Heizzentrale und Kollektorfeld sollen, falls das Projekt Nahwärmeversorgung denn realisiert werden kann, ihren Standort im Bereich des Kur- und Sporthauses erhalten. Dies hat der Gemeinderat Häusern in seiner jüngsten Sitzung einstimmig beschlossen, nachdem über einen alternativen Standort am Klemmeberg diskutiert worden war. Das Thema Nahwärmeversorgung sei nicht einfach, denn es werde eine Entscheidung mindestens für die nächsten 50 Jahre getroffen, sagte Bürgermeister Thomas Kaiser eingangs.

Bene Müller von der Firma Solarcomplex, die das Nahwärmenetz in Häusern errichten möchte, informierte über den aktuellen Projektstand. Dies war verbunden mit der dringenden Bitte, an diesem Abend einen Schritt weiterzukommen. Denn der Standort sei die Voraussetzung für den Wärmepreis und dieser wiederum Voraussetzung für eine Informationsveranstaltung. Müller zog als Vergleich die Wärmepreise in zwei Gemeinden heran, deren Netze dem in Häusern geplanten ähnlich seien. Diese liegen bei 11,28 Euro brutto beziehungsweise 10,12 Euro brutto pro Kilowattstunde. Der Wärmepreis in Häusern werde zwischen diesen beiden Werten liegen, so Müller.

Ab wann auch in Häusern Nahwärmerohre verlegt werden können, steht noch längst nicht fest. Zuerst müssen noch wichtige Fragen geklärt werden.
Ab wann auch in Häusern Nahwärmerohre verlegt werden können, steht noch längst nicht fest. Zuerst müssen noch wichtige Fragen geklärt werden. | Bild: Eva Korinth

Das Unternehmen favorisiert den Standort für Heizzentrale und Kollektorfeld am Kur- und Sporthaus, hydraulisch sei dies die beste Möglichkeit und ermögliche zudem den günstigsten Wärmepreis, erläuterte Müller. Ein Standort am Klemmeberg bezeichnete der Fachmann als hydraulisch zweitbeste Lösung, die jedoch mit Mehrkosten in Höhe von 500.000 Euro verbunden sei, da wegen des Höhenunterschiedes ein weiteres Gebäude zur Netztrennung und eine größere Leitungsdimensionierung erforderlich seien. Für die Verbraucher bedeute dies einen Mehrpreis vom 0,4 Cent pro Kilowattstunde, so Müller. Für diese Alternative sei ein vorhabenbezogener Bebauungsplan erforderlich. Die Einschätzung des Landratsamtes für diese Alternative sei positiv gewesen, fuhr er fort, betonte aber, dies sei keine Garantie. Und: Angesichts der Bearbeitungsdauer des Bebauungsplanverfahrens von sechs bis zwölf Monaten sei mit einem Baubeginn nicht vor dem Herbst 2021 zu rechnen. Die Kosten des Bebauungsplanverfahrens (rund 50.000 Euro) werde die Firma übernehmen, erklärte Müller auf Anfrage von Patrick Bühler.

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Eine dritte Variante mit Heizzentrale am Kur- und Sporthaus und Solarthermie am Klemmeberg schloss Müller als hydraulisch anspruchsvoll, mit zusätzlichen Kosten von rund 700.000 Euro verbunden und dem höchsten Wärmepreis von vorneherein aus.

Rainer Schwinkendorf stellte die Frage nach einer Integration der Pufferspeicher aus optischen Gründen in das Gebäude der Heizzentrale in den Raum. Grundsätzlich möglich, aber zu teuer, so die Antwort von Müller.

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Peter Schmidt äußerte aus naturschutzrechtlichen Gründen Bedenken, dass eine Heizzentrale am Klemmeberg genehmigungsfähig ist. Vonseiten des Naturschutzes sei diese Frage geprüft worden, das Projekt wohl möglich, hielt Bürgermeister Kaiser dem entgegen.

Anders sah dies Monika Schwinkendorf, ein solches Projekt sei nur dann genehmigungsfähig, wenn das Gelände naturschutzrechtlich als nur von geringer Bedeutung eingestuft sei, was aber auf den Klemmeberg nicht zutreffe. Und die Gemeinderätin stellte weiter fest: Es sei gewagt, mit einem derart großen Projekt in eine der schönsten Ecken Häuserns zu gehen. Ihren Vorschlag, das Kollektorfeld auf verschiedene Flächen zu verteilen, lehnte Müller als regelungstechnisch und hydraulisch nicht machbar und zudem als zu teuer ab.

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Sie fühle sich veräppelt, erklärte Sabine Gruhn. Man habe sich viele Gedanken über alternative Standorte (Friedhof, Bolzplatz) gemacht, diese seien aber von Tisch gewischt worden, so ihr Vorwurf. Dies wies Müller entschieden zurück, man habe die Standorte sehr wohl geprüft, aber aus verschiedenen Gründen verworfen.

Letztlich sprach sich das Gremium einhellig für das Kur- und Sporthaus als Standort für Heizzentrale und Kollektorfeld aus. Aber auch dieser Standort sei in Hinblick auf das Kollektorfeld nicht unproblematisch, daher habe man auch weitere Standorte geprüft, darauf wies der Rathauschef ausdrücklich hin.

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