Am 1. März dürfen Frisöre wieder öffnen. Es ist zwar Montag, eigentlich der Tag, an dem Friseursalons geschlossen haben. Nach zweieinhalb Monaten Zwangspause gerät das aber zur Nebensache. Hauptsache, es geht endlich wieder los. Bei Kira Hoffmann im „Salon Hany“ sogar mit einer unkonventionellen Maßnahme: Um unter Beachtung der aktuellen Corona-Regeln alle Mitarbeiterinnen beschäftigen zu können, nutzt sie den Saal des benachbarten Gasthauses „Kranz“.

„Zemmehebbe“

Die Idee – anfänglich eher scherzhaft daher gesagt – kam bei der Abholung von Essen von „Kranz“-Wirtin Carola Ketterer: „Der Saal steht leer und wir können ihn auf absehbare Zeit sowieso nicht nutzen.“ Andererseits hat Kira Hoffmann ein Raumproblem. Mindestens zehn Quadratmeter Fläche pro Person verlangt das Hygienekonzept für Friseure. Ihr Salon in der Brunnenstraße misst 83 Quadratmeter. Außer der Inhaberin arbeiten dort weitere acht Friseurinnen. „Ich hätte die Hälfte meiner Mitarbeiterinnen weiterhin nicht beschäftigen können. Aber es wollen doch alle wieder arbeiten“, bringt Kira Hoffmann ihr Problem auf den Punkt. Da kam das nachbarschaftliche Angebot wie gerufen. „Zemmehebbe“ lautet das Gebot der Stunde.

Friseure freuen sich nach zweieinhalb Monaten Zwangsschließung über die Wiederöffnung ihrer Salons. Während des Lockdowns trainierten ...
Friseure freuen sich nach zweieinhalb Monaten Zwangsschließung über die Wiederöffnung ihrer Salons. Während des Lockdowns trainierten die Auszubildenden von Friseurmeisterin Jessica Rothmund (links) an Puppenköpfen. | Bild: Martha Weishaar

Im Handumdrehen entstanden fünf Frisierplätze in dem Gasthaussaal. Wo für gewöhnlich bei Familienfeiern getanzt wird, werden nun Haare geschnitten. Kranzwirt Hansjörg Ketterer und sein Cousin Daniel Stoll bewiesen Kreativität und handwerkliches Können, installierten Spiegel aus leer stehenden Gästezimmern und versorgten jeden Platz mit Strom. Das Konzept klingt schlüssig. „Die Kunden werden im Salon empfangen, wo sie sich zunächst die Hände waschen und desinfizieren, ehe wir ihnen die Haare waschen. Mit einem Handtuch um den Kopf geleiten wir sie durch den Hinterausgang die paar Schritte über den Hof in den „Kranz“-Saal, wo anschließend die Haare geschnitten und getrocknet werden“, erläutert Kira Hoffmann. „Aufwendige Behandlungen belassen wir an den Frisierplätzen im Salon.“

Alle Mitarbeiterinnen dabei

Jessica Rothmund von der „Hair Lounge“ hingegen hat kein Raumproblem. Bei gut ausgelasteten Terminbüchern freut auch sie sich, dass alle Mitarbeiterinnen mit am Start sind. Dem starken Kundenandrang kommt auch sie mit verlängerten Öffnungszeiten entgegen. Über eine Rufumleitung war sie für ihre Kunden während des Lockdowns erreichbar. Damit ihre drei Auszubildenden während der Zwangsschließung in Übung blieben, arrangierte die Friseurmeisterin den jeweiligen gesetzlichen Vorgaben entsprechend Modelle aus dem Familienkreis der Auszubildenden oder ließ an Puppenköpfen üben. Auch bei Jessica Rothmund ist greifbar, wie dringend sie auf diese Wiederöffnung hoffte: „Wenn man zusehen muss, wie das Konto Woche für Woche leerer wird und nichts hereinkommt, ist das frustrierend.“

Zermürbende Monate

Als „sehr zermürbend“ bezeichnet auch ihre Kollegin Ute Bär-Hüller vom „Haarparadies“ die Situation der zurückliegenden Monate. Termine konnten auch bei ihr schon vor der Wiederöffnung telefonisch oder per E-Mail vereinbart werden. „Die Kunden zeigen erfreulich viel Verständnis, dass nicht alle Terminanfragen in der ersten Woche berücksichtigt werden können“, freut sich die Friseurmeisterin. Denjenigen Kunden, deren vereinbarte Termine nach der Schließung in der zweiten Dezemberhälfte abgesagt werden mussten, wurde nun Vorrang eingeräumt. Den starken Andrang bewältigt auch sie mit erweiterten Öffnungszeiten. Ute Bär-Hüller macht auch deutlich, dass die verschärften Auflagen den Friseuren viel abverlangen.

Noch strengere Vorschriften

Die Wiedereröffnung ist mit noch strengeren Hygienevorschriften als nach dem ersten Lockdown im vergangenen Jahr verbunden. Auch Kunden müssen nun eine medizinische Maske tragen. Weiterhin muss ein enormer Zusatzaufwand an Desinfizieren, Lüften und Dokumentieren betrieben werden. An die Umsätze vor Corona werden Friseure mit diesen Auflagen nicht herankommen. Die Lohnkosten hingegen bleiben gleich, die Betriebskosten sind sogar höher. Stellvertretend für ihre Branche zeigen sich die Friseurmeisterinnen dennoch mehr als froh, dass der Lockdown für sie vorüber ist. „Es ist höchste Zeit, dass wir endlich wieder loslegen dürfen. Hilfen vom Staat haben wir bisher nicht erhalten, aber die Kosten liefen weiter. Mieten, Gehälter für Auszubildende, Versicherungen, monatliche Abzüge für Nebenkosten – all das musste auch während der Schließung gestemmt werden.“