Fasnacht ist kein Zustand von Chaos und Anarchie. Gerade die schwäbisch-alemannische Fasnacht, deren historische Wurzeln sehr weit zurückreichen, hat sich die Wahrung von Tradition und Brauchtum zur Aufgabe gemacht. Sie ist in vielen Teilen straff organisiert, es existieren feste Regeln. Hier finden Sie die die wichtigsten Informationen rund um die schwäbisch-alemannische Fasnacht: eine Übersicht über wichtige Figuren der Fasnacht in der Region, ein Fasnacht-Glossar mit den wichtigsten Begriffen - oder Rätsel für die echten Fasnachtskenner oder solche, die es mal werden wollen. 
 

Was Sie zur schwäbisch-alemannischen Fasnacht wissen müssen 

Damit einer, wie die Narren sagen, "glückseligen Fasnacht" auch für Sie nichts mehr im Wege steht, haben wir die zehn wichtigesten Tipps für Narren und Wissenswertes über die schwäbisch-alemannische Fasnacht zusammengestellt.
 

1. Narren duzen sich: Die Fasnacht erlaubt jedem, einmal aus der Alltagsrolle auszubrechen. Früher war es die einzige Zeit des Jahres, in der es  beispielsweise Bauern  und der Dienerschaft erlaubt war, ungestraft einmal Herrscher zu spielen. Heute hat sich dieser Aspekt der Fasnacht mit dem Ende der damaligen Ständegesellschaft zwar abgeschwächt, das Prinzip ist jedoch nach wie vor dasselbe. Im Häs und unter der Scheme sind alle Narren gleich. Egal, ob Herr oder Knecht, Chef oder Angestellter - während der närrischen Zeit gab und gibt es keine Standesunterschiede. Daher fällt auch die förmliche Anrede in diesen Tagen weg. Solltest du, lieber Narr, auf der Fasnacht also deinen Chef, Lehrer oder Dozenten treffen, darfst du ihn nicht nur getrost duzen, sondern musst es sogar, wenn du dich nicht als Fasnachtsanfänger outen möchtest.

2. Der Schmotzige Donnerstag hat nichts mit Schmutz im Sinne von Dreck zu tun: Der Begriff wird zwar manchmal dahingehend ausgelegt, meint aber etwas anderes. "Schmotz" leitet sich in diesem Zusammenhang vom in der Region gebräuchlichen Wort für "Fett" ab und erinnert daran, dass an der Fasnacht das letzte Mal geschlachtet wurde, bevor am Aschermittwoch die sechswöchige Fastenzeit begann. Das beim Schlachten angefallene Fett wurde unter anderem dazu benutzt, die noch heute beliebten Fasnachtsküchle herzustellen. Sie werden traditionell am "Schmotzigen Donnerstag", zu Beginn der eigentlichen Fasnet also, in heißem Fett schwimmend gebacken.

3. Die schwäbisch-alemannische Fasnacht sieht sich in klarer Abgrenzung zum rheinischen Karneval: Nachdem der ursprünglichen Fasnacht im Zuge der Aufklärung im 19. Jahrhundert der Ruf eines primitiven und längst überholten Brauches anhaftete, wurde sie vom Karneval weitgehend verdrängt. Erst Ende des 19. bzw. Anfang des 20. Jahrhunderts besann man sich im Süden Deutschlands wieder auf seine Wurzeln. Gerade in bäuerlichen Kreisen fühlte man sich vom Karneval des Großbürgertums überrannt. Nach und nach folgte die gezielte Abkehr vom Karneval und die Rückkehr zu überlieferten Traditionen. In der Folge wurden zahlreiche Narrenzünfte neu gegründet.

4. Das Datum der Fasnacht ist nicht jedes Jahr dasselbe. Der Termin der Fasnachtswoche hängt von Ostern ab. Der Aschermittwoch, also der erste Tag der Fastenzeit, ist der 46. Tag vor dem Ostersonntag, der wiederum am ersten Sonntag nach dem ersten Vollmond im Frühjahr gefeiert wird. Das Frühjahr beginnt nach dem im Jahr 1582 eingeführten gregorianischen Kalender stets am 21. März. Das heißt, der Ostersonntag liegt zwischen dem 22. März und dem 25. April, was wiederum bedeutet, dass der Zeitpunkt der Fasnacht innerhalb einer Spanne von 35 Tagen variiert. Der früheste Termin für den Aschermittwoch ist somit der vierte Februar.

5. Dem Narr obliegt das Rüge- und Kritikrecht. Das Strählen (Villingen), Maschgern (Oberschwaben), Schnurren (Schwarzwald) oder Aufsagen ist somit ein an der Fasnacht beliebter und verbreiteter Brauch. Dabei ziehen die Maschger durch die Straßen und Wirtshäuser und nehmen in Reimform oder Prosa die Obrigkeit aufs Korn. Oft werden hierbei lokale Geschehnisse des vergangenen Jahres aufgearbeitet. Nicht selten hat das Schnurren politischen Charakter. Damit er seine Meinung unverblümt kundttun kann (unflätige Worte oder Beschimpfungen sind hingegen selbstverständlich auch beim Schnurren tabu), ist der Maschger in der Regel maskiert. Der Respekt vor der Anonymität ist dabei für jeden Narren höchstes Gebot. Ein echter Narr wird niemals versuchen, den Maschger zu demaskieren und somit seiner Anonymität zu berauben.

6. Jede Zunft hat ihren eigenen Narrenruf: Mit dem Ruf begrüßen sich die Narren gegenseitig. Er kommt außerdem gerade bei Umzügen auch oft als Kommunikationsinstrument zum Einsatz, indem er beispielsweise von einem Mitglied der mitwirkenden Zunft angefangen und von den Publikumsnarren am Straßenrand ergänzt wird. Die unterschiedlichen Narrenrufe begründen sich nicht selten aus uralten Fasnachtsbräuchen oder -legenden oder stehen zumindest mit den einzelnen Figuren der Zunft in engem Zusammenhang. Einen Stettener Bock also beispielsweise mit einem "Montfort Jehu" (Ruf der Narrenzunft Tettnang) anstatt mit einem zünftigen "Bock Mäh" zu begrüßen, bedeutet für den vermeintlichen Spaßvogel zwar keine Gefahr für Leib und Leben, wird von den meisten Hästragern aber auch nicht gerade als lustig empfunden. Wer sich unsicher ist, hält sich lieber an das bewährte "Narri Narro", mit dem er zwar nicht alles richtig, aber auch nicht alles falsch machen kann.

7. Das Häs: Wer bei den vielen verschiedenen Zünften und Hästrägergruppen einmal den Überblick verliert, braucht nicht gleich zu verzweifeln. Denn alle Häser lassen sich verschiedenen Hauptgruppen zuordnen. Die wichtigsten sind die Gruppe der Teufels-, Sagen- und Hexengestalten und der Narro. Letzterer lässt sich noch einmal in verschiedene Typen unterteilen. Der Weißnarr kommt häufig im Schwarzwald und auf der Baar vor, Blätzle- bzw. Spättlenarren sind im gesamten schwäbisch-alemannischen Raum verbreitet. Mit zur Gruppe des Narro gehören außerdem noch die Fransennarren und der Bajazzo. Weitere typische Narrenkleider sind Tierfiguren und die sogenannten unmaskierten Repräsentationsfiguren, wie beispielsweise die Narreneltern oder der Narrenpolizist.

8. Hexengestalten Die Fasnachtshexe ist eines der beliebtesten Fasnachtsmotive überhaupt. Vorläufer der heutigen Figuren fanden sich bereits im Mittelalter in der Form von Männern, die als Frauen kostümiert waren. Die älteste erhaltene Hexenmaske stammt aus dem Tirol des 18. Jahrhunderts. Als älteste Hexenfiguren der schwäbisch-alemannischen Fasnacht werden heute die Hexen aus Offenburg und Gegenbach angesehen, die seit Mitte der 1930er-Jahre bestehen. Kritiker stellen oftmals einen Bezug zwischen der Fasnachtshexe und den tragischen Frauengestalten her, die zwischen dem 15. und dem 18. Jahrhundert in Europa als Hexen verbrannt wurden. Die Vorbilder für die Fasnachtshexen sind allerdings ganz klar die Märchenhexen, wie sie beispielsweise aus alten Kinderbüchern bekannt sind.

9. Narreninstrumente gehören zum Häs: Viele Narren tragen sogenannte Narreninstrumente mit sich. Diese Gegenstände sind aber nicht nur unnützes Beiwerk, sondern gehören in der Regel fest zum Häs dazu. Die bekanntesten sind der Spiegel, die Schweinsblase (im Dialekt Saubloder genannt), die Narrenwurst, die Karbatsche, die Pritsche und die Streckschere. Den Spiegel hält der Narr der Welt vor, damit sie darin ihre eigene Unzulänglichkeit erkennt, Saubloder und Narrenwurst verweisen wiederum auf die fleischlichen Genüsse, die vor der Fastenzeit das letzte Mal erlaubt waren. Pritsche und Streckschere sind klassische Neckinstrumente. Die Karbatsche, eine geflochtene Peitsche mit kurzem Holzstiel, diente ursprünglich dem Viehtrieb. Heute ist sie ausschließlich in der oberschwäbischen Fasnacht zu finden. Karbatschenschnellen will allerdings gelernt sein. Bei richtiger Handhabung erzeugt sie aufgrund der Überschallgeschwindigkeit ein ohrenbetäubendes Knallen.

10. Regeln und Tradition: Fasnacht ist Freude, Spaß und Feiern. Sie erlaubt Ausgelassenheit, den einen oder anderen Unfug und selbstverständlich auch mal das eine oder andere Glas zu viel. Bei allem sollte der Narr allerdings eines nicht vergessen: Fasnacht ist auch Tradition. Neben aller Feststimmung geht es an der Fasnacht vor allem darum, regionale Bräuche weiterzugeben, sie zu leben und zu bewahren. Dafür treten auch die vielen Narrenverbände ein, die sich im schwäbisch-alemannischen Raum organisiert haben. Das schwäbisch-alemannische Fasnachtsmotto "Jedem zur Freund und niemand zum Leid" ist für einen echten Narren daher oberstes Gebot. Massenbesäufnisse, Erbrochenes auf dem Fußboden, Sachbeschädigungen oder Gewalt haben mit dem Grundgedanken der Fasnacht nicht das Geringste zu tun. Deswegen wird jeder echte Narr ein solches Verhalten strikt ablehnen.

 

Sie wollen noch mehr wissen? Hier gibt's ein Fasnacht-Glossar

Wer zum ersten Mal mit der schwäbisch-alemannischen Fasnacht zu tun hat, wird außerdem über so manchen Begriff stolpern, der ihm völlig unbekannt ist. Was bitte ist ein Mäschgerle? Oder was hat es mit dem Einschnellen auf sich? Für alle, denen die fünfte Jahreszeit mit ihren teils besonderen Begrifflichkeiten schon immer ein Rätsel war, haben wir ein ABC der Fasnacht erstellt - von A wie Abstauben bis Zunft.

 

Wichtige Fastnachtsfiguren aus der Region

<strong>Der Hoorige Bär</strong> gehört in Singen zu den Traditionsfiguren der Poppele-Zunft. Jedes Jahr werden die Häser aus Erbsstroh neu auf Drillichanzüge aufgenäht. Der Hoorige Bär führt einen knorrigen Stock mit sich und kann mit diesem und der grimmigen Scheme sicherlich als eine Verkörperung des Wilden Mannes gesehen werden. <em>Bild: Sabine Tesche</em>
Der Hoorige Bär gehört in Singen zu den Traditionsfiguren der Poppele-Zunft.

Hänsele, Butzesel, Katzenröllis oder Hooriger Bär sagen Ihnen nichts? Sie sind wichtige Fasnachtsfiguren in der SÜDKURIER-Region. Wen Sie noch kennen sollten? Hier stellen wir Ihnen zwölf wichtige Typen der Fasnacht in unserer Region vor. 

 

Wie gut kennen Sie die Fasnacht? 

Einige wichtige Informationen zur schwäbische-alemannischen Fasnacht haben Sie jetzt schon erfahren. Fasnachts-Experten oder solche, die es werden wollen, können ihr Wissen nun in unserem Quiz testen. Und wer es noch spezieller mag, findet hier noch weitere Ratespiele: Erkennen Sie die Zünfte in Konstanz und Allensbach an ihren Masken? Oder liegt Ihnen der Schwarzwald doch näher? Dann finden Sie hier das richtige Maskenquiz für Sie.