Herr Kaiser, wie alle großen Gemeinden hat auch die kleinste Kommune des Landkreises mit der der Corona-Krise zu kämpfen. Ist die Größe für Ibach jetzt ein Glück?

Nein, würde ich so nicht sagen. Ibach trifft ein kleines Loch im Haushalt so hart, wie eine große Gemeinde ein entsprechend großes. Zudem fehlen die Möglichkeiten, so etwas auszugleichen.

Sie sind ehrenamtlicher Bürgermeister. Ist es für Sie deshalb schwieriger, die Situation zu meistern?

Nein, ich kann da auf genügend Lebenserfahrung zurückgreifen. Aber so einen Einschnitt hat kaum jemand schon erlebt.

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Wie groß war die gegenseitige Unterstützung der Bürgermeister im Landkreis?

Sehr gut. Der Austausch unter den Bürgermeistern war stark und vom Willen beseelt, sich gegenseitig zu helfen. Es gab schon viele Situationen, in denen man zusammengestanden ist und solidarisch war. Alle haben mit Bedacht gehandelt.

Viele Jahre waren Sie hauptamtlicher Bürgermeister von Dachsberg und gleichzeitig ehrenamtliches Gemeindeoberhaupt von Ibach. In Dachsberg muss jetzt ihr Nachfolger die Situation meistern. Wie unterscheidet sich ihre Arbeit jetzt von der als Hauptamtlicher?

Früher war ich täglich in der Verwaltung, heute kann ich auf eine gute Zuarbeit zählen. Es funktioniert gut.

Ist es aber nicht sehr schwer, ohne die Mitarbeiter in der Verwaltung den Überblick über die sich häufig ändernden Regeln zu behalten?

Da helfen die neuen Medien schon sehr. Deshalb ist es mir nicht schwer gefallen, informiert zu sein, ein Stück weit hat man da auch eine Holschuld.

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Ibach ist klein und hatte glücklicherweise auch offiziell keine oder wenige Coronaerkrankungen. Gerät man dann vielleicht leicht aus dem Blick?

Ich habe mich als kleine Gemeinde nicht hintenan gestellt gefühlt. Vieles findet auf einem kleineren Level statt als in großen Gemeinden, aber die Aufgabenfelder bleiben gleich und müssen bearbeitet werden.

Sie mussten sich seit März also mit den gleichen Fragen wie die Nachbarkommunen befassen?

Die Verantwortungskette ist spannend. Es gab viele Punkte, wo man kommunale Selbstverantwortung wieder stärker gespürt hat. Man musste vor Ort entscheiden, welche Maßnahmen man trifft und welche Ausstattung man einkauft. Aber natürlich hat Ibach keine Schule, auch keinen Kindergarten und kein Schwimmbad. Wer für solche Einrichtungen Verantwortung trägt, hat schon da ein großes Aufgabenfeld.

Die Menschen waren eingeschränkt, die Unternehmen leiden. Wie sieht es mit dem Haushalt der Gemeinde aus?

Schwer zu sagen. Gewerbesteuerausfälle wird es weniger geben, doch insgesamt wird Geld fehlen. Spannend ist die Frage, wie sich das Gesamtsteueraufkommen von Bund und Land entwickelt. Nimmt der Staat weniger Geld ein, wird auch weniger Geld bei den Kommunen ankommen. Die Corona-Krise wird da in den kommenden Jahren noch erhebliche Auswirkungen auf die Gemeinde haben, denn ohne Zuschüsse vom Land geht in so einer kleinen Flächengemeinde nichts. Finanzschwache Gemeinden trifft es da deutlich stärker.

Wie stark hat Sie die Situation in Beschlag genommen?

Schlaflose Nächte hat sie mir keine bereitet. Aber man macht sich natürlich Gedanken und versucht, die Menschen zu schützen. Was vom Land vorgegeben wurde, war insgesamt schon nachvollziehbar, auch wenn man über einzelne Punkte diskutieren kann und wenig Zeit zur Umsetzung hatte. Aber es ist für alle eine Situation, die wir in der Form noch nicht erlebt haben. Die Finanzen sind wichtig, das Gesundbleiben ist aber wichtiger.

Aber auch das Gesellschaftsleben hat gelitten, oder?

Es geht ein Stück weit schon was verloren. Zum Beispiel der Seniorenstammtisch fehlt den Menschen. Es fehlt auch richtig etwas, wenn es für die Vereine keine Treffen oder Proben geben kann. Die Vereine sind Lebensqualität auf dem Dorf. Auch in so einer Krise sind die Vereine sehr wichtig, in so einer Situation sind sie sehr dienlich – es gab eine große Hilfsbereitschaft.

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Kann die Coronazeit die Vereine nicht auch langfristig schwächen?

Die Gefahr besteht. Bei manchen Vereinen denken ältere Mitglieder schon darüber nach, ihr Mitwirken zu beenden. Manche Vereine werden auf das eine oder andere Mitglied verzichten müssen. Trotzdem wird es weiter gehen, ich sehe keine Auflösungserscheinungen in der breiten Masse. Für Ibach, das die lebens-älteste Gemeinde in Baden-Württemberg ist, wird eher die sehr niedrige Geburtenrate und der Wegzug der Jugend nach dem Abitur ein Problem.

Das klingt nicht sehr optimistisch.

Ich schaue mit Zuversicht in Zukunft. Es sind schon auch Entwicklungen im Gange, die positiv für Ibach sind. Das Glasfasernetz kommt, dann können viele Berufe in schönster Natur gut funktionieren. Dazu hin siedeln sich derzeit verschiedene Gewerbebetriebe in Ibach an, es entstehen viele neue Arbeitsplätze.

Außer Corona gibt es natürlich noch andere Herausforderungen. Den Borkenkäfer zum Beispiel.

Ja, in Ibach haben wir viele Land- und Forstwirte und die leiden unter der verheerenden Situation im Wald. Für viele ist der Wald eine wichtige oder wichtigste Einnahmequelle. Heute kann der Wald aber sogar zur Last werden. Man muss den Leuten Mut machen, den Kampf gegen den Käfer weiterzuführen und nicht aufzugeben. Ich halte es für absolut notwendig, dass das Land den Menschen dabei hilft, das ist eine gesellschaftliche Aufgabe.

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