Wer sein Geld nicht im Urlaub ausgeben kann, der investiert es in die eigenen vier Wände. Der Schweizer Sanitärkonzern Geberit profitierte in der Corona-Krise von diesem Trend. Zwar brach der Umsatz auf Grund des ersten Lockdowns im ersten Halbjahr 2020 ein. Dennoch konnte das Unternehmen im zweiten Halbjahr die Verluste weitgehend ausgleichen und schloss mit einem Gesamtumsatz von 2,99 Milliarden Schweizer Franken (2,69 Milliarden Euro) ab. Das sind 3,8 Prozent weniger als im Vorjahr.

„Geberit erzielte 2020 sehr gute Resultate“, zeigte sich Konzernchef Christian Buhl mit dem Ergebnis zufrieden. Auch das Betriebsergebnis (EBIT) legte um 2 Prozent auf 0,70 Milliarden Euro zu. Das Nettoergebnis lag mit 0,58 Milliarden Euro um 0,7 Prozent niedriger als im Vorjahr.

Investitionen am Standort Pfullendorf

Für den Standort in Pfullendorf im Linzgau kündigte Buhl für das laufende Jahr eine Investition in eine neue hochautomatisierte Montageline für Unterputzspülkästen an. Investiert werden sollen hier 3,1 Millionen Euro. Der Grund sei das starke Wachstum im Segment der Unterputzspühlsysteme, so Buhl. Pfullendorf ist nach Angaben von Christian Buhl der wichtigste Produktionsstandort von Geberit. Dort sind rund 1570 Mitarbeiter beschäftigt.

Ein Blick in die Produktion bei Geberit. Ein Mitarbeiter schraubt Teile an eine Toilettenschüssel.
Ein Blick in die Produktion bei Geberit. Ein Mitarbeiter schraubt Teile an eine Toilettenschüssel. | Bild: Ben Huggler, Geberit

Wie an allen Standorten würden auch in Pfullendorf seit Dezember regelmäßig Schnelltest durchgeführt, um einem Corona-Ausbruch vorzubeugen. „Pfullendorf hat einen ausgezeichneten Job gemacht im Rahmen dieser Krise“, sagte Buhl auf Nachfrage, wie das Jahr 2020 für den Standort lief. „Der Standort hatte die größten Herausforderungen was Lieferketten betroffen hat und hat das vorbildlich gelöst.“

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Ohne Kurzarbeit durch die Krise

Das Unternehmen entschied sich, keine Mitarbeiter in Kurzarbeit zu schicken. Dennoch haben die Krise Geberit auch stark getroffen, sagte Buhl auf der Pressekonferenz. Die Monate April (Umsatzrückgang 29 Prozent) und Mai (Umsatzrückgang 15 Prozent) seien die schwächsten seit Jahrzehnten gewesen. „Der Umsatzrückgang war beispiellos in Bezug auf Ausmaß, Geschwindigkeit und Gleichzeitigkeit.“

Die Entscheidung gegen die Kurzarbeit sei richtig, da die Präsenz beim Kunden dadurch nicht reduziert wurde. Außerdem sei die Betreuung der Kunden schnell digitalisiert worden. Buhl zeigte sich zufrieden mit dem Krisenmanagement. Trotz Umsatzausfällen durch Covid-19 sei es gelungen die Ergebnisse zu verbessern. Ein Grund seien Einsparungen bei den Marketing- und Reisekosten gewesen aber auch eine hohe Flexibilität in der Produktion und Logistik sowie niedrigere Rohmaterialpreise und Preiserhöhungen. Dem gegenüber standen höhere Personalkosten durch Tariferhöhungen sowie Investitionen in digitale Projekte.

Mehr Kontakt mit den Kunden durch verstärkte digitale Ansprache

Laut Konzernchef Buhl gelang es, die Kundenkontakte im Jahr 2020 um 9 Prozent aus 472.000 zu steigern. „Wir haben schnell auf eine digitale Kundeninteraktion umgestellt.“ Am Ende des Jahres hätten mehr Kundenkontakte und Kundentrainings stattgefunden als vor der Pandemie. Ebenso sei die virtuelle Messe „Geberit Webfair“, die die entfallenen Messen ersetzt hat, erfolgreich verlaufen. Die Krise habe die Digitalisierung beschleunigt.

Auch habe man einen Schwerpunkt auf digitale Aktivitäten für Endkunden gelegt. Buhl betonte, dass der Konzern so von dem Innovationstrend in den Badezimmern profitieren könne. Er hoffte, dass auch für 2021 der Trend des „Home Improvements“, des Heimwerkens am Haus, weiter anhalten werden.

Christian Buhl, Vorsitzender der Konzernleitung bei Geberit
Christian Buhl, Vorsitzender der Konzernleitung bei Geberit | Bild: Geberit

Nachhaltigkeit und Innovationen

Einen Schwerpunkt setzt Geberit auch auf Nachhaltigkeit. Durch energiesparende Technologien in der Keramikproduktion und erneuerbare Energien gelang es Geberit die CO2-Emissionen um 7,2 Prozent auf rund 207.000 Tonnen gegenüber 2019 zu reduzieren.

67,63 Millionen Euro hat Geberit 2020 in Innovationen gesteckt. Durchschnittlich könnten 33 Patente pro Jahr angemeldet werden, sagte Konzernchef Christian Buhl. Die Investitionsausgaben lagen mit 135,25 Millionen Euro zehn Prozent unter denen von 2019.

Unsicherer Ausblick ins Jahr 2021

Für 2021 möchte der Konzern weiter investieren um Kapazitäten auszuweiten und Werke effizienter zu gestalten. Neben Pfullendorf soll zum Beispiel auch am Standort Lichtenstein in Deutschland 40 Millionen Euro in die Werkserweiterung gesteckt werden. Auch die Digitalisierungsstrategie möchte Geberit weiter vorantreiben und dafür jährlich 13,35 Millionen Euro investieren.

Der Ausblick ins Jahr 2021 bleibt unsicher. Positiv für die Entwicklung könnte der Home-Improvement-Trend sein. Außerdem trieben die niedrigen Zinsen die Bautätigkeiten vermutlich auch 2021. Positive Effekte könnten auch öffentliche Konjunkturprogramme bringen, sowie die gestiegene Nachfrage nach hygienebezogenen Produkten.

3,1 Millionen Euro möchte Geberit im laufenden Jahr in den Standort Pfullendorf bei der Produktion von Unterputzspühlkästen investieren.
3,1 Millionen Euro möchte Geberit im laufenden Jahr in den Standort Pfullendorf bei der Produktion von Unterputzspühlkästen investieren. | Bild: Achim Mende

Negativ könnte sich die Zurückhaltung bei Investitionen auswirken sowie die fehlende Nachfrage aus Bereichen, die stark von der Krise betroffen sind, wie Restaurants und Hotels. Und auch der erheblich Anstieg der Rohmaterialpreise seit Dezember 2020 werde die Produktionskosten erhöhen.

Die Konzernleitung ist jedoch überzeugt, dass Geberit für die aktuellen Chancen und Herausforderungen gut gerüstet ist.