In Zeiten großer Verunsicherung fürchten viele Menschen, sich auch über Alltagsgegenstände wie Bargeld mit dem Coronavirus zu infizieren. Doch diese Sorge ist nach Angaben des Gesundheitsamts in Frankfurt am Main und der Deutschen Bundesbank unbegründet. Auch die Versorgung mit Bargeld soll trotz zunehmender Einschränkungen im öffentlichen Leben sicher sein.

Wie hoch ist das Infektionsrisiko beim Bargeld?

Der übliche Weg, sich mit dem Coronavirus zu infizieren, ist die Tröpfcheninfektion – also zum Beispiel durch Anhusten. Es gebe beim Bargeld kein besonderes Infektionsrisiko, sagt Johannes Beermann aus dem Vorstand der Bundesbank. „Die Wahrscheinlichkeit für eine Ansteckung ist wesentlich geringer als bei anderen alltäglichen Gegenständen.“ Schmutzige und kaputte Geldscheine würden ausgetauscht. Grundsätzlich empfehle es sich, nach der Benutzung von Alltagsgegenständen wie Schlüssel oder Bargeld die Hände zu waschen.

Muss Bargeld unter Quarantäne gestellt werden?

Dass Bargeld in Deutschland unter Quarantäne gestellt wird, ist unwahrscheinlich. Ihm sei bisher kein Fall bekannt geworden, in dem Geldscheine zur Übertragung des Coronavirus geführt hätten, sagt René Gottschalk, Leiter des Frankfurter Gesundheitsamts. Die Option, Bargeld unter Quarantäne zu stellen, halte er aus virologischer Sicht für „völlig überzogen“. Auch von Münzen gehe keine Gefahr aus. „Viren mögen die metallische Oberfläche nicht“, sagt Gottschalk. Es sei nicht pauschal zu sagen, wie lange Viren auf Oberflächen überleben können. „Jedes Virus, jede Oberfläche ist anders. Ich würde auch keinen Tisch unter Quarantäne stellen“, sagte der Experte. „Das auf dem Geldstück klebende Virus würde ich mal weitgehend vergessen“, sagte dazu auch der Virologe Christian Drosten in einem NDR-Podcast.

Der Direktor des Instituts für Virologie an der Berliner Charité erläuterte, bei Corona- und Influenzaviren handele es sich um behüllte Viren. Diese seien gegen Eintrocknung „extrem empfindlich“. Anders sei es bei Schnupfenviren, die unbehüllt seien und weniger empfindlich gegen Eintrocknung. Diese würden eher mit den Fingern in die Nase gebracht und könnten dort für Infektionen verantwortlich sein. Bei Coronaviren erfolge eine Infektion dagegen meist über den Rachen – „und wir stecken uns den Finger nicht in den Hals“, so Drosten.

Wie groß ist die gefühlte Unsicherheit der Bürger beim Bargeld?

Als möglichen Übertragungsweg für den Krankheitserreger sehen die Deutschen hauptsächlich die Nähe zu anderen Menschen (81 Prozent) und verunreinigte Türklinken (61 Prozent), wie der „Corona-Monitor“ des Bundesinstituts für Risikobewertung (BfR) zeigt. Ein vergleichsweise hohes Ansteckungsrisiko sehen die Befragten aber auch bei Bargeld (45 Prozent).

Wie häufig wird mit Bargeld gezahlt?

Drei von vier Bezahlvorgängen in Geschäften würden mit Bargeld abgewickelt, sagt Beermann. Dennoch bezahlen immer mehr Menschen mit Karte. Einer Analyse des Forschungsinstituts EHI zufolge lag der Anteil von Kartenzahlungen am Gesamtumsatz des Einzelhandels 2018 bei 48,6 Prozent. Der Anteil des Bargelds lag demnach leicht darunter. Für zusätzliche Sicherheit sorge kontaktloses Bezahlen, rät der Digitalverband Bitkom. „Dabei muss der Kunde nur sein Gerät berühren, der Verkäufer kommt damit überhaupt nicht in Kontakt“, erklärt Geschäftsführer Bernhard Rohleder.

Wie gehen Supermärkte mit dem Problem um?

Viele Supermärkte empfehlen den Kunden, möglichst ohne Bargeld zu bezahlen, sondern mit Karte. Die Bargeldzahlung ist allerdings nach wie vor möglich, auch wenn durch die Empfehlung der Märkte ein sozialer Druck entsteht, lieber mit Karte zu zahlen.

Wie ist es um die Bargeldversorgung in Deutschland bestellt?

Die Versorgung mit Bargeld sei trotz zunehmender Einschränkungen im öffentlichen Leben sichergestellt, sagt Beermann. „Wir haben mehr Geld gedruckt, als wir brauchen – unsere Tresore sind voll bis oben hin.“ Beermann zufolge füllten die Banken ihre Bestände auf, um der Nachfrage zu entsprechen. Das Hamstern von Bargeld sei unsinnig.

Was machen andere Staaten?

Chinesische Banken schickten im Februar alte Geldscheine in Quarantäne. Alle gebrauchten Geldscheine würden desinfiziert, hieß es von der Zentralbank. Diese Banknoten würden versiegelt und für sieben bis 14 Tage eingelagert. Auch in den USA werden laut der US-Notenbank Federal Reserve Dollarnoten, die aus Asien in die USA gelangen, seit dem 21. Februar für einen „verlängerten Zeitraum“ zurückgehalten.

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Kann man in Deutschland überall Bargeldlos zahlen?

Nein. Der IT-Branchenverband Bitkom fordert deshalb trotz der vergleichsweise geringen Ansteckungsgefahr, flächendeckend das kontaktlose Bezahlen zu ermöglichen. Kontaktloses Bezahlen mit Smartphone oder Smartwatch sei heute in sehr vielen Geschäften, Tankstellen und Verkaufsstellen problemlos möglich, betonte der Verband. „Das sorgt auf jeden Fall für zusätzliche Sicherheit und reduziert eventuelle Infektionsrisiken.“

Wie hoch ist das Limit für kontaktloses Zahlen?

Für das kontaktlose Zahlen mit der Girokarte wird ab sofort ein höheres Limit eingeführt. Statt bis zu 25 Euro können Verbraucher künftig pro Einkauf bis zu 50 Euro bezahlen, ohne dafür ihre Pin eingeben zu müssen, wie die Deutsche Kreditwirtschaft mitteilte. Die Banken und Sparkassen wollen damit das berührungslose Bezahlen als hygienische Bezahlmethode in der Corona-Krise unterstützen. Die Umstellung der Zahlungssysteme soll allerdings schrittweise erfolgen. Unabhängig von dem höheren Limit müssen Verbraucher allerdings weiterhin spätestens nach fünf Transaktionen oder nach einer Gesamtsumme von maximal 150 Euro wieder ihre Geheimnummer eingeben.