Herr Kaiser, das Coronavirus ist allgegenwärtig, täglich erfährt man die aktuellen Infiziertenzahlen. In der Gemeinde Häusern gab es aber noch keinen bekannten Fall. Waren Sie in den vergangenen Monaten entspannt?

Einigermaßen. Die Bevölkerung hat sich gut an diese veränderten Verhältnisse angepasst. Ich hatte keine Probleme mit den Vereinen, auch Beerdigungen haben zum Beispiel gut funktioniert. Es gab nur wenige Menschen, die die Einschränkungen nicht gleich eingesehen haben.

Als Bürgermeister hatten Sie aber dann doch mehr mit der Corona-Pandemie zu tun, oder?

Ich musste mich selber mit den ganzen Themen befassen. Es gab viele Fragen: Wie soll sich der Friseur verhalten oder die Gastronomie? Das war anfangs schon eine Herausforderung. Aber wir hatten wöchentliche Besprechungen mit dem Landratsamt. Das war super. Man konnte sehen, dass alle Kommunen ihre unterschiedlichen Probleme haben. Aber der Landkreis war immer gut vorbereitet und der Meinungsaustausch unter den Bürgermeistern war toll.

Wie haben sich die Einschränkungen auf das Leben in der Gemeinde ausgewirkt?

Man hat in der Zeit einfach gemerkt, was alltäglich in der Gemeinde geht. Es gab keine Feuerwehrprobe mehr, keine Altennachmittage, kein Training.

Wie haben Sie die Vereine über die Einschränkungen informiert, gab es Unterstützung durch die Gemeinde?

Ich habe die Vereine im Mai in den Pavillon beim Kur- und Sporthaus eingeladen und ihnen die Halle als Versammlungsort angeboten. Einige Vereine haben dort auch schon ihre Generalversammlungen durchgezogen. Die Trachtenkapelle probte im Schwarzatal bei der Musikerhütte und das Harmonikaorchester im Pavillon. Für die kommenden Monate stellen wir den Vereinen, die nicht in ihre Probelokale können, das Kur- und Sporthaus zur Verfügung. Die Fußballer fangen auch wieder mit dem Training an.

Wie hat sich die Corona-Zeit auf Sie ausgewirkt?

Persönlich? Ich habe in der Zeit acht Kilogramm abgenommen (lacht). Man merkt, dass es wenige Abendtermine gab. Ich habe schon gemerkt, dass ich sonst viel unterwegs war. Man musste einfach lernen, dass alles langsamer geht.

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Welche Erfahrungen haben Sie gemacht?

Grundsätzlich habe ich in der Coronazeit schätzen gelernt, welchen Wert das Ehrenamt für die Gemeinde hat.

Hat das Krisenmanagement von Land und Bund aus Sicht der Gemeinde funktioniert?

Insgesamt ja. Die Förderung durch das Land und die Regelungen für die Kurzarbeit haben gut funktioniert. Das war wichtig, denn in der Gastronomie im Ort sind circa 150 Menschen beschäftigt. Und die boomt jetzt bei uns. Ich glaube, dass aufgrund der Förderungen und der Kurzarbeit das Jahr insgesamt für die Gastronomie nicht unbedingt schwer wird.

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Es läuft also rund?

Die Auswirkungen sind schwer abzuschätzen. Überrascht hat mich ein enormer Zuwachs bei der Postagentur. Es gab schon einige Stundungsanträge. Mittlerweile sind aber fast 90 Prozent dieser Beträge bezahlt worden. Die Gemeinde wird vielleicht mit 30.000 Euro zusätzlich belastet. Im Moment sieht das Jahr für Häusern nicht so schlecht aus. Aus heutiger Sicht wird es keine großen Veränderungen bei den Steuereinnahmen geben. Die Zuweisungen vom Land warten wir gespannt ab. Aber ich erwarte doch, dass es im Herbst schwieriger wird, die Corona-Krise wird so schnell nicht vorbei sein. Der Borkenkäfer ist aber eine stärkere Belastung. Ich bin mir sicher, dass es im Wald in diesem Jahr einen Verlust von 30.000 bis 50.000 Euro geben wird. In früheren Jahren hat der Wald um die 30.000 Euro gebracht.

Das Jahr läuft bisher also fast wie geplant?

Ich bin bis jetzt zufrieden. Der Ruhewald wurde seiner Bestimmung übergeben, der Wohnmobilstellplatz eingerichtet und Wohnbau gibt es auch. Das haben wir alles – natürlich durch Corona verlangsamt – durchgezogen. Wenn es so bleibt, sind wir in Häusern zufrieden.

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