In Meersburg tröpfelt es, während in Friedrichshafen die Feuerwehr zu Unwettereinsätzen ausrücken muss. In Hagnau zerhagelt es Autos und Ernte, während in der Nachbargemeinde deutlich kleinere Hagelkörner runterkommen. Das erstaunt den Betrachter, überrascht den Meteorologen aber nicht. Kai-Uwe Nerding, Meteorologe beim Deutschen Wetterdienst in Stuttgart, erklärt, dass diese lokal begrenzten Wetterereignisse „keine Besonderheit für den Bodensee“ sind. Das Wetter kann seinen Schilderungen nach örtlich begrenzt für Hagelschlag sorgen.

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Innerhalb einer halben Stunde sind signifikante Änderungen möglich. In so einer kurzen Zeit bilden sich gerade Schauer und Gewitter. Die Meteorologen in Stuttgart beobachten die Witterung und erstellen anhand von Wettermodellen Vorhersagen. Die Wettermodelle bieten Nerding zufolge eine Übersicht über das, was im Tagesverlauf zu erwarten ist. „Wir schreiben spezielle Berichte für den Bodensee“, berichtet der Experte. Etwa, aus welcher Richtung der Wind kommt und wohin er dreht. Hohe Windgeschwindigkeiten entstehen dadurch, dass der Wind über dem Bodensee auf wenig Widerstand trifft, erläutert Nerding.

Kai-Uwe Nerding ist Meteorologe beim Deutschen Wetterdienst in Stuttgart und beobachtet das Wetter am Bodensee. Hier ist er bei der ...
Kai-Uwe Nerding ist Meteorologe beim Deutschen Wetterdienst in Stuttgart und beobachtet das Wetter am Bodensee. Hier ist er bei der Arbeit zu sehen. | Bild: Deutscher Wetterdienst

Wasserhosen und Föhn am Bodensee

Zwei außergewöhnliche Phänomene gibt es allerdings in der Bodenseeregion. „Speziell Richtung Herbst können Wasserhosen entstehen“, sagt der Meteorologe. Grund ist die noch warme Wasseroberfläche, die sich im Übergang zum Winter befindet. Auffällig für den Ostteil des Sees ist der Föhn, der aufgrund der Alpen vorkommt. Der Föhn bringt warme Temperaturen und freie Sicht bis ins Alpenvorland mit sich. Es können teils große Temperaturunterschiede entstehen. Betroffen ist der Bereich bis einschließlich zum Schussental mit Friedrichshafen und Ravensburg, gelegentlich etwas weiter in den Mittelteil des Sees hinein.

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„Vor zwei bis drei Jahren hatte ich den Fall, dass es 0 Grad waren. Eine halbe Stunde später habe ich nochmals nachgeschaut und es herrschten 17 Grad“, erklärt Nerding. „Stellen Sie sich vor, Sie gehen in der Winterjacke zum Bäcker und wenn Sie rauskommen, ist es warm und die Vögel zwitschern.“ Der Föhn kommt zustande, wenn Luft aus dem Süden die Alpen überströmt. Beim Aufsteigen kühlt sie ab und kann immer weniger Wasserdampf aufnehmen, wodurch Wolken entstehen. Es kann regnen, muss aber nicht. „Die Luft trocknet aus“, sagt Nerding. Laut dem Meteorologen erwärmt sie sich dann bei ihrem weiteren Weg über die Berge. Die Föhn-Winde erreichen den Bodensee.

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