Das Online-Thermometer zeigt fünf Grad Celsius. Noch liegt kein Schnee. Doch die Skisaison am Arlberg ist nicht mehr fern. Das größte Skigebiet Österreichs und eines der fünf größten weltweit macht sich bereit für die vielleicht ungewöhnlichste Saison überhaupt: Denn in diesem Jahr ist alles anders. „Voller Vorfreude sehen wir dem Winter entgegen – auch wenn es ein etwas anderer Winter werden wird“, heißt es auf der Webseite skiarlberg.at.

Die Après-Ski-Partys von Ischgl in Tirol im Frühjahr wurde zum Ansteckungsherd für Corona, die Bilder von betrunkenen Partygästen, die dicht an dicht miteinander feierten, mitunter auch auf Tuchfühlung miteinander gingen, sorgten für Empörung und Unverständnis, weil die Behörden damals viel zu spät eingriffen. Nun sind viele Menschen verunsichert, ob sie überhaupt einen Ski-Urlaub buchen sollen.

Noch sind die Zahlen in dem Urlaubsziel Vorarlberg nicht besorgniserregend, doch im Ampelsystem Österreichs sind schon zwei Regionen Vorarlbergs mit hohem Risiko behaftet, die übrigen beiden mit mittlerem Risiko. Aktuell sind 370 Menschen in dem Bundesland aktiv mit Corona infiziert.

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Verunsicherung unter den Touristen

Eine Umfrage der Region Vorarlberg ergab, dass viele potenzielle Urlauber noch unschlüssig sind, ob sie buchen sollen. Ein Drittel der befragten Touristen aus Österreich und Deutschland will demnach auf jeden Fall einen Winterurlaub buchen, ein Fünftel geht hingegen davon aus, dass Ferien im Schnee in diesem Jahr nicht möglich sein werden. Die große Mehrheit der Befragten sei noch unschlüssig.

Die Region musste handeln. Nun legte sie ein Konzept vor, wie die bevorstehende Skisaison gestaltet werden kann, ohne ein zweites Ischgl zu erleben. „Winterkodex V“ heißt das Konzept, mit dem Vorarlberg punkten will. Das Paket soll Touristen die Unsicherheit nehmen – sowohl zur Buchung als auch beim Aufenthalt selbst.

Der Vorarlberger Landesrat Christian Gantner ist zuständig für den Bereich Tourismus in dem österreichischen Bundesland. | Bild: lisamathis.at

Tourismuslandesrat Christian Gantner sagt dem SÜDKURIER im Interview, das Land wolle mit damit ein Sicherheitspaket schnüren, das über den derzeit gesetzlichen Vorgaben des Bundes liege, „weil wir glauben, sie sind in manchen Bereichen zu locker“.

Das Schutzpaket in Vorarlberg

Die Region setzt unter anderem auf schnelle Verfolgung von Infektionsketten: Der Weg des Gastes soll nachvollziehbar bleiben – vom Hotel über den Skiverleih, bis zur Seilbahn, um Infektionsketten rechtzeitig unterbrechen zu können. „Uns geht es darum, dem Gast zu vermitteln: Du kannst mit einem sicheren Gefühl Urlaub bei uns machen“, erläutert Gantner das Konzept.

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In jeder Urlaubsdestination soll eine Arbeitsgruppe eingerichtet werden, die die Infektionslage im Blick hat und überwacht. Außerdem will Vorarlberg das Abwasser durch das Umweltinstitut prüfen lassen und so als Corona-Warnsystem nutzen.

Kostenlose Stornierung

Zudem soll eine Stornoversicherung eingerichtet werden, die es Gästen ermöglichen soll, kostenlos zu stornieren. So will das Land die Touristen animieren, zu buchen – ohne Angst, zum Reisezeitpunkt den Urlaub nicht antreten zu können. Auch will die Region Testmöglichkeiten für die Touristen einrichten, allerdings kostenpflichtig. Die Hotels sollen Temperaturmessgeräte verfügbar haben.

Regelmäßige Corona-Tests

In Restaurants und Hotels gilt, was auch hier inzwischen als normal gilt: Mund-Nasen-Schutz tragen. Für die Mitarbeiter heißt es: Vor dem ersten Arbeitstag beziehungsweise bei der Ankunft muss ein Corona-Test gemacht werden, der dann wöchentlich wiederholt wird. Täglich vor Dienstbeginn müssen die Mitarbeiter ihre Temperatur messen lassen.

Betriebsintern sollen die Kontakte zudem nachvollziehbar bleiben, um Infektionsketten möglichst schnell unterbrechen zu können – etwa durch Dienstpläne oder Zeiterfassungskarten. Mitarbeiter müssen nachweislich in den notwendigen Hygiene- und Präventionsmaßnahmen geschult werden.

Skifahrer am Arlberg vor dem Panorama der Region, im Hintergrund Klostertal und Rätikon.
Skifahrer am Arlberg vor dem Panorama der Region, im Hintergrund Klostertal und Rätikon. | Bild: Josef Mallaun/Tourismus Vorarlberg

In den Gondeln bleibt es eng

Auch in den Seilbahnen müssen die Masken getragen werden. So heißt es auf der Webseite des Skigebiets: In sämtlichen Bahn- und Liftgebäuden sowie den Zugängen und an den Kassen, in den Anstehbereichen und bei Bahn- und Liftfahrten selbst müsse ein Mund-Nasen-Schutz getragen werden.

Obergrenzen seien aber nicht vorgesehen, stellt Landesrat Gantner klar: „Wir werden nicht an den Förderkapazitäten schrauben“, sagt der 40-Jährige. Seilbahnen gelten in Österreich als öffentliche Verkehrsmittel, doch „eine Reduktion der Fahrgastkapazitäten ist derzeit rechtlich nicht vorgegeben“, informiert die Webseite. Ein kleiner Trost: Bei „geringerem Fahrgastaufkommen“ werde die Kapazität der Bahnen nicht ausgeschöpft.

Das Land will stattdessen maximale Besucherzahlen im Skigebiet festlegen. „Wo diese Obergrenze liegt, steht aber noch nicht genau fest“, sagt Gantner.

Après-Ski? Zumindest kein typischer

Und was ist mit Après-Ski? Da hält sich Vorarlberg noch etwas bedeckt. „Den typischen Après-Ski, der laut und eng ist, wird es in diesem Winter sicher nicht mehr geben“, sagt der Tourismuslandesrat nur. Auch das gehört offenbar zu den Details des neuen Sicherheitskonzepts, die das Land bis Mitte Oktober ausarbeiten will.

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