Herr Hirt, im Landkreis Waldshut ist bei einigen Bienen die Amerikanische Faulbrut festgestellt worden. Was ist das genau?

Die Amerikanische Faulbrut ist eine Brutkrankheit in Bienenstöcken und tatsächlich eine meldepflichtige Seuche. Sie ist hochansteckend, wird über Honig und über Bienen und über Beuten, also Bienenkisten, übertragen – die Bienen gehen ein. Menschen werden davon nicht angesteckt.

Siegmund Hirt ist seit 30 Jahren Imker.
Siegmund Hirt ist seit 30 Jahren Imker. | Bild: Gudurn Deinzer

Befallene Bienenvölker müssen beseitigt werden. Es gilt derzeit ein Sperrbezirk in der Region Tiengen, Gurtweil, Indlekofen und Bürglen. Wie steht es um die Gegend um Bonndorf?

Im oberen Kreisgebiet ist bis jetzt glücklicherweise keine Faulbrut ausgebrochen. Wir hatten im Jahr 2006 eine Epidemie, die wir glücklicherweise in den Griff bekommen haben. Ein Jahr später war sie in Schluchsee.

Wie stellt man einen Befall fest?

Man muss dazu sagen, dass die Sporen vereinzelt in vielen Völkern vorhanden sind. Wenn sie vermehrt auftreten, gibt es einen klinischen Befund, und dann sterben die Bienen auch. Wenn die Brut also abstirbt, macht man einen so genannten Streichholztest. Wenn es dann einen klebrigen braunen Faden zieht, ist das ein Indiz für Faulbrut.

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Hatten Sie nach Auftauchen der Faulbrut Kontakt mit den hiesigen Imkern, um eventuelle Maßnahmen zu besprechen?

Unsere Imker hier sind sehr gut geschult. Die erkennen das selbstständig und melden das an die Bienensachverständigen. Im Bonndorfer Verein haben wir drei solche Bienensachverständige. Das ist eine Art Bienendoktor, der schaut sich die Völker dann an. Im Verdachtsfall werden daraufhin Bienenproben und Futterproben genommen. Die Sporen kann man damit nachweisen.

Woran liegt es denn, dass so eine Seuche so plötzlich auftaucht. Hat der Verbraucher damit etwas zu tun?

Ja, unter anderem, wenn sie Billig-Honiggläser ungespült in den Glascontainer werfen. Die Bienen suchen auch in Glascontainern nach Fressbarem und stecken sich so an.

Bienen sind für die Bestäubung der Pflanzen ein wichtiger Bestandteil, auch in der Region Bonndorf.
Bienen sind für die Bestäubung der Pflanzen ein wichtiger Bestandteil, auch in der Region Bonndorf. | Bild: Wolfgang Scheu

Was ist Billig-Honig?

Das ist meist Importhonig, da sind bis zu 95 Prozent Faulbrutsporen drin, weil die Imker mit Medikamenten arbeiten, die in Deutschland verboten sind. Es gibt in der Zwischenzeit Honig eines weltweit agierenden europäischen Lebensmittelkonzerns, der sogar im DIB-Glas (Deutscher Imker Bund) angeboten wird. Es gab vor kurzem einen solchen Honig beim Discounter für 4,99 Euro. Das sind Abfüller, die zu dieser Unternehmensgruppe gehören.

Und woher kommt dieser Honig?

Das weiß ich nicht.

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Wenn ich mich nun als Verbraucher geschickt verhalten will, was mache ich dann?

Dann gehe ich am besten zum ortsansässigen Imker oder zu den örtlichen Imkervereinen und kaufe mir den Honig dort. Er ist zwar etwas teurer als anderswo. Aber wenn man berücksichtigt, dass der Imker ja auch etwas für die Umwelt und die Landwirtschaft tut, fällt das vielleicht nicht mehr so ins Gewicht. Durch Bienen sind in der Landwirtschaft Minimum 40 bis 50 Prozent mehr Ertrag möglich, durch die Bestäubung, da die Biene ein staatenbildendes Insekt ist und nicht wie die Wildbiene monogam oder einzeln unterwegs ist. In einem Staat Honigbienen finden sich bis zu 70 000 Bienen.

Spielt die Wildbiene zur Bestäubung hier überhaupt noch eine Rolle?

Die Wildbiene gehört bei uns genauso zum Organismus wie Schmetterlinge und Hummeln. Zum Teil fliegen die auch bei tieferen Temperaturen.

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Es wird auch immer wieder gemeldet, dass Bienen inzwischen oft zu wenig Nahrung finden. Wie kann man da helfen?

Man sollte vielleicht weniger Steingärten anlegen und sich einfach einmal einen wilden Garten zulegen, mit verschiedenen Blühpflänzchen, die über das ganze Jahr etwas zu bieten haben. Damit unterstützt man unsere Bienen sehr. Wir blicken gerade auf eine Bienenweide mit Lavendel, Rosen und anderen Blühpflanzen. Da wuselt es von Bienen und Schmetterlingen. Die Kommunen sind auf einem guten Weg, die machen diesbezüglich etwas. In Saulgau hat man für Bienenflächen sogar einen Preis gewonnen. Oft bekommt man die Blühsaaten auch kostenlos. Also das ist etwas, wo der Verbraucher zusätzlich und ganz einfach unsere Bienen unterstützen kann.