Nölende Auftraggeber, miserable Zahlungsmoral, Preisdrückerei – das Handwerk pflegt seit Jahren eine durchaus ambivalente Beziehung zu seinen Kunden. Einem Handwerker aus Bayern reicht es jetzt. Um endlich wieder ungestört seine Arbeit machen zu können, akzeptiert er bestimmte Problemgruppen in der Kundschaft nicht mehr. „Wir arbeiten nicht für Ingenieure, Doktoranden und Professoren der Firmen Audi und Siemens. Sollten Sie zu o. g. Personengruppen gehören, sparen Sie sich (und uns) das Verfassen von E-Mails“, heißt es auf der Webseite von Fliesenleger Michael Schmiedl aus Riedenburg nahe Ingolstadt. Eigentlich sei er ja „ein sehr umgänglicher Mensch“, sagte der 36-jährige dem „Donaukurier“, der zuerst über den ungewöhnlichen Schritt des Handwerkers berichtete. Nach Jahren des Herumärgerns habe er aber schlicht „keine andere Lösung mehr gesehen“.

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Was der Handwerker – immerhin seit Jahren im Geschäft – berichtet, liest sich tatsächlich wie Nachrichten aus einer anderen Welt. Einmal habe ein Audi-Ingenieur eine Marmortreppe nicht akzeptiert, weil die Muster des Steins Unregelmäßigkeiten aufwiesen. Das Argument, dass Naturprodukte nie ganz gleich aussähen, überzeugte ihn nicht. Er klagte. Ein anderer habe ihm stolz eine Zeichnung ausgehändigt, in der die exakte Lage aller Fliesen im Raum nebst eines Fugenplans verzeichnet gewesen sei. Umzusetzen sei der Geniestreich des Dipl.-Ing. freilich nicht gewesen. Selbst bei kleinstem Zeitverzug und minimalen Maß-Abweichungen müsse man sich bei Ingenieuren von Siemens und Audi stets auf eine Art Dreiklang des Schreckens einstellen: „Verzugsmahnungen vom Anwalt, Mängelrügen und Normgutachten“, schreibt Schmiedl auf seiner Webseite. Diese hat sich seit der Ankündigung des Handwerkers übrigens zu einer Art Fan-Seite für Akademiker-geschädigte Handwerker entwickelt. Allein in den letzten Tagen seien dort mehr als 2150 Briefe eingegangen. 98 Prozent davon signalisieren laut Schmiedl Zustimmung.

Polizisten, Ärzte und Lehrer besser als ihr Ruf

In einer Auswahl an Zuschriften präsentiert der streitbare Handwerker Geschichten von Berufskollegen, die von „arrogantem, hochnäsigem Verhalten der Herren Ingenieure und Manager“ berichten und den Mut loben, Dinge auszusprechen, die andere auch schon erlebt hätten, sich aber nie auszusprechen wagten. Unter dem Pseudonym „Audi-Ingenieur“ schreibt einer: „Hallo, ich würde von mir selbst auch keinerlei Aufträge annehmen. Es stimmt definitiv, wir sind realitätsfremd. Sogar meine Familie sagt, seit ich bei Audi arbeite, sei ich ein A...loch geworden.“ Es liege aber nicht an den Menschen, sondern an Audi. Schmiedl beteuert, es handele sich um Original-Nachrichten, die ihn erreicht hätten.

Wenn er sich seine Kunden backen könnte, würde es auf Polizisten hinauslaufen. Diese seien unkompliziert, weil sie tagtäglich erführen, „was echte Probleme sind“, schreibt der Bayer. Die Problemkundenquote liege bei ihnen bei null. Auch „Ärzte und Lehrer“ seien entgegen ihrem Ruf als penible Nörgler gar nicht so schlecht.