Furioses und Festliches zum Jahreswechsel boten die Organistin Irmtraud Tarr und das Blechbläserensemble Inflagranti bei ihrem Silvesterkonzert in der sehr gut besuchten St. Josefskirche in Rheinfelden. Die international bekannte Orgelkünstlerin aus Eichsel und das Quintett aus Zürich ergänzen sich vom Spieltemperament her bestens, denn bei ihnen stehen Virtuoses und Vergnügliches im Vordergrund. Dies hob auch Oberbürgermeister Klaus Eberhardt in seiner Begrüßung hervor.

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Mit dem besinnlichen Choral „Das alte Jahr vergangen ist“ von Johann Sebastian Bach eröffneten Irmtraud Tarr und die Bläser das kurzweilig und abwechslungsreich zusammengestellte Programm, in dem sich Barockes, Romantisches, Modernes und Jazzig-Beschwingtes fand.

Klangmächtiges Zusammenspiel

In den gemeinsam gespielten Stücken wie der „Festival Toccata“ von Percy Fletcher zeigte sich, wie wirkungsvoll, festlich-prächtig und klangmächtig das Zusammenspiel von Orgel und Blech sein kann, wenn so exzellente Interpreten am Werk sind. Auch in Edward Elgars „Pomp and Circumstance“-March Nr. 1 holten Irmtraud Tarr und das Bläserensemble im Tutti alles an rhythmischer Verve, blendenden Effekten, virtuosem Schwung und majestätischer Klangentfaltung heraus.

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Zwei Mal kamen die Trompeter Basil Hubatka und Bernhard Diehl, Hornist Heiner Wanner, Posaunist Niki Wüthrich und Tubaspieler Karl Schimke von der Orgelempore in den Altarraum, um mit exquisiter Bläserkultur und homogenem Zusammenklang zu begeistern. Im Kanon von Pachelbel waren die Bläserstimmen wunderbar klar durchhörbar.

In drei Spirituals führte das Brass-Ensemble einen swingenden, klangschönen und sanglichen Bläsersound vor. Mitreißend im beschwingten Stil erklangen die Gospelarrangements „The Battle Of Jericho“ und „Swing Low, Sweet Chariot“. In weichem, warmem Ton gespielt war das bewegende Spiritual „Nobody Knows“.

Energiegeladene Powerfrau an der Orgel

Irmtraud Tarr machte in fulminanten Orgel-Soli ihrem Ruf als energiegeladene Powerfrau an den Registern alle Ehre. In den Variationen über B-A-C-H von Margers Zarins trumpfte sie mit kraftvollen, mächtigen Steigerungen, temperamentvoller Vitalität, groß angelegtem Klang und ungemein farbigem Spiel auf. Nicht minder dynamisch und voller Elan im schnellen Allegro klang ihr Spiel im Bach-Konzert G-Dur. Von überwältigender Verve und spieltechnischer Bravour war ihre Interpretation der Toccata h-Moll von Eugène Gigout in den spannungsvollen Steigerungen.

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Dass sich Irmtraud Tarr auch auf feinsten Klangzauber versteht, zeigte sie in der „Abendsegen“-Fantasie aus der Märchenoper „Hänsel und Gretel“ von Engelbert Humperdinck. Zart, filigran, zauberhaft in den Stimmen und Registern klang Tarrs Spiel in dieser berührenden Melodie, die viel Innigkeit, aber auch schwelgerisch Romantisches ausstrahlt.

Vorgeschmack auf das Beethoven-Jahr

So richtig in ihrem Element war sie in dem Stück „My Beethoven“, einem Rag für Orgel von Andreas Willscher. Mit viel Humor und Spielwitz kam diese anspielungsreiche und mit Zitaten und Themen von „Für Elise“ bis „Freude schöner Götterfunken“ gespickte Hommage an den Klassiktitanen in jazzigem Rag-Stil daher. Das war ein toller Vorgeschmack auf das Beethoven-Jahr 2020.

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Zum Schluss taten sich Irmtraud Tarr und das Blechbläserquintett wieder zusammen in „Songs of Praise“ von Robert Prizeman. In diesen feierlichen Songs war einmal mehr zu hören, welche Strahlkraft, Festlichkeit und spektakuläre Klangwirkung die Kombination aus Orgelpracht und Bläserbrillanz entfalten kann. In beschwingte Feier- und Sektlaune versetzt wurden die mehr als 350 begeisterten Zuhörer in den Zugaben „Liberty Bell“ und dem jazzigen „Cantina“-Stück. 

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