Rheinfelden – Vier Männer steigen am Montag, kurz vor Mitternacht, aus einem Auto. Einer geht voran. Er läuft auf den Rewe zu. Zeigt auf die dritte Betonsäule, dann auf die vierte. Sie gehen vorbei am Bauzaun, überqueren die Straße. „Wir kommen gerade vom Vater des Fahrers“, sagt einer der Männer. „Das ist schlimm.“ Die anderen nicken. So, wie die Männer den Weg abgehen, hat sich am Sonntagmorgen der Unfall in der Nollinger Straße ereignet, bei dem vier Menschen schwer verletzt wurden.

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Mit mindestens 80 Stundenkilometern

Ein 26-Jährige raste mit mindestes 80 Stundenkilometern die Straße entlang. Kreidezeichnungen vor dem Rewe befinden sich auf dem Gehweg. Sie zeigen, wo die Polizei einen Außenspiegel findet. Der Fahrer soll sich nicht mehr in Lebensgefahr befinden. Ein Drogenschnelltest weist auf Spuren von THC hin. THC sorgt dafür, dass Haschisch-Konsumenten einen angeregten Rauschzustand erleben. Das heißt nicht, dass der Fahrer auch zum Zeitpunkt im Rausch ist. THC ist auch noch nach Tagen nachweisbar.

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Rennen und driftende Autofahrer

Die Polizei spricht von einzelnen Raserfällen in Rheinfelden, sieht aber kein generelles Problem. Die Aussage sorgt für Diskussionen in den Netzwerken. Anwohner sprechen von Lärmbelästigung rund um die Adelbergkirche, am Salmegg, so heißt es, driften Autofahrer. Auf der Rheinbrückstraße sollen Rennen gefahren werden. Vergangenen Freitag habe es dort Kontrollen gegeben, heißt es vom Ordnungsamt. Leiter Dominic Rago sagt, dass man das Problem längst erkannt habe. Die Szene sei aber gut vernetzt und weiche Kontrollen aus.

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Anwohner spricht von einer Rennstrecke

Anwohner Michael Schindelka bezeichnet die Nollinger Straße als Rennstrecke – vor allem nachts. Montag, kurz vor 23 Uhr: Ein silberner Mercedes mit Lörracher Kennzeichen fährt am Unfallort vorbei. Durch die offenen Fenster wummert der Bass der Musik. Fünf Minuten später: Ein BMW beschleunigt in der Rechtskurve. Es klingt, als ob jemand den Auspuff weggetreten hat.

Beschwerden bei der Polizei

Zwei Autos innerhalb kurzer Zeit. Sie sind lauter als viele andere, die an diesem Abend am Unfallort vorbeifahren, aber nicht schneller. Ein Golf GTI ist lauter als ein Audi A4, obwohl er langsamer fährt. Wer vor dem Sportgeschäft steht, vor dem das Unfallauto zum Stehen kam, hört einen Fernseher aus der Wohnung im obersten Stock über dem Rewe-Markt. Immer wieder schaut dort ein Mann aus dem Fenster. „Das kommt häufiger hier vor, dass hier gerast wird“, sagt der Mann. Er habe sich schon mehrmals bei der Polizei beschwert. Passiert sei nichts.

Unfälle sind hier eher selten

Der Mitarbeiter in einem Döner-Imbiss sieht es anders: „Normalerweise fahren die Leute hier nicht so schnell.“ Der Wirt in einem Restaurant sagt ebenfalls, dass hier selten gerast werde. Vereinzelt gebe es immer mal wieder Fahrer, die den Berg hoch scharf beschleunigen, dann sei es kurz mal laut. Unfälle seien selten. Cliquen, die hier Rennen fahren, gebe es nicht. Dafür aber unten am Zoll.

Eine Anzeige wegen eines illegalen Rennens

Polizeisprecher Mathias Albicker bestätigt Beschwerden der Anwohner dort. „Es folgten mehrere gezielte Kontrollen, die nahezu alle ohne besondere Auffälligkeiten und Beanstandungen verliefen.“ Die Ausnahme ist der 20. Juli. Laut Albicker haben zwei Fahrer bewusst die Motoren hochgejagt, sie seien zu schnell gewesen. „Auch überholten sich die Fahrer gegenseitig.“ Die Männer wurden wegen eines illegalen Rennens angezeigt.

Der Klang des Motors röhrt durch die Straße

Zurück zur Nollinger Straße: Zwischen 23.15 und 23.45 Uhr passiert durchschnittlich ein Auto pro Minute die Unfallstelle. Ein Passat mit Freiburger Kennzeichen fährt zwei Mal innerhalb einer Minute vorbei. Dann röhrt der Klang eines Motors durch die Straße. Zweifellos gibt jemand Gas – aber nicht hier. Dann fährt der Passat zum dritten mal vorbei.

Die Männer, die angeben, den Vater des Fahrers zu kennen, sind an diesem Abend nicht die einzigen, die die Stelle bewusst aufsuchen. Fünf junge Erwachsene laufen vorbei. Einer sagt, er arbeite für einen BMW Vertragshändler. „Vielleicht war der Fahrer ein Kunde von uns“, sagt er. Sie sind sich einig, dass die Stelle nicht für Raserei bekannt sei. Die einzige Frau der Gruppe sagt: „Nachts bekommt man ja es nicht mit.“