Spürbar bewegt nahm Lewis Hamilton ein besonderes Geschenk von Mick Schumacher entgegen. „Ich weiß nicht, was ich jetzt sagen soll“, gab Hamilton zu. In den Händen hielt er einen dieser berühmten roten Rennhelme von Michael Schumacher, dessen Siegrekord er kurz zuvor eingestellt hatte: „Ich bin sehr geehrt.“ Aber keiner könne sich jemals mit Schumacher vergleichen trotz aller Rekorde, betonte Hamilton, der den Helm anschließend auch mit auf das Podium zur Siegerehrung nahm.

Nächstes Kapitel in der Erfolgsgeschichte

Der 35 Jahre alte Brite feierte am Sonntag auf einer der Heimatstrecken Schumachers seinen 91. Grand-Prix-Sieg. Ebensoviele hatte Schumacher geschafft, der vor 25 Jahren als erster Deutscher auf dem Traditionskurs in der Eifel siegreich gewesen war. 2020 schrieb Hamilton das nächste Kapitel seiner Erfolgsgeschichte. Zur Saison 2013 hatte er Schumacher bei den Silberpfeilen abgelöst und damit seiner Karriere einen Beschleuniger verpasst.

Hamilton nähert sich WM-Triumph

Mit seinem Erfolg im elften Saisonrennen näherte sich Hamilton auch wieder dem siebten WM-Triumph und der nächsten Rekordmarke von Schumacher. Hamilton profitierte dabei auch von einem Defekt am Silberpfeil seines von der Pole gestarteten Teamkollegen Valtteri Bottas.

Zweiter wurde der Niederländer Max Verstappen im Red Bull, auf Rang drei schaffte es der Australier Daniel Ricciardo im Renault. Sebastian Vettel musste sich mit Platz elf begnügen. Nico Hülkenberg durfte sich dagegen über seinen achten Rang freuen bei seinem erneuten Aushilfseinsatz für Racing Point – und das vom letzten Startrang aus. Im WM-Klassement baute Hamilton seine Führung mit dem siebten Saisonsieg weiter aus. Er kommt nun auf 230 Punkte, Bottas bleibt als Zweiter bei 161 Zählern. Verstappen sammelte bisher 147 Punkte.

Als zum ersten Mal nach 2013 die roten Lampen für ein Formel-1-Rennen auf dem Nürburgring ausgingen, suchte Hamilton seine Siegchance in der Attacke. In die enge Rechtskurve nach der kurzen Beschleunigung bog Hamilton mit minimalem Vorsprung vor Bottas ein, beide trug es weit raus, Bottas hielt dagegen. Fair, aber knallhart rasten sie nebeneinander.

Hülkenberg rast auf Platz acht

Auf die beiden deutschen Piloten mussten die etwa 15 000 Zuschauer zunächst noch etwas länger warten. Vettel, gestartet von Rang elf, kämpfte, um wenigstens in die Top Ten zu kommen, nachdem sein Start nicht optimal gelaufen war. Bei einem Überholversuch leistete sich der viermalige Weltmeister auch noch einen Verbremser und kam mit qualmenden Reifen von der Strecke ab. Danach musste er sich neue Reifen holen – und weiterkämpfen. Hülkenberg hingegen, vom letzten Rang nach seinem Blitzengagement gestartet, machte mit einer Werbefahrt in eigener Sache für einen Vertrag im nächsten Jahr Position um Position gut, landete am Ende sogar auf Rang acht.

Auch an der Spitze tat sich was. In der zwölften Runde verbremste sich Bottas, Hamilton ließ sich diese Gelegenheit nicht nehmen und überholte seinen Teamkollegen mit einem erneut strammen Manöver. Trümmerteile nach einer Kollision sorgten für eine virtuelle Safety-Car-Phase. Alarm herrschte aber auch im Wagen von Bottas: „Ich habe keine Leistung mehr“, funkte der Finne. Kurze Zeit später kam der Bescheid vom Kommandostand: Aufgabe.

Teamkollege Lewis Hamilton ließ dem restlichen Feld unterdessen keine Chance und fuhr souverän zur historischen Rekordeinstellung. (dpa)

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