Paul Berg spürt den Unterschied. Die andere Welt, in die er in Südkorea eintaucht. Olympische Spiele sind für jeden Sportler etwas Besonderes, für manche sogar noch ein Stückchen mehr. Snowboardcrosser stehen selten im Schaufenster der Öffentlichkeit. Ihnen geht es ähnlich wie Rodlern oder Bobfahrern, die nur alle vier Jahre aus ihrer Schattenwelt ins gleißende Licht auftauchen. Weltcup-Rennen, ja sogar Weltmeisterschaften, werden nur begrenzt wahrgenommen. Auf Olympische Spiele aber schaut jeder – egal in welcher Sportart.

Paul Berg sagt: „Das Interesse hat schon deutlich zugenommen. Viel mehr Leute wollen nun ein Interview.“ Ihn freut das natürlich, bessere Werbung kann er für sich und seine Sportart kaum machen. Irgendwann aber stört es eben auch die Vorbereitung auf den Wettkampf. Der findet für den Konstanzer nach deutscher Zeit in der Nacht zu Donnerstag (3 Uhr) statt. Läuft für ihn alles optimal, erreicht er das Finale. Das fängt am Donnerstagmorgen um 6.45 Uhr deutscher Zeit an.

Paul Berg ist optimistisch. „Die Saison läuft extrem erfolgreich für uns“, sagt der 26-Jährige. Er hat schon einen Weltcup gewonnen, auf dem Feldberg wurde er kurz vor Olympia Dritter. Das gibt Selbstvertrauen. Sein Knie – er hatte sich vor gut zwei Jahren einen Kreuzbandriss zugezogen – hält. Er hat wieder volles Vertrauen in die Leistungsfähigkeit. Das Material passt, die Bretter der deutschen Starter sind immer schnell. Drei Serviceleute kümmern sich um die Snowboards. Sechs Bretter hat Berg mit nach Südkorea gebracht, sein Teamkollege Konstantin Schad sogar neun. Alle handgearbeitet, sie unterscheiden sich nur im Belag.

Paul Berg aus Deutschland fährt.
Paul Berg aus Konstanz während des Snowboardcross-Weltcups auf dem Feldberg. | Bild: Patrick Seeger

In Absprache mit den Technikern wird festgelegt, welcher der beste für das Olympia-Rennen sein wird. Einen Materialengpass muss Berg allerdings bei seinen Schuhen befürchten. Er fährt ein Modell, das nicht mehr hergestellt wird. Er hat sein aktuelles Paar und noch ein ganz neues, das noch nicht einmal ausgepackt ist – mehr nicht. „Gehen beide Paare kaputt, muss ich wohl die Karriere beenden“, sagt Paul Berg und lacht. Ein Witz, natürlich.

Ans Karriereende denkt Berg längst nicht. Nicht jetzt, da er immer besser zurechtkommt. An einem guten Tag, sagt er, könne er um die Medaillen fahren. Hat er Pech, könnte er auch in der ersten Runde ausscheiden. Beim Kampf Mann gegen Mann kommt es im Snowboardcross nicht nur auf die eigene Leistung an. Jeder Starter ist auch von seinen Kollegen im Lauf abhängig. Es kommt nicht selten vor, dass Athleten von einem Konkurrenten umgefahren werden. Oft geht es gut, aber nicht immer. Wer allerdings rempelt oder ähnliches, wird bestraft. Berg hofft diesmal auf unfallfreie Rennen. Vor vier Jahren in Sotschi hatte er im Viertelfinale Pech, als ihn ein Gegner umfuhr.

Die Olympiafahrer aus der Region im Snowboardcross: Paul Berg und Jana Fischer.
Die Olympiafahrer aus der Region im Snowboardcross: Paul Berg und Jana Fischer.

Seine Eltern sind seit Montag in Südkorea, Schwester Luca drückt von zu Hause aus die Daumen. Sie war selbst Snowboarderin und verpasste die Spiele vor vier Jahren sehr unglücklich. Mittlerweile hat sie ihre Karriere wegen mehrerer Verletzungen beendet. Sie studiert nun. „Sie ist mein größter Fan und Kritikerin zugleich“, sagt Paul Berg. Wann immer möglich, halten sie Kontakt. Und vielleicht kann sie ihrem Bruder am frühen Morgen ja aus Deutschland zu einer Medaille gratulieren. Das Selbstvertrauen und das Können dazu hat er.

 

So geht Snowboardcross

Snowboardcross feiert in Turin seine Premiere bei Olympischen Winterspielen. Die dritte olympische Snowboard-Disziplin neben Halfpipe und Riesenslalom erinnert an ein Motocrossrennen. Vier Fahrer gehen gleichzeitig auf einen mit Steilkurven, Wellen und anderen Hindernissen gespickten rund 900 Meter langen Parcours. In dem körperbetonten Rennen kommt es häufig zu spektakulären Stürzen. Beim Snowboardcross gilt es, die richtige Startposition und die Ideallinie zu finden. Dabei versuchen die Fahrer, ähnlich wie im Basketball, die Gegner durch geschickten Körpereinsatz auf Distanz zu halten. Bei Olympia qualifizieren sich in den sogenannten Time-Trials zunächst die 32 Schnellsten im Rennen gegen die Uhr für die K.o.- Durchgänge. Hier starten dann je vier Läufer pro Durchgang, dem Heat. Die durchschnittliche Laufzeit pro Heat beträgt 1:40 Minuten. Die zwei schnellsten Starter kommen weiter. (dpa)

 

Paul Berg in Pyeongchang im Interview mit SÜDKURIER-Redakteur Marco Scheinhof:

Video: Marco Scheinhof

 

Paul Berg und seine größten Kontrahenten

An einem sehr guten Tag kann Paul Berg in Pyeongchang um die Medaillen kämpfen. Die Konkurrenz aber ist groß:
  • Paul Berg

    Der Konstanzer hat in diesem Winter bereits einen Weltcup gewonnen. Für Olympia ist der 26-Jährige guten Mutes. „Wenn an dem einen Tag alles optimal läuft, kann ich vielleicht um eine Medaille kämpfen“, sagt Berg, der seinen Lebens- und Trainingsmittelpunkt im Allgäu hat. Die deutschen Snowboardcrosser haben sich nach einem enttäuschenden vergangenen Winter wieder nach vorne gearbeitet und sind nach einem Trainerwechsel im Aufwind. „Wir sind auf dem richtigen Weg“, sagt Berg. Vor vier Jahren in Sotschi hatte er Pech, als er in einem Vorlauf unverschuldet nach einem Unfall ausschied. Das soll diesmal nicht passieren.

  • Pierre Vaultier

    Der Franzose siegte 2014 und ist aktueller Weltmeister. Auch den letzten Weltcup vor Olympia auf dem Feldberg gewann er.

  • Alex Pullin

    Der Australier liegt auf Platz zwei im Gesamtweltcup. In Sotschi 2014 kam er nur auf Platz 13, er hat also etwas gutzumachen.

  • Alessandro Hämmerle

     

    Der Österreicher hält sich schon länger in der Spitzengruppe. Im Weltcup war er zuletzt stets unter den besten Fünf. (sma)