Er war ohne Zweifel ein besonderer Mann dieser Hermann Suter, der am 29. Juni 1926 im Alter von 56 Jahren starb, auf dem Höhepunkt seines Schaffens als Musiker und seines Ruhms als Komponist und Dirigent. Basel, die Schweiz und die europäische Musikwelt waren vom Tod dieses ungewöhnlichen Künstlers erschüttert und nahmen im Basler Münster ergriffen in einer Trauerfeier von ihm Abschied.

Als 32-Jähriger war Hermann Suter 1902 nach Basel berufen worden, um die Direktion des Basler Gesangvereins, der dortigen Liedertafel und der Allgemeinen Musikgesellschaft zu übernehmen, deren Programm von Händel bis Schönberg reichte. Als Pianist, als Organist und vor allem als Dirigent brachte er sich ein und spulte ein beeindruckendes Arbeitspensum ab. Um 1920 leitete er zudem noch das Basler Konservatorium. Unter Hermann Suter wurde Basel die musikalische Hauptstadt der Schweiz, auch in Deutschland war er als Dirigent gefragt. Sein Riesenprogramm erfüllte er mit tiefer musikalischer Einfühlung und begeisterndem Schwung. Fast nebenbei war er auch noch Mitbegründer der GEFA, der Schweizer Gema.

Am 28. April 1870 kommt Hermann Suter in dem Städtchen Kaiserstuhl auf die Welt, wo sein Vater als Lehrer und Organist wirkt. Fünf Jahre danach zieht die Familie rheinabwärts nach Laufenburg, wo Hermann Suter senior Oberlehrer wird und als Organist und Dirigent agiert. Der Junior absolviert das Humanistische Gymnasium in Basel und liegt 17-jährig das Abitur ab. Neben den Schulfächern ist er auch im Konservatorium und an der Münsterorgel unterrichtet worden.

Ab 1888 studiert Hermann Suter an den Musikhochschulen in Stuttgart und Leipzig. In der Stuttgarter Oper begegnet er Wagners Werke, in Sachsen entsteht sein erstes Quartett. Nach vier Jahren Ausbildung lässt er sich in Zürich nieder als Lehrer für Klavier und Orgel, für Theorie und Komposition, und bald ist er auch als Chorleiter gefragt. Hier heiratet er auch seine Cousine Hedwig, bevor ihm nach zehnjähriger erfolgreicher Tätigkeit der Sprung nach Basel gelingt.

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Man muss sich wundern, wo der Vielbeschäftigte die Zeit zum Komponieren findet: Lieder, Chormusik – auch mit Orchesterbegleitung – und 1913 eine Symphonie. Neun Jahre danach entsteht sein Violinkonzert und 1925 in einer zweimonatigen Sommerpause sein Hauptwerk: Le Laudi di San Franzesco d‘Assisi – die Sonnengesänge des heiligen Franz von Assisi, ein Oratorium für Chor, Kinderchor, Solisten, Chor und Orgel. Bei der Uraufführung in Basel gibt es einen Sturm der Begeisterung. Es folgen Konzerte in 17 Städten von Rotterdam bis Wien, wo dieses Werk der Spätromantik mit der kraftvollen Rhythmik und Melodik gefeiert wird.

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Das schweizerische Laufenburg hat Hermann Suter kurz vor seinem Tod zum Ehrenbürger erhoben. Dort hat 2001/02 im Museum Schiff eine Ausstellung stattgefunden, die ihm gewidmet war: Tonspuren – Hermann Suter und das Musikleben um 1900. In diesem Zusammenhang wurde Le Laudi in der Stadtkirche St. Johann aufgeführt. Mit seinem „Lied von Laufenburg“ – von ihm gedichtet und vertont – hat es Hermann Suter geschafft, bis heute in den Schwesterstädten präsent zu bleiben: „Singend rauscht vom Hochland her der grüne Rhein“. Präsent ist er auch bis heute mit jeweils einem Straßennamen rechts und links vom Rhein.

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