Ach herrje, was soll man in knapp 60 Zeilen über den FC Schalke 04 erzählen, auch wenn sie etwas breiter geschrieben sind? 60, wo 6000 nicht ausreichen würden, um diesen Verein auch nur halbwegs zu beschreiben.

Von seiner Gründung am 4. Mai 1904, als sich der Legende nach einige 14- und 15-jährige Jungen, die gemeinsam Fußball spielen wollten in einem Hinterhof am Schalker Markt, zum Verein „Westfalia Schalke“ zusammenschlossen. Und von der „Die Zeit“ 100 Jahre später schrieb: „Es ist die Stunde, da die Schalke-Geschichte beginnt. Eine Geschichte der Leidenschaft, des Schwindels, der Macht – die Geschichte des legendärsten deutschen Fußballklubs“.

Leidenschaft? Klar, einmal S04, immer S04. Schwindel? Klar, schon Ernst Kuzorra, die Ikone der 30er-Jahre, soll Sonderprämien für besondere Einsätze eingefordert und erhalten haben, klar, der Bundesligaskandal 1971 mit dem verschobenen Heimspiel gegen Arminia Bielefeld. Macht? Klar, Schalke 04 hat auf dem Präsidentenstuhl Sonnenkönige gesehen und Finanzjongleure, klar, Schalke hatte mit Rudi Assauer den Manager, der es als einziger in der Bundesligaszene mit einem Uli Hoeneß aufnehmen konnte. Der legendärste Klub? Klar, siebenmal deutscher Meister (wenn auch das letzte Mal, 1958, schon mehr als 60 Jahre zurückliegt), fünfmal deutscher Pokalsieger, Uefa-Cup-Triumphator 1997, zehnmal Vizemeister und anno 2001 sogenannter Meister der Herzen, großartige Kicker noch und nöcher, selbst die spanische Legende Raúl spielte von 2010 bis 2012 zwei Jahre lang für Königsblau und erzielte in 56 Spielen 28 Tore.

Ende Juni 2010 erhielt Heinz-Willi Lemgen, Betreiber des Internetportals „rund-um-schalke“, den Anruf eines Freundes, der ihm mitteilte, dass Raúl demnächst bei Schalke spielen würde. Der kurze Dialog: „Raúl, welcher Raúl?“ – „Wie, welcher Raúl? Der Raúl.“ – „Na, da hat man dir aber einen schönen Bären aufgebunden.“ So fing eine Geschichte an, die Lemgens Fußballwelt für immer veränderte. Sein O-Ton: „Es war unfassbar. Da kam kein hochnäsiger oder eingebildeter Weltstar, da kam ein ganz normaler Mensch. Etwas schüchtern, liebevoll, total zurückhaltend. Er führte Schalke auf seine Art und Weise, auf eine, die wir noch nie erlebt hatten. Er eroberte unsere Herzen und hat sich dort für alle Ewigkeiten eingenistet. Zwei Jahre lang verzauberte er Schalke und die ganze Bundesliga. Als er ging, weinte ganz Schalke, aber auch er. Niemals vorher habe ich so etwas erlebt.“

Viele große Schalker Helden sind längst tot oder unlängst gestorben. Wir erinnern deshalb auch noch an einen besonderen Königsblauen. Charly Neumann war von 1950 bis zu seinem Tod am 11. November 2008 S04-Mitglied. Lange Zeit als Jugendleiter und ab 1976 dann ebenso lange als Mannschaftsbetreuer bei den Profis. Der Mann, der als einziger Nicht-Profi in die Schalker Ehrenkabine, also die vereinseigene Hall of Fame, berufen wurde, hat viele gute Sprüche geliefert. Einer hat ihn ganz sicher überlebt: „In schlechten Zeiten müsst ihr Schalker sein. In guten haben wir genug davon!“

Wissenswertes über den Verein

J+P+R Mittmann

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