstsorten nur zehn Liter. Das variiert. Vorher bei den Birnen waren es neun und elf Liter“, erklärt René Wenk, während er die Maische in die Brennblase pumpt. Um 6 Uhr ist er aufgestanden und hat mit dem Brennen begonnen. Neun Brände hat er für den Tag geplant, sieben Äpfel und zwei Birnen.

Ein Durchgang dauert 90 Minuten

Ein Durchgang dauert etwa 90 Minuten. Er schätzt, dass er bis 22 Uhr brauchen wird. Maximal neun Brände macht er an einem Tag, dann sind es am Ende rund 100 Liter Schnaps, verdünnt auch mal mehr. „Der Schnaps kommt hochprozentig mit 60 bis 65 Prozent, und wird dann mit Trinkwasser auf Trinkstärke runter gesetzt auf 45 Prozent“, erklärt Wenk.

Hier wird gebrannt.
Hier wird gebrannt. | Bild: Horatio Gollin

Brennrecht seit drei Generationen

Gebrannt wird im Hause Wiedmann/Wenk seit drei Generation. Das Brennrecht hatte schon Großvater Wilhelm Wiedmann, der es an seinen Sohn Armin Wiedmann weitergab. Der zog 1965 mitsamt dem Brennrecht in Minseln um. Das Brennrecht ging dann auf Tochter Marion Wenk über, der vom Vater alles beigebracht wurde.

René Wenk produziert seit 30 Jahren

René Wenk hat das Brennhandwerk von seinem Schwiegervater erlernt und produziert seit 30 Jahren Schnäpse. An vier Tagen arbeitet Wenk bei der Stadtgärtnerei. Freitags und samstags ist er am Brennen, im Urlaub auch unter der Woche. Das Brennen und der Schnapsverkauf betreibt er nebenberuflich. Neben Privaten gehören auch lokale Gastwirtschaften und Unternehmen des Getränkehandels zu den Kunden.

Die Obsternte ist für alle ein Erlebnis

„Man muss eine bestimmte Menge an Bäumen besitzen, um das Brennrecht zu haben“, erklärt Marion Wenk. Zur Ernte werden Planen unter den Bäumen ausgelegt und ein Seilschüttler eingesetzt. „Nach 20 Minuten ist ein Baum fertig“, meint René Wenk. Vorteil ist auch, dass man keine langen Leitern mehr schleppen muss. Die eigenen Kinder packen mit an, und für die Familie ist die Ernte immer ein Erlebnis. Das Obst wird mit der Maischepumpe eingemaischt und im Fass vergoren.

Er kann das ganze Jahr über brennen

„Ich kann das ganze Jahr brennen“, sagt René Wenk. Je nach Erntezeit und Gärzeiten ist immer Material da. Dass die Brennerei auch Lohnbrennen und -mosten anbietet, nutzen andere sogenannte Stoffbesitzer. „Wenn einer einen Kirschbaum hat, darf er als Stoffbesitzer einmaischen und wir brennen ein“, führt Marion Wenk aus. Mehr als 300 Stoffbesitzer aus den Landkreisen Lörrach und Waldshut nutzen die Dienstleistung.

Zucker ist ausdrücklich verboten

Für einen Brand wird der Maische nichts beigemengt, außer bei trockenen Früchten wie Mirabellen oder Quitten. Wenk gibt der Maische dann etwas Wasser zu. Der Zusatz von Zucker ist ausdrücklich verboten. Wenk erklärt, dass nichts außer reifen, guten Früchten nötig ist.

Der Zoll hat immer ein Auge drauf

Die Buchhaltung gehört dazu. Jeder Brand muss eine Woche vorher beim Zoll in Stuttgart angemeldet werden, und nur bei Genehmigung darf gebrannt werden. Stichprobenartig kommt der Zoll bei den vielen Produzenten der Region zur Kontrolle vorbei. Auch bei Wenk, der deswegen ein Brennbuch führt, in dem er Rohstoffe, Menge der Maische, Menge des beigefügten Wassers, Schnaps in Litern und Prozent sowie Vor- und Nachlauf, Tag und Uhrzeit des Brands und andere Informationen notiert.

30 Sorten wie Kirschwasser, Williamsbirne, Wilde Pflaume oder Mispelbrand verkauft die Brennerei. René Wenk sagt: „Mein Favorit ist die Zwetschge-Hausmarke. Da ist unser Geheimnis, wie wir sie herstellen.“

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