Mit Milliarden Euro an Soforthilfe sind die Landesregierung sowie der Bund der Südwest-Wirtschaft in den vergangenen Monaten zur Seite gesprungen. Für den durch Corona besonders betroffenen Bereich des Hotel- und Gaststättengewerbes legt Stuttgart jetzt noch einmal nach. Ab Mittwoch können die Betriebe Anträge auf weitere Hilfszahlungen stellen.

Wirtschaftsministerin Nicole Hoffmeister-Kraut will die Tourismus- und Gastro-Betriebe nicht hängen lassen.
Wirtschaftsministerin Nicole Hoffmeister-Kraut will die Tourismus- und Gastro-Betriebe nicht hängen lassen. | Bild: Tom Weller/dpa

„Wir rechnen mit einem Bedarf von rund 330 Millionen Euro“, sagte Baden-Württembergs Wirtschaftsministerin Nicole Hoffmeister-Kraut (CDU) in Stuttgart. Dieser Betrag sei auch gedeckt. Die Wirtschaft, insbesondere die Gastronomie sowie touristische Angebote, seien „mit voller Wucht“ von den Auswirkungen der Corona-Krise getroffen, sagte sie. Allein im April seien die Umsätze um drei Viertel eingebrochen.

Dass sich die Erträge der Unternehmen trotz der staatlichen Lockerungsmaßnahmen kurzfristig substanziell verbessern, sei nicht in Sicht. Der Grund: Durch die partielle Öffnung am 18. Mai entstünden den Betrieben hohe Fixkosten – etwa in Form von Aufwand für Personal oder Energie – bei gleichzeitig geringen Umsatzmöglichkeiten, da Betten oder Sitzplätze in Restaurants wegen der Abstandsregeln nicht wieder in vollem Umfang angeboten werden könnten.

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„Seit der Wiedereröffnung ist die Finanznot der Betriebe nicht wieder beseitigt“, sagte Südwest-Tourismusminister Guido Wolf. Möglicherweise gestundete Mieten, müssten in den kommenden Monaten wieder beglichen werden, sagte er. Mit dem Gastronomie-Hilfsprogramm gelte es, „in Baden-Württemberg eine besonders gewachsene Struktur zu schützen.“

Warum finanzieren die Banken die Firmen nicht?

Konkret sieht die neue Stabilisierungsshilfe so aus: Beantragen können sie laut Landeswirtschaftsministerium „hauptamtliche Unternehmen, Soloselbständige und Sozialunternehmen aus dem Hotel- und Gaststättengewerbe“. Voraussetzung ist, dass diese „unmittelbar infolge der durch das Coronavirus ausgelösten Pandemie in Liquiditätsengpässe geraten sind“.

Trifft dies zu, erhalten die Firmen für einen Zeitraum von drei Monaten eine einmalige Liquiditätshilfe in Höhe von bis zu 3000 Euro. Dazu kommen 2000 Euro für jede Vollzeitstelle im Betrieb, inklusive Auszubildende. Anders als in früheren Finanzierungsrunden sei diesmal auf eine Deckelung der Betriebsgröße verzichtet worden, sagte Hoffmeister-Kraut. „Wir werden nicht jedem Betrieb helfen können, aber einem Großteil von ihnen.“

Die Einbrüche bei Geschäftsreisenden sind enorm. Darunter leiden die Beherbergungsbetriebe.
Die Einbrüche bei Geschäftsreisenden sind enorm. Darunter leiden die Beherbergungsbetriebe. | Bild: Bodensee-Airport

Bereits im Rahmen der ersten Hilfsrunde für die Südwestwirtschaft, hatten 26.500 Gastro-Betriebe und Tourismusfirmen Hilfen erhalten. Zusammen mit anderen Wirtschaftszweigen, die damals ebenfalls Gelder beantragen konnten, sind bis heute gut 2,4 Milliarden Euro geflossen.

Dass jetzt noch einmal nachgelegt werden muss, liegt auch an Problemen, von Banken Kredite zu bekommen. Zwar haftet der Staat in vielen Fällen voll für die Kreditsumme. Durch die Darlehensvergabe verändert sich aber dennoch die Risikoposition der Banken, was etwa dazu führt, dass die Institute mehr Eigenkapital vorhalten müssen, um EU-Regeln gerecht zu werden. Das senkt ihre Neigung, Kredite an Corona-getroffene Firmen zu vergeben.

  • Wie Firmen Hilfe bekommen: Für die Beantragung der Hilfen müssen Unternehmen das Antragsformular gemeinsam mit einer Liquiditätsplanung und einem Genehmigungsbescheid ihres Steuerberaters unter www.bw-stabilisierungshilfe-hoga.de hochladen. Das Antragsformular sowie andere Bescheinigungen finden sich auf der Webseite des Wirtschaftsministeriums. Hilfen bei der Beantragung leisten auch die IHKs vor Ort.

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